Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bahn frei für die erste europäische Forschungsstrategie zu neurodegenerativen Krankheiten

19.04.2010
Am 15. April trafen sich in Stockholm, Schweden, einige der weltweit führenden Experten im Bereich neurodegenerativer Erkrankungen, um die Arbeit an einer europaweiten Forschungsagenda aufzunehmen, die der Arbeit der neuen gemeinsamen Programminitiative zu neurodegenerativen Erkrankungen (Joint Programme on Neurodegenerative Diseases, JPND) einen Rahmen bereitstellen wird. Mit der JPND wurde die erste gemeinsame Programminitiative ins Leben gerufen, deren Beginn einen Richtungswechsel bei Forschungsförderung und -koordinierung in Europa darstellt.

Derzeit werden lediglich 15% der öffentlichen Forschungsmittel in der EU auf europäischer Ebene verwaltet, die restlichen 85% werden durch zahlreiche nationale Programme verteilt. Obwohl viele dieser nationalen Systeme zahlreiche Gemeinsamkeiten aufweisen, werden sie untereinander kaum koordiniert.

Das Ziel der gemeinsamen Programmplanung ist die Vernetzung nationaler Systeme, die sich mit Problemen von europäischer oder globaler Bedeutung befassen. Die Programme werden damit Ressourcen bündeln und so Doppelarbeit verringern und Forschung effizienter machen. Die Teilnahme der Länder an den Programmen geschieht auf absolut freiwilliger Basis; die Rolle der Europäischen Kommission besteht darin, Maßnahmen zu erleichtern und zu koordinieren.

Alzheimer und andere neurodegenerative Erkrankungen bilden den Schwerpunkt der ersten gemeinsamen Programminitiative, für die sich schon 24 europäische Länder zusammengefunden haben. Die Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen kostet die europäischen Gesundheitssysteme bereits rund 72 Mrd. Euro jährlich. Die wenigen existierenden Behandlungsmöglichkeiten für diese Krankheiten zielen eher auf die Symptome ab, aber nicht auf die zugrunde liegende Ursachen. Viele dieser Leiden stehen mit dem Alter im Zusammenhang, und der Anteil der europäischen Bevölkerung über 65 Jahre wird bis 2030 voraussichtlich auf 25% anwachsen (heute liegt er bei 16%). Die Krankheitsfälle sowie die soziale und finanzielle Belastung, die durch ihre Behandlung entsteht, dürften somit in den kommenden Jahren ansteigen.

Die JPND-Initiative hat sich vorgenommen, in kurzer Zeit unser Verständnis der Ursachen neurodegenerativer Erkrankungen zu erweitern. Ärzte sollen mit Werkzeugen für eine frühzeitige Diagnose und Behandlung dieser Krankheiten ausgestattet werden und auch die medizinischen und sozialen Pflegesysteme sollen sowohl für die Patienten als auch für ihre Betreuer verbessert werden. Der JPND-Verwaltungsrat hat bereits seine Arbeit aufgenommen und das wissenschaftliche Beratungsgremium, das aus 15 Experten auf den Gebieten der Grundlagenforschung, der klinischen und Sozial-/Gesundheitssystemforschung besteht, wird zum ersten Mal in Stockholm tagen.

Das wissenschaftliche Beratungsgremium wird in der schwedischen Hauptstadt mit den Arbeiten zur Vorbereitung der kurz-, mittel- und langfristigen Forschungsagenden beginnen und einen Vorsitzenden oder eine Vorsitzende sowie dessen/deren Stellvertreter wählen. Der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Professor Philippe Amouyel von der Universitätsklinik Lille, Frankreich, hofft, dass seine Kollegen im wissenschaftlichen Beirat bis Ende 2010 eine kleine Zahl von wichtigen Themen vorlegen werden. Die vollständige Forschungsagenda sollte dann 2011 fertig sein.

Professor Amouyel stellt sich die Agenda wie eine Speisekarte vor: die an der JPND-Initiative teilnehmenden Länder werden sich Themen aussuchen, die für sie von Interesse sind, und entscheiden, wie ihre Aktivitäten in diesem Bereich am besten koordiniert werden. "Sobald eine Priorität bestimmt und ausgewählt wurde, besteht die erste Aufgaben in einer Bestandsaufnahme", sagte Professor Amouyel CORDIS-Nachrichten gegenüber.

In einigen Fällen können bestehende Initiativen eingebunden werden, während andere Themen vielleicht die Gründung neuer Initiativen erfordern. Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen können gemeinsam veröffentlicht werden und Professor Amouyel glaubt, dass einige Länder bereit sein könnten, Forscher aus anderen Ländern zu finanzieren. "Alles ist offen und möglich", sagte er.

"Der Erfolg beruht auf der gemeinsamen Auffassung, dass die Bündelung von Wissen, Infrastrukturen, Förderangeboten sowie die Schaffung einer kritischen Masse mit einheitlichen, interdisziplinären Konzepten die besten wissenschaftlichen Ziele und Antworten hervorbringen werden", fügte er hinzu. "Dadurch werden wir die Forschungsinvestitionen im Bereich der neurodegenerativen Erkrankungen in Europa optimieren."

"Dank dieses gemeinsamen Programms werden die besten europäischen Medizinforscher zusammenarbeiten und ihre Ressourcen zusammenführen, um Millionen von Menschen zu helfen, die unter Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen leiden", kommentierte EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft Máire Geoghegan-Quinn.

"Durch effizientere Forschung und die Vermeidung von Doppelarbeit wird das gemeinsame Programm die Aussichten auf echte Fortschritte bei der Verhütung und Behandlung dieser Krankheiten erhöhen. Die daraus gewonnenen Erfahrungen werden dann in die Forschungsarbeiten in anderen Bereichen einfließen."

Die JPND-Initiative wird als eine Art Pilotprojekt für die gemeinsame Programmplanung angesehen. Weitere Initiativen sind bereits geplant und Professor Amouyel erklärte, dass er und sein Team schon mit Leuten in Verbindung stehen, die an anderen gemeinsamen Programminitiativen arbeiten. "Wir geben jetzt schon Informationen zu Arbeitsmethoden, zur Organisation und zur Themenbestimmung weiter", bemerkte er.

| CORDIS
Weitere Informationen:
http://www.neurodegenerationresearch.eu/
http://www.kooperation-international.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Spezialfarbstoff erlaubt völlig neue Einblicke ins Gehirn
16.08.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Keime fliegen mit
16.08.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics