Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eigenschaften von Magnetmaterialien gezielt ändern

16.11.2016

Magnete sind nicht überall gleich magnetisch, sondern zerfallen automatisch in kleinere Bereiche, sogenannte magnetische Domänen. Von besonderer Bedeutung sind die Wände zwischen den Domänen: Von ihnen hängen die magnetischen Eigenschaften des Materials ab. Ein Forschungsteam aus der Materialwissenschaft der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) arbeitet daran, Domänenwände künstlich zu erstellen, um das Verhalten von Magneten im Nanometermaßstab kontrolliert zu ändern. Langfristig könnte diese Methode auch für eine schnelle und energieeffiziente Datenübertragung genutzt werden. Die Forschungsergebnisse erschienen kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Scientific Reports“.

Das Aufteilen eines Magnetmaterials in Domänen hat große energetische Vorteile. Im Fokus des Forschungsteams der Universität Kiel stehen jedoch die Wände, die Domänen voneinander abgrenzen.


In der Simulation breiten sich magnetische Signale entlang der Domänenwände (DW) in wenigen Nanosekunden (ns) aus. In zehn Nanosekunden reicht ein Lichtstrahl drei Meter weit. Die Signale verhalten sich wellenartig, die anfangs hohe Amplitude wird schnell kleiner.

Foto/Copyright: McCord


Seit 2011 arbeitet Jeffrey McCord als Professor für Nanoskalige magnetische Werkstoffe mit dem Schwerpunkt magnetische Domänen an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Foto/Copyright: Denis Schimmelpfennig/CAU

„Die Position und die Dichte dieser Wände bestimmen die Eigenschaften der gesamten magnetischen Schicht“, sagt Jeffrey McCord, Professor für Nanoskalige magnetische Werkstoffe mit dem Schwerpunkt magnetische Domänen. „Die Positionen von Domänenwänden gezielt einstellen zu können, hat also eine große Auswirkung – es ist allerdings nicht ganz einfach“, so der Leiter des Forschungsteams.

Um Domänen und Domänenwände gezielt einstellen zu können, nutzte das Forschungsteam eine spezielle Methode: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bestrahlten magnetische Mehrlagenschichten mit Ionen. Domänenwandstrukturen, die normalerweise willkürlich angeordnet sind, können damit ganz nach Wunsch in das magnetische Material „eingeprägt“ werden.

„Dadurch können magnetische Eigenschaften kontrolliert geändert werden, und zwar reproduzierbar. Wir können damit die Lage der Domänenwände selbst bestimmen und eigene Domänenwandgitter mit Millionen von 50 Nanometer breiten Wänden bauen. Wir erhalten so magnetische Materialien, die ein komplett anderes Verhalten gegenüber äußeren magnetischen Feldern aufweisen“, freut sich McCord.

„Überraschend war für uns, wie gut sich Spinwellen in den Domänenwänden ausbreiten und durch sie gelenkt werden“, betont McCord. Spins sind magnetische Momente von Elektronen, die sich auch dazu eignen, Informationen zu verarbeiten und zu kodieren. Die Erkenntnisse der Kieler Forschenden könnten daher langfristig für eine Datenübertragung interessant sein, die nicht über Elektronen funktioniert, sondern über Magnonen – also eine magnetische Informationsübermittlung. „Mit gebauten Domänenwandstrukturen könnten wir Datenströme schneller und mit geringerem Energieaufwand lenken“, so McCord. Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind besonders sensible magnetische Sensoren.

Originalpublikation:
J. Trützschler, K. Sentosun, B. Mozooni, R. Mattheis, J. McCord. Magnetic domain wall gratings for magnetization reversal tuning and confined dynamic mode localization, Scientific Reports 6, 30761 (2016) DOI: 10.1038/srep30761
www.nature.com/articles/srep30761

Bildmaterial steht zum Download bereit:

www.uni-kiel.de/download/pm/2016/2016-387-1.jpg
In der Simulation breiten sich magnetische Signale entlang der Domänenwände (DW) in wenigen Nanosekunden (ns) aus. In zehn Nanosekunden reicht ein Lichtstrahl drei Meter weit. Die Signale verhalten sich wellenartig, die anfangs hohe Amplitude wird schnell kleiner.
Foto/Copyright: McCord

www.uni-kiel.de/download/pm/2016/2016-387-2.jpg
Seit 2011 arbeitet Jeffrey McCord als Professor für Nanoskalige magnetische Werkstoffe mit dem Schwerpunkt magnetische Domänen an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Foto/Copyright: Denis Schimmelpfennig/CAU

Kontakt:
Professor Jeffrey McCord
Institut für Materialwissenschaften
Professur für Nanoskalige magnetische Werkstoffe
Tel.: 0431/880 6123
E-Mail: jemc@tf.uni-kiel.de

Details, die nur Millionstel Millimeter groß sind: Damit beschäftigt sich der Forschungsschwerpunkt „Nanowissenschaften und Oberflächenforschung“ (Kiel Nano, Surface and Interface Science – KiNSIS) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Im Nanokosmos herrschen andere, nämlich quantenphysikalische, Gesetze als in der makroskopischen Welt. Durch eine intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Materialwissenschaft, Chemie, Physik, Biologie, Elektrotechnik, Informatik, Lebensmitteltechnologie und verschiedenen medizinischen Fächern zielt der Schwerpunkt darauf ab, die Systeme in dieser Dimension zu verstehen und die Erkenntnisse anwendungsbezogen umzusetzen. Molekulare Maschinen, neuartige Sensoren, bionische Materialien, Quantencomputer, fortschrittliche Therapien und vieles mehr können daraus entstehen. Mehr Informationen auf www.kinsis.uni-kiel.de

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski, Text: Julia Siekmann
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
E-Mail: presse@uv.uni-kiel.de, Internet: www.uni-kiel.de
Twitter: www.twitter.com/kieluni, Facebook: www.facebook.com/kieluni

Dr. Boris Pawlowski | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Brandschutz aus Altpapier
22.01.2019 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht INNOVENT startet Innovatives Anwenderprojekt (INNAP) „Hochbeständiges Kleben von Edelstählen“
22.01.2019 | INNOVENT e.V. Technologieentwicklung Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zweigesichtige Stammzellen produzieren Holz und Bast

Heidelberger Forscher untersuchen einen der wichtigsten Wachstumsprozesse auf der Erde

Für einen der wichtigsten Wachstumsprozesse auf der Erde – die Holzbildung – sind sogenannte zweigesichtige Stammzellen verantwortlich: Sie bilden nicht nur...

Im Focus: Bifacial Stem Cells Produce Wood and Bast

Heidelberg researchers study one of the most important growth processes on Earth

So-called bifacial stem cells are responsible for one of the most critical growth processes on Earth – the formation of wood.

Im Focus: Energizing the immune system to eat cancer

Abramson Cancer Center study identifies method of priming macrophages to boost anti-tumor response

Immune cells called macrophages are supposed to serve and protect, but cancer has found ways to put them to sleep. Now researchers at the Abramson Cancer...

Im Focus: Klassisches Doppelspalt-Experiment in neuem Licht

Internationale Forschergruppe entwickelt neue Röntgenspektroskopie-Methode basierend auf dem klassischen Doppelspalt-Experiment, um neue Erkenntnisse über die physikalischen Eigenschaften von Festkörpern zu gewinnen.

Einem internationalen Forscherteam unter Führung von Physikern des Sonderforschungsbereichs 1238 der Universität zu Köln ist es gelungen, eine neue Variante...

Im Focus: Ten-year anniversary of the Neumayer Station III

The scientific and political community alike stress the importance of German Antarctic research

Joint Press Release from the BMBF and AWI

The Antarctic is a frigid continent south of the Antarctic Circle, where researchers are the only inhabitants. Despite the hostile conditions, here the Alfred...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Führende Röntgen- und Nanoforscher treffen sich in Hamburg

22.01.2019 | Veranstaltungen

Smarte Sensorik für Mobilität und Produktion 4.0 am 07. Februar 2019 in Oldenburg

18.01.2019 | Veranstaltungen

16. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

17.01.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Zweigesichtige Stammzellen produzieren Holz und Bast

22.01.2019 | Biowissenschaften Chemie

Wie tickt die rote Königin?

22.01.2019 | Biowissenschaften Chemie

Digitaler Denker: Argument-Suchmaschine hilft bei der Meinungsbildung

22.01.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics