Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Sicherheit für Nutzfahrzeuge: Echtzeitüberwachung soll Rissschäden an LKW-Fahrwerken erkennen

08.03.2018

Bremer Wissenschaftler forschen in einem dreijährigen Projekt an der Entwicklung eines elektronischen Überwachungssystems zur frühzeitigen Erkennung von Rissschäden im Fahrbetrieb. Ziel des Projekts: Um die Sicherheit für Nutzfahrzeuge zu erhöhen, sollen die Fahrwerke künftig im Fahrbetrieb durch ein Sensor-Netzwerk überwacht werden.

Volle Autobahnen, Staus und Verkehrsunfälle: Jeden Tag werden Tonnen von Gütern auf den deutschen Straßen und Autobahnen transportiert. Die dabei eingesetzten Nutzfahrzeuggespanne sind dabei besonders hohen Beanspruchungen ausgesetzt. Der Dauereinsatz, die hohe Fahrleistung sowie die hohe Auslastung der Transportkapazität führen dazu, dass regelmäßig Wartungen an den Fahrzeugen durchgeführt werden müssen. Doch lassen sich gefährliche Schäden an den Fahrwerken nicht bereits früher erkennen?


Mehr Sicherheit für Nutzfahrzeuge: Materialwissenschaftler Dr.-Ing. Andree Irretier (r.) und Rolf Klemm führen Körperschallmessungen am Achsbereich eines LKW-Trailers durch

Reiß/Leibniz-IWT

Dieser Frage widmen sich Wissenschaftler des Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien - IWT gemeinsam mit Forschern des Instituts für Theoretische Elektrotechnik und Mikroelektronik (ITEM) der Universität Bremen. „Nicht erkannte Rissschäden können nicht nur erhebliche Kosten durch Reparatur und Ausfälle mit sich bringen. Im schlimmsten Fall kann es zu gefährlichen Unfällen kommen“, so Professor Karl-Ludwig Krieger, Leiter der Forschungsgruppe ‚Elektronische Fahrzeug- und Mobilitätssysteme‘.

Um Rissschäden frühzeitig zu erkennen, wollen die Wissenschaftler gemeinsam mit dem Fahrzeughersteller Schwarzmüller, der Firma Hella Fahrzeugkomponenten sowie dem Unternehmen idem telematics ein sensorisches Echtzeitüberwachungssystem für LKW-Trailer entwickeln.

Seit 2016 arbeiten die Wissenschaftler bereits an der Entwicklung des Systems. Grundlegend dafür sind auch Kenntnisse über die Rissbildung. Mit Hilfe der Auswertung sogenannter Körperschallsignale kann die Rissentstehung erkannt werden. Derzeit führen Wissenschaftler an der MPA Bremen Ermüdungsversuche an Großbauteilen in Form echter LKW-Fahrwerke durch, um die Signale zu detektieren. Insgesamt vier Sensoren überwachen den Achsbereich des LKW-Trailers, während dieser in einer Prüfmaschine belastet wird.

„In unseren Versuchen müssen wir eindeutige Körperschallsignale identifizieren. Im echten Fahrbetrieb müssen die Signale auch aus Hintergrundgeräuschen heraus eindeutig erkennbar sein“, so Dr.-Ing Andree Irretier, Leiter der Abteilung Metallische Werkstoffe und Bauteile der MPA Bremen. „Nur wenn das gewährleistet ist, kann die Rissbildung zukünftig auch in Echtzeit erkannt und an das angeschlossene Netzwerk übermittelt werden“.

Denn die Vision des Projekts reicht weit: Ein elektronisches System soll die detektierten Rissschäden klassifizieren und die Informationen über eine Trailertelematik an das Service- und Reparaturmanagement des Herstellers oder des Logistikbetriebs übermitteln. Dadurch kann die Reparaturabwicklung vereinfacht und beschleunigt werden, wodurch Ressourcen eingespart werden. Die neue Technologie führt so zu einer Optimierung von Serviceprozessen und von Prozessen des Fuhrparkmanagements.

Auch für die Umsetzung neuer Leichtbaukonzepte im Güterverkehr bietet das Trailer-Überwachungssystem Potenzial. Durch die Echtzeit-Schadensüberwachung können neue Konzepte früher im realen Fahrbetrieb eingesetzt werden. Der modulare Ansatz des Systems öffnet zudem eine Vielzahl weiterer Einsatzmöglichkeiten. Überall dort, wo es in der Industrie zu Ermüdungsrissen kommt, ist ein zukünftiger Einsatz denkbar. So könnte zukünftig dank Echtzeitüberwachung die Standsicherheit von Windkraftanlagen erhöht oder die Schadensanfälligkeit von Hafenkränen verringert werden.

Achtung Redaktionen: Seit Anfang November 2017 führen die Wissenschaftler Ermüdungsversuche an Originalbauteilen durch. Dafür wurde ein Prüfstand in den Laboren der MPA Bremen aufgebaut. Der Versuchsstand kann nach Absprache besichtigt werden.

Kontakt:

Universität Bremen - Fachbereich Physik / Elektrotechnik
Institut für Theoretische Elektrotechnik und Mikroelektronik
Elektronische Fahrzeug- und Mobilitätssysteme
Prof. Dr.-Ing. Karl-Ludwig Krieger
Tel.: 0421 218-62550
E-Mail: krieger@uni-bremen.de

Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien - IWT
Amtliche Materialprüfungsanstalt der Freien Hansestadt Bremen (MPA)
Abteilung Metallische Werkstoffe und Bauteile
Dr.-Ing. Andree Irretier
Tel.: 0421 53708-12
E-Mail: irretier@mpa-bremen.de

Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien - IWT
Carolin Haller M.A.
Wissenschaftskommunikation
Badgasteiner Straße 3
28359 Bremen
Tel.: 0421 218-51374
E-Mail: haller@iwt-bremen.de

Weitere Informationen:

http://www.trazu.uni-bremen.de/
http://www.iwt-bremen.de
http://www.mpa-bremen.de
http://www.ae.fb1.uni-bremen.de/start/

Carolin Haller | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Die steifsten Leichtbaumaterialien überhaupt
12.12.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Künstliches Perlmutt nach Mass
12.12.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

Zusammen mit einem Blutdrucksenker hemmt ein häufig verwendetes Diabetes-Medikament gezielt das Krebswachstum – dies haben Forschende am Biozentrum der Universität Basel vor zwei Jahren entdeckt. In einer Folgestudie, die kürzlich in «Cell Reports» veröffentlicht wurde, berichten die Wissenschaftler nun, dass dieser Medikamenten-Cocktail die Energieversorgung von Krebszellen kappt und sie dadurch abtötet.

Das oft verschriebene Diabetes-Medikament Metformin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern hat auch eine krebshemmende Wirkung. Jedoch ist die gängige...

Im Focus: Lethal combination: Drug cocktail turns off the juice to cancer cells

A widely used diabetes medication combined with an antihypertensive drug specifically inhibits tumor growth – this was discovered by researchers from the University of Basel’s Biozentrum two years ago. In a follow-up study, recently published in “Cell Reports”, the scientists report that this drug cocktail induces cancer cell death by switching off their energy supply.

The widely used anti-diabetes drug metformin not only reduces blood sugar but also has an anti-cancer effect. However, the metformin dose commonly used in the...

Im Focus: New Foldable Drone Flies through Narrow Holes in Rescue Missions

A research team from the University of Zurich has developed a new drone that can retract its propeller arms in flight and make itself small to fit through narrow gaps and holes. This is particularly useful when searching for victims of natural disasters.

Inspecting a damaged building after an earthquake or during a fire is exactly the kind of job that human rescuers would like drones to do for them. A flying...

Im Focus: Neuartige Lasertechnik für chemische Sensoren in Mikrochip-Größe

Von „Frequenzkämmen“ spricht man bei speziellem Laserlicht, das sich optimal für chemische Sensoren eignet. Eine revolutionäre Technik der TU Wien erzeugt dieses Licht nun viel einfacher und robuster als bisher.

Ein gewöhnlicher Laser hat genau eine Farbe. Alle Photonen, die er abstrahlt, haben genau dieselbe Wellenlänge. Es gibt allerdings auch Laser, deren Licht...

Im Focus: Topological material switched off and on for the first time

Key advance for future topological transistors

Over the last decade, there has been much excitement about the discovery, recognised by the Nobel Prize in Physics only two years ago, that there are two types...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

ICTM Conference 2019 in Aachen: Digitalisierung als Zukunftstrend für den Turbomaschinenbau

12.12.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Januar und Februar 2019

11.12.2018 | Veranstaltungen

Eine Norm für die Reinheitsbestimmung aller Medizinprodukte

10.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue faltbare Drohne fliegt durch enge Löcher zu Einsturzopfern

12.12.2018 | Informationstechnologie

Die steifsten Leichtbaumaterialien überhaupt

12.12.2018 | Materialwissenschaften

Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

12.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics