Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kalziumfluorid, ein wertvoller Rohstoff: Ein neues Synthese-Verfahren soll teure Importe ersetzen

16.04.2013
Ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Verbundprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Monika Willert-Porada (Universität Bayreuth) zielt darauf ab, aus fluorhaltigen Reststoffen kosten- und energieeffizient Kalziumfluorid herzustellen.

Am 17. und 18. April 2013 wird das Forschungsprojekt im Rahmen einer Kick-off-Veranstaltung im Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie vorgestellt.


Aus preiswerten Mineralien wird hochwertiger Flussspat (grün): Das neue Verfahren ermöglicht die Herstellung von Sekundärrohstoffen aus fluorierten organischen Reststoffen. - Das Bild wurde im Rasterelektronenmikroskop aufgenommen. Durch einen speziellen Detektor können unterschiedliche Elemente gemessen und farblich unterschiedlich dargestellt werden. Bild: Lehrstuhl für Werkstoffverarbeitung, Universität Bayreuth

Kalziumfluorid wird heute weltweit für die industrielle Fertigung technologisch hochwertiger Produkte benötigt. Das in der Natur vorkommende Mineral – es wird Flussspat genannt – ist unentbehrlich für die Herstellung von Flusssäure, die in der Halbleiterindustrie und in der Erdölindustrie zum Einsatz kommt. Und auch Unternehmen, die Fluorpolymere herstellen, sind durch die Verarbeitung von Flusssäure indirekt auf Kalziumfluorid angewiesen.

Fluorpolymere sind Hochleistungskunststoffe, zu denen beispielsweise das PTFE (Polytetrafluorethylen) zählt – besser bekannt unter dem rechtlich geschützten Markennamen "Teflon".

Angesichts dieser Schlüsselfunktion für die Industrie ist es für europäische Unternehmen umso problematischer, dass Kalziumfluorid ein vergleichsweise schwer verfügbarer Rohstoff ist, der hauptsächlich außerhalb Europas im Bergbau gewonnen wird. Er kann nicht durch leichter verfügbare Rohstoffe ersetzt werden. Unternehmen in Deutschland und anderen Mitgliedsländern der EU sind daher auf Importe angewiesen. Die aber gestalten sich umso kostspieliger, je stärker die Nachfrage auf dem Weltmarkt ist.

Hier setzt ein materialwissenschaftliches Forschungs- und Entwicklungsvorhaben ein, das von Prof. Dr. Monika Willert-Porada am Lehrstuhl für Werkstoffverarbeitung an der Universität Bayreuth geleitet wird. Kooperationspartner sind die Dyneon GmbH, die Fluorchemie Stulln GmbH und das Forschungsinstitut InVerTec, ein An-Institut der Universität Bayreuth. Gemeinsam wollen die Projektpartner ein flexibel einsetzbares und leistungsstarkes Synthese-Verfahren entwickeln, das in der Lage sein soll, Reststoffe aus der Industrieproduktion kosten- und energieeffizient zu Kalziumfluorid weiterzuverarbeiten. Wird dieses anspruchsvolle Projektziel erreicht und industriell umgesetzt, steht Flussspat eines Tages in großen Mengen als Sekundärrohstoff zur Verfügung.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Verbundvorhaben drei Jahre lang im Rahmen der Fördermaßnahme "r³ Innovative Technologien für Ressourceneffizienz – Strategische Metalle und Mineralien". Die Fördersumme beläuft sich insgesamt auf knapp 340.000 Euro.
Am 17. und 18. April 2013 werden die Bayreuther Projektverantwortlichen an einer Kick-off-Veranstaltung für r³-Projekte teilnehmen und in diesem Rahmen auch die bereits 2012 angelaufenen Forschungsarbeiten zum Flussspat vorstellen. Gastgeber der Veranstaltung ist das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie. Das 2011 gegründete Institut will durch die Entwicklung innovativer Technologien dazu beitragen, dass mineralische und metallhaltige Rohstoffe effizienter bereitgestellt und genutzt werden können.

Dr. Thorsten Gerdes, der die Zusammenarbeit der Projektpartner von Bayreuth aus koordiniert, ist angesichts der bisherigen Projektfortschritte optimistisch: "Das Verfahren, das wir derzeit entwickeln, besteht im Wesentlichen aus zwei Abschnitten: In einer ersten Stufe werden fluorhaltige, organische Polymere und niedermolekulare Reststoffe, wie sie in der Industrieproduktion anfallen, in Kohlendioxid, Fluorwasserstoff und Wasser zerlegt. Aus der entstehenden Flusssäure oder dem Fluorwasserstoff synthetisieren wir in einer zweiten Stufe Flussspat. Bereits jetzt zeigt sich, dass wir synthetischen Flussspat mit hoher Qualität herstellen können."
Ansprechpartner für weitere Informationen:

Prof. Dr. Monika Willert-Porada
Lehrstuhl für Werkstoffverarbeitung
Universität Bayreuth
95440-Bayreuth
Telefon: +49 (0)921 / 55-7200, -7201, -7202
E-Mail: monika.willert-porada@uni-bayreuth.de

Christian Wißler | Universität Bayreuth
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Europaweit einzigartiges Forschungszentrum geht an den Start
14.08.2018 | Technische Universität Chemnitz

nachricht Quantenketten in Graphen-Nanobändern
09.08.2018 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Im Focus: Robots as 'pump attendants': TU Graz develops robot-controlled rapid charging system for e-vehicles

Researchers from TU Graz and their industry partners have unveiled a world first: the prototype of a robot-controlled, high-speed combined charging system (CCS) for electric vehicles that enables series charging of cars in various parking positions.

Global demand for electric vehicles is forecast to rise sharply: by 2025, the number of new vehicle registrations is expected to reach 25 million per year....

Im Focus: Der „TRiC” bei der Aktinfaltung

Damit Proteine ihre Aufgaben in Zellen wahrnehmen können, müssen sie richtig gefaltet sein. Molekulare Assistenten, sogenannte Chaperone, unterstützen Proteine dabei, sich in ihre funktionsfähige, dreidimensionale Struktur zu falten. Während die meisten Proteine sich bis zu einem bestimmten Grad ohne Hilfe falten können, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie nun gezeigt, dass Aktin komplett von den Chaperonen abhängig ist. Aktin ist das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen. Das Chaperon TRiC wendet einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus für die Proteinfaltung an. Die Studie wurde im Fachfachjournal Cell publiziert.

Bei Aktin handelt es sich um das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen, das bei Prozessen wie Zellstabilisation, Zellteilung und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

14.08.2018 | Informationstechnologie

Der ängstliche Nao - Wenn Menschen emotional auf Roboter reagieren

14.08.2018 | Gesellschaftswissenschaften

Gebirge in Bewegung

14.08.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics