Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Adipositas paradox: Schlanke Typ-2-Diabetiker stärker gefährdet

04.10.2012
Das Sterberisiko normalgewichtiger Menschen mit Diabetes mellitus ist doppelt so hoch wie von übergewichtigen Diabetes-Patienten, so das Ergebnis einer aktuellen Studie.
Auf dieses „Adipositas paradox“ weist jetzt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) anlässlich einer Veröffentlichung amerikanischer Wissenschaftler hin. Auch bei schlanken Menschen sei es deshalb wichtig, einen Diabetes früh zu erkennen und entsprechend therapeutisch gegenzusteuern, so die DDG.

Nicht alle Menschen mit Typ-2-Diabetes sind übergewichtig. Etwa jeder zehnte hat ein normales Körpergewicht. Einer jüngst im Journal der amerikanischen Medizingesellschaft JAMA veröffentlichten Studie zufolge scheint dies zumindest beim Typ-2-Diabetes nicht von Vorteil. Die Analyse fasst die Ergebnisse aus fünf Langzeituntersuchungen zusammen. Forscher untersuchten darin die Daten von 2625 Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes. Während der beobachteten zwei Jahrzehnte kam es zu 449 Todesfällen. Doch anders als erwartet, war das Sterberisiko unter den schlanken Menschen mit Typ-2-Diabetes nicht niedriger, sondern doppelt so hoch wie bei den Typ-2-Diabetes-Patienten an der Grenze zum Übergewicht und darüber.

„Normalgewichtige Menschen mit Typ-2-Diabetes sind keinesfalls selten“, sagt Professor Dr. med. Stephan Matthaei, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft aus Quakenbrück. In der Studie lag deren Anteil zwischen 10 und 20 Prozent. Diese Menschen lebten nicht gesünder als übergewichtige Diabetes-Patienten. Bei einigen liege womöglich eine „versteckte Fettleibigkeit“ vor, erläutert Diabetologe Matthaei: „Ausgeprägter Bewegungsmangel führt bei einigen Menschen zu einem Rückgang der Muskelmasse, die dann durch Fettgewebe ersetzt wird – auch Sarkopenie genannt.“ Das Körpergewicht liegt hier oft im oberen Bereich des Normalgewichts. Andere Menschen sind dazu veranlagt, also erblich bedingt schlank. Viele normalgewichtige Ostasiaten und farbige Amerikaner etwa haben einen Typ-2-Diabetes.

Auch bei anderen Erkrankungen tritt das „Adipositas paradox“ zu Tage. So scheinen beispielsweise normalgewichtige Nierenkranke, die sich einer Blutwäsche, der Dialyse, unterziehen müssen, ein höheres Sterberisiko zu haben als übergewichtige Dialyse-Patienten. Warum aber auch das Sterberisiko der schlanken „Zuckerkranken“ höher ist als bei übergewichtigen Menschen mit Diabetes, ist nicht bekannt. „Aus epidemiologischen Studien wie der vorliegenden können solche Fragen meist nicht beantwortet werden“, bedauert auch Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Pressesprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft aus Tübingen. Die DDG vermute aber, dass ein Typ-2-Diabetes bei Normalgewichtigen später erkannt wird und dass sie die Therapie weniger konsequent durchführen. „Viele dieser Zuckerkranken und auch ihre Ärzte verzichten möglicherweise im falschen Vertrauen auf das Normalgewicht auf Ernährungsumstellung, körperliche Bewegung und Medikamente“, meint Fritsche. Bei ihnen schreite der Diabetes deshalb eventuell schneller voran als bei Übergewichtigen, die ihr Gewicht zu normalisieren versuchen.

Die Ergebnisse der Studie könnten die Früherkennung verändern. Denn nach Einschätzung der DDG wäre es falsch, ausschließlich Übergewichtige auf einen Diabetes zu untersuchen. Eine korrekte Bestimmung des Nüchternblutzuckers sollte heute zu den ersten Tests gehören, die ein Arzt bei einem neuen Patienten durchführt. Auch bei Krankenhauspatienten sollte immer nach einem versteckten Typ-2-Diabetes gesucht werden, fordert Professor Matthaei: „Folgeerkrankungen können nur verhindert werden, wenn die ursächliche Erkrankung frühzeitig erkannt wird.“

Quelle:
Carnethon MR, De Chavez PJ, Biggs ML, Lewis CE, Pankow JS, Bertoni AG, Golden SH, Liu K, Mukamal KJ, Campbell-Jenkins B, Dyer AR.: Association of weight status with mortality in adults with incident diabetes.JAMA. 2012 Aug 8;308(6):581–90.

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle DDG
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-552, Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org

Deutsche Diabetes Gesellschaft
Geschäftsstelle
Reinhardtstr. 31
10117 Berlin
Tel.: 030 3116937-11, Fax: 030 3116937-20
info@ddg.info

Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Zwei Städte, ein Operationstisch
17.10.2018 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht Antiblockiersystem in Arterien schützt vor Herzinfarkt
16.10.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Im Focus: Chemiker der Universitäten Rostock und Yale zeigen erstmals Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen

Die Forschungskooperation zwischen der Universität Yale und der Universität Rostock hat neue wissenschaftliche Ergebnisse hervorgebracht. In der renommierten Zeitschrift „Angewandte Chemie“ berichten die Wissenschaftler über eine Dreierkette aus Ionen gleicher Ladung, die durch sogenannte Wasserstoffbrücken zusammengehalten werden. Damit zeigen die Forscher zum ersten Mal eine Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen, die sich im Grunde abstoßen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Professoren Mark Johnson, einem weltbekannten Cluster-Forscher, und Ralf Ludwig aus der Physikalischen Chemie der...

Im Focus: Storage & Transport of highly volatile Gases made safer & cheaper by the use of “Kinetic Trapping"

Augsburg chemists present a new technology for compressing, storing and transporting highly volatile gases in porous frameworks/New prospects for gas-powered vehicles

Storage of highly volatile gases has always been a major technological challenge, not least for use in the automotive sector, for, for example, methane or...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2018

16.10.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz in der Medizin

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Sinneswahrnehmung ist keine Einbahnstraße

17.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Space Farming dank Pflanzenhormon Strigolacton

17.10.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Oberflächen mit flexiblen und handlichen Plasmaquellen aktivieren

17.10.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics