Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schutzimpfung gegen Rotavirus vermeidet Krankenhausaufenthalt von Kindern

13.12.2007
Eine einfache Schluckimpfung könnte jedes Jahr Tausenden von Kindern und Eltern Leid und Kummer ersparen: "Eine Rotavirusinfektion ist die häufigste Ursache für schwere und schwerste Durchfallerkrankungen, die hauptsächlich im Säuglings- und Kleinkindalter auftreten", erläutert Prof. Dr. Volker Schuster von der Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche der Universität Leipzig.

In manchen Fällen müssen die betroffenen Kinder sogar auf die Intensivstation, um dort gegen die Folgen der Erkrankung behandelt zu werden. Stationäre Krankenhausaufenthalte, die vermeidbar sind: Wie Schuster und Kollegen aus Finnland, der Tschechischen Republik, Frankreich, Italien und Spanien nachwiesen, verhindert die Rotavirus-Impfung zu fast 96 Prozent die schwersten Erkrankungen und zu 100 Prozent einen stationären Krankenhausaufenthalt. Über die Ergebnisse einer Studie der europäischen Mediziner berichtete jetzt das renommierte Fachblatt "The Lancet".

Wie Schuster erläutert, wurden im Jahr 2006 allein in Deutschland rund 67.000 Fälle von Rotavirus-bedingten Durchfallerkrankungen gemeldet. "Doch die Dunkelziffer ist wesentlich höher, weil nicht jede Rotavirus-Infektion als solche erkannt und auch nicht jede erkannte tatsächlich gemeldet wird", berichtet der Mediziner. Noch 2005 waren nach seinen Angaben vier Todesfälle zu verzeichnen, die auf das Virus zurückzuführen waren. "Allerdings betraf das ältere Menschen", stellt Schuster klar. Dennoch sind die Auswirkungen einer Infektion mit dem Virus auch bei Kindern alarmierend: Die betroffenen Säuglinge und Kleinkinder leiden an schweren Durchfällen und heftigem Erbrechen. Dadurch werden die kleinen Körper so ausgetrocknet, dass eine klinische Behandlung notwendig wird.

Das Virus ist nach Schusters Worten hoch infektiös und kann durch normale Hygienemaßnahmen nicht wirksam bekämpft werden. Deshalb sei es ratsam, Kinder ab der 7. Lebenswoche dagegen impfen zu lassen. Wie die europäischen Forschungen gezeigt hätten, musste keines der Kinder, die gegen das Rotavirus geimpft wurden, im 1. Lebensjahr stationär im Krankenhaus aufgenommen werden. Gegen die in Europa vorkommenden Stämme des Virus seien die Kinder so weit immunisiert worden, dass in 95,8 Prozent der Fälle schwerste Erkrankungen vermieden werden konnten. In 87 Prozent der Fälle sei die Wirkung gegen jeglichen Rotavirus nachgewiesen worden.

... mehr zu:
»Impfung »Infektion »Rotavirus »Virus

Eine komplette Impfung kostet derzeit rund 180 Euro und wird noch nicht von den Krankenkassen bezahlt. Schuster ist aber zuversichtlich, dass die Sächsische Impfkommission sowie Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut die von ihm und seinen Kollegen jetzt vorgelegte Studie zum Anlass nehmen, die Schluckimpfung gegen das Rotavirus in den Empfehlungskatalog aufzunehmen. Wenn dies geschieht, würden Kinderärzte dazu verpflichtet, Eltern über die Impfung zu informieren, und die Krankenkassen müssten die Kosten dafür übernehmen. "Krankenkassen rechnen ja immer gegen, wo gespart wird, wenn eine Maßnahme bezahlt wird", so Schuster. Im Fall der Rotavirus-Impfung liegen die Vorteile klar auf der Hand: Wenn im 1. Lebensjahr kein Kind mehr in ein Krankenhaus eingewiesen werden müsste, sei hier schon ein erhebliches Einsparpotenzial gegeben. Hinzu kämen die volkswirtschaftlichen Effekte, wenn Eltern nicht wegen der notwendigen Betreuung des Nachwuchses ausfielen.

Zudem würde den Eltern die Belastung abgenommen, der sie ausgesetzt sind, wenn ihre Kinder an einer durch das Virus ausgelösten Infektion erkrankten: Die schweren Durchfälle und das starke Erbrechen, unter dem die Kinder leiden, belastet die Eltern in erheblichem Umfang. "Wenn sie einmal ein derart erkranktes Kind betreut haben, sagen die Eltern in der Regel, dass eine solche Infektion ausreicht und sie einer Impfung sofort zustimmen würden", sagt Schuster.

Jörg Aberger

weitere Informationen:

Prof. Dr. Volker Schuster
Telefon: 0341 97-26290
E-Mail: schv@medizin.uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~kikli

Weitere Berichte zu: Impfung Infektion Rotavirus Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Rauchentwöhnung mit Virtual Reality
12.10.2018 | Universität Siegen

nachricht Forscher decken Ursachen der seltenen Schlafkrankheit Narkolepsie auf
12.10.2018 | Universität Witten/Herdecke

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Im Focus: Chemiker der Universitäten Rostock und Yale zeigen erstmals Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen

Die Forschungskooperation zwischen der Universität Yale und der Universität Rostock hat neue wissenschaftliche Ergebnisse hervorgebracht. In der renommierten Zeitschrift „Angewandte Chemie“ berichten die Wissenschaftler über eine Dreierkette aus Ionen gleicher Ladung, die durch sogenannte Wasserstoffbrücken zusammengehalten werden. Damit zeigen die Forscher zum ersten Mal eine Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen, die sich im Grunde abstoßen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Professoren Mark Johnson, einem weltbekannten Cluster-Forscher, und Ralf Ludwig aus der Physikalischen Chemie der...

Im Focus: Storage & Transport of highly volatile Gases made safer & cheaper by the use of “Kinetic Trapping"

Augsburg chemists present a new technology for compressing, storing and transporting highly volatile gases in porous frameworks/New prospects for gas-powered vehicles

Storage of highly volatile gases has always been a major technological challenge, not least for use in the automotive sector, for, for example, methane or...

Im Focus: Materiezustände durch Licht verändern

Forscherinnen und Forscher der Universität Hamburg stören die kristalline Ordnung

Physikerinnen und Physikern der Universität Hamburg ist es gelungen, mithilfe von Laserpulsen die Ordnung von Quantenmaterie so zu stören, dass ein spezieller...

Im Focus: Disrupting crystalline order to restore superfluidity

When we put water in a freezer, water molecules crystallize and form ice. This change from one phase of matter to another is called a phase transition. While this transition, and countless others that occur in nature, typically takes place at the same fixed conditions, such as the freezing point, one can ask how it can be influenced in a controlled way.

We are all familiar with such control of the freezing transition, as it is an essential ingredient in the art of making a sorbet or a slushy. To make a cold...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Berlin5GWeek: Private Industrienetze und temporäre 5G-Inseln

15.10.2018 | Veranstaltungen

PV Days in Halle zeigen neue Chancen für die Photovoltaik

11.10.2018 | Veranstaltungen

Methan als umweltfreundlicher Kraftstoff für LKW, Busse und andere Nutzfahrzeuge

10.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grauer Star: Neues Verfahren bei der Katarakt-Operation

15.10.2018 | Medizintechnik

Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

15.10.2018 | Physik Astronomie

Geowissenschaften: Was unter dem Wald schläft

15.10.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics