Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

AB0i Transplantation am UKM: "Falsche" Blutgruppe ist kein Hindernis mehr

09.02.2010
Lebendspende und Transplantation trotz ungleicher Blutgruppen möglich / Arzt-Patienten-Seminar am 13.2. informiert über neue Möglichkeiten der Lebendspende

Noch vor wenigen Wochen war Hans-Jürgen Froböse auf die Dialyse angewiesen. Heute lebt er mit einer neuen Niere und die regelmäßige Dialyse gehört der Vergangenheit an. Seine neue Niere hat der 52-jährige als Lebendspende von seiner Frau erhalten - obwohl sie eine andere Blutgruppe hat als ihr Mann. Möglich ist das durch die AB0-inkompatible (AB0i) Nierentransplantation, die seit Dezember 2009 im Universitätsklinikum Münster (UKM) durchgeführt wird.

Das größte Problem der Transplantationsmedizin ist noch immer der Mangel an Organen, der eine lange Wartezeit und erhebliche gesundheitliche Probleme für viele Patienten auf der Warteliste bedeutet. Einen Ausweg stellt die Lebendspende dar. "Bei etwa 20 Prozent der Lebendspenden sind allerdings die Blutgruppen von Spender und Empfänger inkompatibel", weiß Priv.-Doz. Dr. Barbara Suwelack. "Die AB0i Nierentransplantation ermöglicht uns, Blutgruppenunverträglichkeiten zwischen Spender und Empfänger zu überwinden. Die 'falsche' Blutgruppe ist kein Hindernis mehr für eine Transplantation. So können wir weitaus mehr Patienten zeitnah transplantieren."

Priv.-Doz. Dr. Barbara Suwelack ist Leiterin der Nierentransplantationsambulanz der UKM-Klinik und Poliklinik für Innere Medizin D (Allg. Innere Medizin sowie Nieren- und Hochdruckkrankheiten und Rheumatologie) und hat Hans-Jürgen Froböse in den vergangenen Monaten behandelt. Für die Patienten bedeutet eine Transplantation eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität: "Im Vergleich zu Dialysepatienten leben transplantierte Patienten in der Regel länger und verfügen dabei über eine bessere Gesundheit und Lebensqualität", erläutert Priv.-Doz. Dr. Heiner Wolters, Leiter der Sektion Transplantationschirurgie an der UKM-Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie.

Je früher die Transplantation erfolgt, desto größer sind die Chancen auf einen erfolgreichen Verlauf. Die durchschnittliche Wartezeit für eine Spenderniere beträgt derzeit etwa fünf Jahre. Für viele Patienten zu lange, wissen die UKM-Mediziner aus Erfahrung: "Einige Patienten auf der Warteliste werden nie transplantiert, da sie nach jahrelanger Wartezeit zu krank für eine Transplantation sind oder sogar vorher versterben. Die AB0i Transplantation nach Lebenspende ist daher ein Ausweg aus diesem Dilemma", sagt die Leiterin der Nierentransplantationsambulanz Suwelack.

Intensive Vorbereitung und exzellente interdisziplinäre Zusammenarbeit

Bis das Spenderorgan transplantiert werden kann, erfordert die AB0i Lebendspende jedoch eine intensive und aufwändige Vorbereitung und Behandlung: Mit speziellen Filtern lösen die Mediziner selektiv die Antikörper aus dem Blut des Empfängers und hemmen mit Hilfe von Medikamenten deren Neubildung. Regelmäßig wird die Konzentration der Antikörper im Blut des Patienten kontrolliert. Erst wenn der Antikörperwert einen bestimmten Grenzwert erreicht hat, kann die Transplantation durchgeführt werden. Dann muss jedoch alles ganz schnell gehen: "Zu diesem Zeitpunkt müssen alle Hand in Hand arbeiten: Das OP-Team muss bereit stehen, die Blutbank informiert sein und natürlich ein OP-Saal zur Verfügung stehen", beschreibt Priv.-Doz. Dr. Heiner Wolters. Seine Kollegin Priv.-Doz. Dr. Barbara Suwelack ergänzt: "Das erfordert eine exzellente interdisziplinäre Zusammenarbeit und einen erheblichen organisatorischen Aufwand, der nur an einem großem Klinikum wie dem UKM mit entsprechender Erfahrung in der Transplantationsmedizin möglich ist."

Direkter Austausch mit Experten beim Arzt-Patienten-Seminar

Die neuen Möglichkeiten der Lebenspende bei Nierentransplantation sind auch Thema des schon traditionellen Arzt-Patienten-Seminars, das am 13.2. (Samstag) von der Klinik und Poliklinik für Allgemein- und Viszeralchirugie, der Medizinischen Klinik und Poliklinik B, der Medizinischen Klinik und Poliklinik D sowie der Transplantationshepatologie des Universitätsklinikums Münster in Zusammenarbeit mit den Selbsthilfeorganisationen Bundesverband der Organtransplantierten e. V., TransDia e. V. und Lebertransplantierte e. V. veranstaltet wird. In verschiedenen Workshops haben die Teilnehmer des Seminars die Möglichkeit, Fragen und Informationen direkt mit Transplantationsexperten des UKM auszutauschen. Darüber hinaus bietet die Veranstaltung eine Plattform zum Erfahrungsaustausch mit anderen Patienten. Die Veranstalter rechnen auch in diesem Jahr wieder mit rund 350 Teilnehmern. Das Arzt-Patienten-Seminar findet am 13.2. (Samstag) von 10 bis 13 Uhr im Schloss der Universität Münster, Schlossplatz 2, 48149 Münster, statt.

Achtung Redaktionen: Zur Berichterstattung über das Arzt-Patienten-Seminar sind Sie herzlich eingeladen!

Kontakt:
Judith Becker
Unternehmenskommunikation
Tel.: 02 51 / 83 - 5 74 44
Judith.Becker@ukmuenster.de

Simone Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.ukmuenster.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Modernste Diagnostik eröffnet neue Perspektiven für eine "personalisierte“ Medizin
14.08.2018 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Ist Salz besser als sein Ruf?
10.08.2018 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Im Focus: Robots as 'pump attendants': TU Graz develops robot-controlled rapid charging system for e-vehicles

Researchers from TU Graz and their industry partners have unveiled a world first: the prototype of a robot-controlled, high-speed combined charging system (CCS) for electric vehicles that enables series charging of cars in various parking positions.

Global demand for electric vehicles is forecast to rise sharply: by 2025, the number of new vehicle registrations is expected to reach 25 million per year....

Im Focus: Der „TRiC” bei der Aktinfaltung

Damit Proteine ihre Aufgaben in Zellen wahrnehmen können, müssen sie richtig gefaltet sein. Molekulare Assistenten, sogenannte Chaperone, unterstützen Proteine dabei, sich in ihre funktionsfähige, dreidimensionale Struktur zu falten. Während die meisten Proteine sich bis zu einem bestimmten Grad ohne Hilfe falten können, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie nun gezeigt, dass Aktin komplett von den Chaperonen abhängig ist. Aktin ist das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen. Das Chaperon TRiC wendet einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus für die Proteinfaltung an. Die Studie wurde im Fachfachjournal Cell publiziert.

Bei Aktin handelt es sich um das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen, das bei Prozessen wie Zellstabilisation, Zellteilung und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kleine Helfer bei der Zellreinigung

14.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Oberflächeneigenschaften für holzbasierte Werkstoffe

14.08.2018 | Materialwissenschaften

Fraunhofer IPT unterstützt Zweitplatzierten bei SpaceX-Wettbewerb

14.08.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics