Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Allianz-Arena für Tomaten: Neue Gewächshaus-Dächer nehmen Anleihen an modernen Fußballstadien

08.03.2006


Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich und der Universität Bonn sind für die Entwicklung von High-Tech-Materialen zur Abdeckung von Gewächshäusern mit dem Umweltpreis Gartenbau NRW ausgezeichnet worden. Dank der ausgeklügelten Konstruktion könnten sich damit Erntequalität und -ertrag erheblich steigern lassen. Clou ist ein Antireflex-Solarglas in Verbindung mit einer teflonartigen Folie, wie sie beispielsweise auch beim Bau der Allianz-Arena des FC Bayern München zum Einsatz kam. Die Folie muss im Gegensatz zu Glas nicht gereinigt werden und macht das Gewächshaus unempfindlich gegen Hagelschlag. Die Kombination mit dem besonders transparenten und UV-durchlässigen Spezialglas hat einen wärmeisolierenden Effekt und sorgt zudem dafür, dass die Pflanzen schneller wachsen und mehr Aromastoffe bilden. An der Entwicklung waren auch zwei Industrieunternehmen beteiligt; das Resultat ist bereits im Handel erhältlich. Die Mehrkosten sollen sich binnen drei Jahren amortisieren.



Vor fünf Jahren begann Gerhard Reisinger vom Forschungszentrum Jülich mit der Entwicklung neuer Materialien, die sich beispielsweise zur Abdeckung von Gewächshäusern eignen sollten. Hochtransparent sollten sie sein, und zwar auch für UV-Licht, dazu unempfindlich und leicht zu warten. Vor zweieinhalb Jahren holte er das Institut für Gartenbauwissenschaft an der Universität Bonn mit ins Boot: Die Agrarwissenschaftler sollten die Praxistauglichkeit der Materialien durch ihre Verwendung in einer gemüsebaulich genutzte Gewächshausanlage auf Herz und Nieren testen. Inwieweit sich die Abdeckung langfristig bewährt, steht zwar noch nicht fest. Die bisherigen Ergebnisse sind jedoch viel versprechend: "Die Kombination aus Antireflexglas mit einer Folienüberspannung sorgt für eine extrem gute Wärmedämmung", erklärt der Bonner Forscher Dr. Andreas Ulbrich. "Die Gewächshäuser verlieren dadurch nur halb soviel Heizenergie wie normalerweise." Da sich auf der Folie dank einer speziellen Oberflächenstruktur kein Schmutz festsetzt, kann der Gemüseproduzent zudem auf eine teure Reinigung verzichten. Auch verhindert ein mehrere Millimeter dickes Luftpolster zwischen Folie und Glas, dass Hagelkörner das Gewächshaus zerdeppern. "Hagelbruch ist fast unmöglich", versichert der Direktor des Jülicher Instituts für Phytosphäre Professor Dr. Uli Schurr.



UV-Licht zur Abhärtung

Gleichzeitig ist das Überdachungsmaterial extrem transparent: Das vom Forschungszentrum Jülich ausgewählte Glas lässt 97 Prozent des für die Photosysnthese nutzbaren Sonnenlichts hindurch. Zum Vergleich: Fensterglas bringt es nur auf 90 Prozent. Daher sei zu erwarten, dass Pflanzen unter dem High-Tech-Dach schneller wachsen, sagt Andreas Ulbrich. Fast noch wichtiger ist jedoch seine Durchlässigkeit für die kurzwellige UVB-Strahlung. "UVB-Licht fördert beispielsweise die Bildung der roten Farbstoffe in Tomaten oder auch von ätherischen Ölen in Gewürzpflanzen", erklärt Professor Dr. Georg Noga, Leiter des Lehr- und Forschungsbereichs Gartenbauwissenschaft der Universität Bonn. Zudem härtet UV-Licht Jungpflanzen ab: Normalerweise muss der Züchter sie zu diesem Zweck vor dem Verkauf für ein paar Tage ins Freie verfrachten. Mit dem neuen Gewächshaus wäre das wahrscheinlich nicht mehr nötig.

Normales Glas blockt UVB-Strahlung dagegen völlig ab - ein Grund, warum wir keinen Sonnenbrand bekommen, wenn uns die Sonne stundenlang durch das Bürofenster auf den Arm scheint. Anders Glas, das zum Bau von Solarstrom-Anlagen benutzt wird: Es lässt immerhin 40 Prozent des eingestrahlten UVB-Lichts durch. Die Wissenschaftler beauftragten daher für ihr Forschungsgewächshaus eine Solarglasfirma aus Fürth.

Inzwischen ist das Projekt den Kinderschuhen entwachsen: Auf der Internationalen Pflanzenmesse in Essen präsentierte eine Gewächshausfirma bereits erste Modelle mit der Glas-Folien-Kombination. Die Mehrkosten dafür sollen sich binnen drei Jahren amortisieren - wenn die Energiepreise weiter steigen, dürfte es noch schneller gehen.

Kontakt:
Dr. Andreas Ulbrich
Institut für Nutzpflanzenwissenschaft und Ressourcenschutz
- Gartenbauwissenschaft -
Telefon: 0228/73-6540 oder 02236/49535
E-Mail: ulbricha@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Abdeckung Folie Gartenbauwissenschaft Gewächshaus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Schäden im Leichtbau erkennen durch Ultraschallsensoren
10.12.2019 | Technische Universität Braunschweig

nachricht Wie Graphen-Nanostrukturen magnetisch werden
10.12.2019 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Graphen-Nanostrukturen magnetisch werden

Graphen, eine zweidimensionale Struktur aus Kohlenstoff, ist ein Material mit hervorragenden mechanischen, elektronischen und optischen Eigenschaften. Doch für magnetische Anwendungen schien es bislang nicht nutzbar. Forschern der Empa ist es gemeinsam mit internationalen Partnern nun gelungen, ein in den 1970er Jahren vorhergesagtes Molekül zu synthetisieren, welches beweist, dass Graphen-Nanostrukturen in ganz bestimmten Formen magnetische Eigenschaften aufweisen, die künftige spintronische Anwendungen erlauben könnten. Die Ergebnisse sind eben im renommierten Fachmagazin Nature Nanotechnology erschienen.

Graphen-Nanostrukturen (auch Nanographene genannt) können, je nach Form und Ausrichtung der Ränder, ganz unterschiedliche Eigenschaften besitzen - zum Beispiel...

Im Focus: How to induce magnetism in graphene

Graphene, a two-dimensional structure made of carbon, is a material with excellent mechanical, electronic and optical properties. However, it did not seem suitable for magnetic applications. Together with international partners, Empa researchers have now succeeded in synthesizing a unique nanographene predicted in the 1970s, which conclusively demonstrates that carbon in very specific forms has magnetic properties that could permit future spintronic applications. The results have just been published in the renowned journal Nature Nanotechnology.

Depending on the shape and orientation of their edges, graphene nanostructures (also known as nanographenes) can have very different properties – for example,...

Im Focus: Geminiden - Die Wünsch-dir-was-Sternschnuppen vor Weihnachten

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Die Geminiden, die Mitte Dezember zu sehen sind, sind der "zuverlässigste" der großen Sternschnuppen-Ströme mit bis zu 120 Sternschnuppen pro Stunde. Leider stört in diesem Jahr der Mond zur besten Beobachtungszeit.

Sie wurden nach dem Sternbild Zwillinge benannt: Die „Geminiden“ sorgen Mitte Dezember immer für ein schönes Sternschnuppenschauspiel. In diesem Jahr sind die...

Im Focus: Electronic map reveals 'rules of the road' in superconductor

Band structure map exposes iron selenide's enigmatic electronic signature

Using a clever technique that causes unruly crystals of iron selenide to snap into alignment, Rice University physicists have drawn a detailed map that reveals...

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Acht Millionen Euro für die Forschung: Smarte Implantate sollen Knochen besser heilen

10.12.2019 | Förderungen Preise

Wie Graphen-Nanostrukturen magnetisch werden

10.12.2019 | Materialwissenschaften

Risiken für Ernten: Globale Hitzewellen könnten mehrere Kornkammern der Welt gleichzeitig treffen

10.12.2019 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics