Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Keramische Partikel liefern digitale Röntgenplatten „aus der Sprühdose“

10.11.2015

Forscher vom INM in Saarbrücken haben Materialien untersucht, mit denen zukünftig Röntgendetektoren kostengünstig im großen Maßstab und mit hoher Bildauflösung hergestellt werden können.

Digitale Röntgensysteme sind aus der Gesundheitsversorgung nicht mehr wegzudenken. Der frühere Röntgenfilm wird darin durch einen sogenannten Röntgendetektor ersetzt. Heutige Detektoren sind teuer, empfindlich und in der Auflösung begrenzt.


Die elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt die Verteilung der keramischen Partikel im Kunststoff in den gesprühten Röntgendetektoren.

Quelle: Copyright INM; frei in Zusammenhang mit dieser Meldung.

Nun ist es Wissenschaftlern im Kooperationsprojekt HOP-X gelungen, neue Materialien für Detektoren zu entwickeln: Sie betteten dazu Keramik-Partikel in einen leitfähigen Kunststoff ein. Die Bestandteile dieses „Komposit-Detektors“ lassen sich in Lösungsmittel einrühren und dann wie ein Lack durch Sprühen auftragen. Damit können zukünftig Röntgendetektoren kostengünstig im großen Maßstab und mit hoher Bildauflösung hergestellt werden.

Diese Ergebnisse wurden jüngst in der Zeitschrift Nature Photonics veröffentlicht.

Röntgendetektoren bestehen aus einer Szintillatorschicht und einer Photodiode. Die Szintillatorschicht wandelt Röntgenstrahlung in sichtbares Licht um, welches die Photodiode aufnimmt. Solche Detektoren sind schwer herzustellen und teuer. Ihre Auflösung ist begrenzt, weil sich die aufgefangenen Signale gegenseitig stören können.

Um Röntgendetektoren kostengünstiger herzustellen, beschritten Wissenschaftler der Siemens Healthcare GmbH, des INM –Leibniz-Institut für Neue Materialien, der Universitäten Erlangen und Hamburg und weiterer Partner im Projekt HOP-X einen neuen Weg: Sie verwendeten Materialien, die für flexible Solarzellen entwickelt wurden und passten sie auf Röntgenstrahlung an.

Die Wissenschaftler am INM stellten dazu keramische Partikel her, die im Röntgenlicht aufleuchten. Diese betteten sie in einen leitfähigen Kunststoff ein. Er wandelt das Licht in elektrischen Strom um, der vom Röntgengerät registriert wird. Die Forscher untersuchten außerdem die Strukturen, die aus Partikeln und Kunststoff gebildet werden.

„Wir untersuchten die Proben mit elektronenmikroskopischen Verfahren anhand dünner Schichten, die wir mit Ionenstrahlen aus dem Komposit schnitten“, sagt Tobias Kraus, Leiter des Programmbereichs Strukturbildung am INM.

„Mithilfe dieser Analytik konnten wir zeigen, wie sich die Partikel und der Kunststoff bei verschiedenen Mischverhältnissen anordnen. Dadurch war es unseren Projektpartnern möglich, die Mischverhältnisse für die empfindlichsten Röntgendetektoren abzuleiten.“ Dann seien scharfe Röntgenbilder auch bei geringer Strahlungsdosis möglich.

Die Ergebnisse zeigen, dass Röntgendetektoren aus diesen neuen Materialien die strengen Anforderungen der Medizintechnik erfüllen können. Derzeit arbeiten die Forscher an Prozesstechniken, um größere Detektoren herzustellen.

Hintergrund:
Neben dem INM waren am Projekt HOP-X die Siemens Healthcare GmbH, die Merck KgaA, sowie die CAN GmbH beteiligt. Das im Herbt 2015 beendete, dreijährige Verbundprojekt HOP-X wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,86 Millionen Euro unterstützt.

Originalpublikation:
Patric Büchele, Moses Richter, Sandro F. Tedde, Gebhard J. Matt, Genesis N. Ankah, Rene Fischer, Markus Biele, Wilhelm Metzger, Samuele Lilliu, Oier Bikondoa, J. Emyr Macdonald, Christoph J. Brabec, Tobias Kraus, Uli Lemmer, Oliver Schmidt: „X-ray imaging with scintillator-sensitized hybrid organic photodetectors“; nature photonics, DOI: 10.1038/nphoton.2015.216

Das INM erforscht und entwickelt Materialien – für heute, morgen und übermorgen. Chemiker, Physiker, Biologen, Material- und Ingenieurwissenschaftler prägen die Arbeit am INM. Vom Molekül bis zur Pilotfertigung richten die Forscher ihren Blick auf drei wesentliche Fragen: Welche Materialeigenschaften sind neu, wie untersucht man sie und wie kann man sie zukünftig für industrielle und lebensnahe Anwendungen nutzen?

Dabei bestimmen vier Leitthemen die aktuellen Entwicklungen am INM: Neue Materialien für Energieanwendungen, Neue Konzepte für medizinische Oberflächen, Neue Oberflächenmaterialien für tribologische Systeme sowie Nano-Sicherheit und Nano-Bio. Die Forschung am INM gliedert sich in die drei Felder Nanokomposit-Technologie, Grenzflächenmaterialien und Biogrenzflächen.

Das INM - Leibniz-Institut für Neue Materialien mit Sitz in Saarbrücken ist ein internationales Zentrum für Materialforschung. Es kooperiert wissenschaftlich mit nationalen und internationalen Instituten und entwickelt für Unternehmen in aller Welt. Das INM ist ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft und beschäftigt rund 210 Mitarbeiter.

Weitere Informationen:

http://www.leibniz-inm.de
http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Dr. Carola Jung | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Optimierung von Legierungswerkstoffen: Diffusionsvorgänge in Nanoteilchen entschlüsselt
13.11.2018 | Technische Universität Graz

nachricht Wie beim Regenwurm: Neues atmendes Material schmiert sich bei Bedarf selbst
12.11.2018 | INM - Leibniz-Institut für Neue Materialien gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Im Focus: A Chip with Blood Vessels

Biochips have been developed at TU Wien (Vienna), on which tissue can be produced and examined. This allows supplying the tissue with different substances in a very controlled way.

Cultivating human cells in the Petri dish is not a big challenge today. Producing artificial tissue, however, permeated by fine blood vessels, is a much more...

Im Focus: Optimierung von Legierungswerkstoffen: Diffusionsvorgänge in Nanoteilchen entschlüsselt

Ein Forschungsteam der TU Graz entdeckt atomar ablaufende Prozesse, die neue Ansätze zur Verbesserung von Materialeigenschaften liefern.

Aluminiumlegierungen verfügen über einzigartige Materialeigenschaften und sind unverzichtbare Werkstoffe im Flugzeugbau sowie in der Weltraumtechnik.

Im Focus: Graphen auf dem Weg zur Supraleitung

Doppelschichten aus Graphen haben eine Eigenschaft, die ihnen erlauben könnte, Strom völlig widerstandslos zu leiten. Dies zeigt nun eine Arbeit an BESSY II. Ein Team hat dafür die Bandstruktur dieser Proben mit extrem hoher Präzision ausgemessen und an einer überraschenden Stelle einen flachen Bereich entdeckt. Möglich wurde dies durch die extrem hohe Auflösung des ARPES-Instruments an BESSY II.

Aus reinem Kohlenstoff bestehen so unterschiedliche Materialien wie Diamant, Graphit oder Graphen. In Graphen bilden die Kohlenstoffatome ein zweidimensionales...

Im Focus: Datensicherheit: Aufbruch in die Quantentechnologie

Den Datenverkehr noch schneller und abhörsicher machen: Darauf zielt ein neues Verbundprojekt ab, an dem Physiker der Uni Würzburg beteiligt sind. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit 14,8 Millionen Euro.

Je stärker die Digitalisierung voranschreitet, umso mehr gewinnen Datensicherheit und sichere Kommunikation an Bedeutung. Für diese Ziele ist die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

Profilierte Ausblicke auf die Mobilität von morgen

12.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

MagicMoney: Offline bezahlen – mit deinem Smartphone

13.11.2018 | Wirtschaft Finanzen

5G sichert Zukunft von Industrie 4.0 – DFKI mit der SmartFactoryKL auf der SPS IPC Drives

13.11.2018 | Messenachrichten

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics