Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Anti-Leukämie-Medikament auf der Zielgeraden für einen europaweiten Einsatz

22.10.2015

Blinatumomab ist ein Wirkstoff, der dem Immunsystem von Krebspatienten hilft, Tumorzellen zu erkennen und zu vernichten. Nachdem das Medikament vor knapp einem Jahr bereits für den US-Markt zugelassen wurde, empfahl kürzlich auch der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur EMA die EU-Zulassung. Man kann nun davon ausgehen, dass der zu großen Teilen am Universitätsklinikum Würzburg entwickelte und erprobte Antikörper bald als reguläres Arzneimittel eingesetzt werden kann.

Ende September dieses Jahres teilte das Pharmaunternehmen Amgen mit, dass der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur EMA die EU-Zulassung von Blinatumomab zur Behandlung von Erwachsenen mit rezidivierter akuter lymphatischer Leukämie (ALL) empfiehlt.


Das Wirkungsprinzip des Anti-Leukämie-Medikaments Blinatumomab.

Bild: Universitätsklinikum Würzburg

„Wir gehen jetzt davon aus, dass das Medikament nach einigen weiteren, untergeordneten Formalitäten vermutlich noch vor Ende dieses Jahres als reguläres Arzneimittel zur Verfügung steht“, freut sich Prof. Ralf Bargou vom Universitätsklinikum Würzburg (UKW).

Der Direktor des am UKW angesiedelten Comprehensive Cancer Centers (CCC) Mainfranken war zusammen mit der Leiterin der Early Clinical Trial Unit (ECTU), Dr. Marie-Elisabeth Goebeler, und Prof. Max Topp, dem Leiter des Bereichs Hämatologie an der Medizinischen Klinik II des UKW, entscheidend an der Entwicklung und Erprobung des gentechnisch erzeugten Antikörpers beteiligt.

Uniklinikum Würzburg maßgeblich an internationalen Studien beteiligt

Während in den USA seit der behördlichen Zulassung von Blinatumomab (Produktname Blincyto) im Dezember 2014 Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie, die auf herkömmliche Chemotherapie nicht ansprechen oder einen Rückfall erleiden, regulär mit dieser neuen Immuntherapie behandelt werden können, ist das Medikament in Deutschland und anderen europäischen Staaten zur Zeit nur im Rahmen von Studien erhältlich.

An der Durchführung dieser Studien einschließlich der Zulassungsstudie war das Würzburger Universitätsklinikum – und hier insbesondere die Medizinische Klinik II unter Leitung von Prof. Hermann Einsele – entscheidend beteiligt. „Dank des Einsatzes von Blinatumomab können wir für mehr als ein Drittel der erwachsenen Patienten mit einem Leukämierückfall eine komplette und nachhaltige Krankheitsremission erreichen, was für diese schwerkranken Patienten ein sehr gutes Ergebnis darstellt“, schildert Prof. Topp, der diese Studie leitete.

Aktuell läuft unter dem Namen „Tower-Studie“ eine große, internationale Therapiestudie, in der Blinatumomab mit einer Standardchemotherapie verglichen wird. „Wir waren hier sehr erfolgreich in der Rekrutierung von passenden Patienten, sodass Würzburg in dieser weltweite Studie nach dem US-amerikanischen Krankenhaus City of Hope in Pasadena die zweitmeisten Patienten in die Studie einbringen konnte“, berichtet Prof. Topp.

So funktioniert Blinatumomab

Eine der großen Hoffnungen der internationalen Krebsforschung beruht darauf, das körpereigene Immunsystem des Patienten gegen die Tumorzellen zu wenden. Zu den stärksten Waffen der Immunabwehr zählen die T-Zellen. Leider können diese „Killer“ Krebszellen in der Regel nicht von gesunden Zellen unterscheiden und greifen sie deshalb auch nicht an.

Um diese biochemische Blindheit zu überbrücken, gelang es Prof. Bargou und seinem Team zusammen mit Forschern aus München, gentechnisch einen Antikörper zu designen, der einerseits in der Lage ist, an der Krebszelle anzudocken und andererseits an T-Zellen binden kann. Mit Hilfe dieses „Adapters“ werden die Abwehrzellen aktiviert, sie erkennen die schädlichen Zellen und können sie in der Folge zerstören.

Als klinisch wirksam erwies sich Blinatumomab bislang bei der akuten lymphatischen Leukämie und bei Non-Hodgkin-Lymphomen. Bei der Vielzahl der in Studien damit behandelten Patienten war zumindest ein teilweiser, häufig auch ein kompletter Rückgang der Tumorzellen zu beobachten.

Knapp 20 Jahre lang trieb die Münchener Biotechnologie-Firma Micromet als kommerzieller Partner die Entwicklung von Blinatumomab voran, bevor das Unternehmen und sein aussichtsreicher Medikamentenkandidat im Jahr 2012 vom US-amerikanischen Biotech-Konzern Amgen übernommen wurde.

Susanne Just | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.ukw.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mit körpereigenem Protein Herpes bekämpfen
13.11.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Mit Lichtimpulsen Herzzellen abschalten
06.11.2018 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Im Focus: A Chip with Blood Vessels

Biochips have been developed at TU Wien (Vienna), on which tissue can be produced and examined. This allows supplying the tissue with different substances in a very controlled way.

Cultivating human cells in the Petri dish is not a big challenge today. Producing artificial tissue, however, permeated by fine blood vessels, is a much more...

Im Focus: Optimierung von Legierungswerkstoffen: Diffusionsvorgänge in Nanoteilchen entschlüsselt

Ein Forschungsteam der TU Graz entdeckt atomar ablaufende Prozesse, die neue Ansätze zur Verbesserung von Materialeigenschaften liefern.

Aluminiumlegierungen verfügen über einzigartige Materialeigenschaften und sind unverzichtbare Werkstoffe im Flugzeugbau sowie in der Weltraumtechnik.

Im Focus: Graphen auf dem Weg zur Supraleitung

Doppelschichten aus Graphen haben eine Eigenschaft, die ihnen erlauben könnte, Strom völlig widerstandslos zu leiten. Dies zeigt nun eine Arbeit an BESSY II. Ein Team hat dafür die Bandstruktur dieser Proben mit extrem hoher Präzision ausgemessen und an einer überraschenden Stelle einen flachen Bereich entdeckt. Möglich wurde dies durch die extrem hohe Auflösung des ARPES-Instruments an BESSY II.

Aus reinem Kohlenstoff bestehen so unterschiedliche Materialien wie Diamant, Graphit oder Graphen. In Graphen bilden die Kohlenstoffatome ein zweidimensionales...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Automatisierte Klebfilmablage und Stringerintegration für den Flugzeugbau

14.11.2018 | Materialwissenschaften

Wie Algen und Kohlefasern die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre nachhaltig senken könnten

14.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Was das Meer zur Klimaregulierung beiträgt: Neue Erkenntnisse helfen bei der Berechnung

14.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics