Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Akupunktur aktiviert Schmerzhemmer

31.05.2010
Forschern finden neuen Wirkmechanismus der Nadelung

Eine physiologische Erklärung für die Wirkung von Akupunktur dürfte Forschern der University of Rochester http://www.rochester.edu gelungen sein. Sie zeigten bei Mäusen, dass Akupunkt-Einstiche eine körpereigene Verbindung aktivieren, die unter anderem im Immunsystem und bei der Schmerzunterdrückung eine Rolle spielen. Im Versuch konnte dieser Effekt durch einen gängigen Wirkstoff der Krebstherapie zusätzlich verstärkt werden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Nature Neuroscience" veröffentlicht.

Jenseits von Placebo

"Akupunktur ist in der Schmerztherapie immer besser akzeptiert", berichtet der Neurologe Alexander Meng, Vizepräsident der österreichischen Gesellschaft für Akupunktur http://www.akupunktur.at , im pressetext-Interview. "Neben dem psychischen Faktor Zuwendung und dem Placebo-Effekt treten durch die Nadelung jedoch auch schmerzlindernde Veränderungen in Hirn, Rückenmark oder Peripherie auf, die objektivierbar sind." Bisher bekannt sei vor allem die Ausschüttung körpereigener Opiate, sogenannte Endomorphine. Die aktuellen Ergebnisse beschreiben jedoch einen noch kaum diskutierten Mechanismus.

Adenosin heißt das Molekül, auf das sich die US-Forscher nun konzentrierten. Bisher weiß man, dass diese natürliche Verbindung den Blutdruck durch eine Blutgefäß-Weitung sinken lässt und die Herzfrequenz verringert. Zudem fördert es Schlaf, hemmt Entzündungen und verhindert Nervensignale, die etwa bei einer Hautverletzung aktiv werden und Schmerz auslösen. Nun konnte gezeigt werden, dass die Substanz auch in jenen tieferen Hautschichten aktiv ist, in die Akupunkturnadeln eindringen.

Nadeln lindern Pfotenschmerz

Getestet wurde dies an Mäusen mit einer schmerzenden Pfote. Die Forscher um Jürgen B. Schnermann und Maiken Nedergaard behandelten die Tiere 30 Minuten lang mit Akupunktur, genau wie beim Menschen mit regelmäßiger Drehung der Nadeln. Unmittelbar danach konnte eine lokale Erhöhung des Adenosin-Niveaus im Gewebe auf das 24-fache festgestellt werden und Verhaltenstests zeigten, dass die Mäuse um zwei Drittel weniger Schmerz litten. Die Linderung trat auch dann ein, wenn Adenosin ohne Nadelstiche aktiviert wurde.

Weitere Erkenntnisse zu Adenosin lieferten Vergleichstests mit sogenannten Knock-out-Mäusen, denen das Gen für einen Rezeptor namens A1 aus dem Erbgut entfernt hatte. Bei diesen Tieren hatte die Therapie keine Wirkung - was die Forscher darauf schließen ließ, dass Adenosin erst durch die Bindung an diesen Rezeptor Schmerzen lindert. Zudem gelang es, durch Antibiotika den Effekt der Akupunktur auf das Dreifache zu verlängern. Zum Einsatz kam der Adenosin-Abbauhemmer "Deoxycoformycin", ein in der Leukämiebehandlung eingesetzter Antimetabolit.

Brücke zwischen Ost und West

Meng begrüßt die Forschung als Annäherung zwischen östlicher und westlicher Medizin. "Die östliche Medizin arbeitet ständig außen am Körper, hat jedoch noch nie in diesen hineingesehen, wie dies im Westen gängige Praxis ist. Wenn die moderne Medizin diese Blackbox öffnet, ist das eine tolle Sache, von der sie auch selbst bereichert wird. Denn die Suche, warum sich etwas bei Nadelstimulation tut, bringt auch sie auf neue Fragestellungen und Mechanismen."

Dass Mäuse mit dem fehlenden Rezeptor nicht auf Akupunktur reagierten, sieht Meng als Hinweis auf die unterschiedliche Reaktion von Patienten auf Akupunktur. "Nicht bei allen kann die Methode ihre Wirkung entfalten. Mangelzustände oder Defekte können dies etwa verhindern, wobei Adenosin nur einer der möglichen Aspekte sein dürfte."

Originalartikel unter http://www.nature.com/neuro/journal/vaop/ncurrent/abs/nn.2562.html

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.rochester.edu

Weitere Berichte zu: Adenosin Akupunktur Mäuse Rezeptor Schmerz Schmerzhemmer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Modernste Diagnostik eröffnet neue Perspektiven für eine "personalisierte“ Medizin
14.08.2018 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Ist Salz besser als sein Ruf?
10.08.2018 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Im Focus: Robots as 'pump attendants': TU Graz develops robot-controlled rapid charging system for e-vehicles

Researchers from TU Graz and their industry partners have unveiled a world first: the prototype of a robot-controlled, high-speed combined charging system (CCS) for electric vehicles that enables series charging of cars in various parking positions.

Global demand for electric vehicles is forecast to rise sharply: by 2025, the number of new vehicle registrations is expected to reach 25 million per year....

Im Focus: Der „TRiC” bei der Aktinfaltung

Damit Proteine ihre Aufgaben in Zellen wahrnehmen können, müssen sie richtig gefaltet sein. Molekulare Assistenten, sogenannte Chaperone, unterstützen Proteine dabei, sich in ihre funktionsfähige, dreidimensionale Struktur zu falten. Während die meisten Proteine sich bis zu einem bestimmten Grad ohne Hilfe falten können, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie nun gezeigt, dass Aktin komplett von den Chaperonen abhängig ist. Aktin ist das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen. Das Chaperon TRiC wendet einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus für die Proteinfaltung an. Die Studie wurde im Fachfachjournal Cell publiziert.

Bei Aktin handelt es sich um das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen, das bei Prozessen wie Zellstabilisation, Zellteilung und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kleine Helfer bei der Zellreinigung

14.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Oberflächeneigenschaften für holzbasierte Werkstoffe

14.08.2018 | Materialwissenschaften

Fraunhofer IPT unterstützt Zweitplatzierten bei SpaceX-Wettbewerb

14.08.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics