Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zähne stehen Säureattacken von Cola und O-Saft hilflos gegenüber

22.03.2004


Materialwissenschaftler der Universität Jena überprüfen Selbstreparaturmechanismus von Zähnen



Zahnerosionen sind in den Mündern von Kindern und Jugendlichen auf dem Vormarsch. Die stark ausgeprägte Vorliebe für säurehaltige Getränke wie Cola, Zitrusbrausen oder Orangensaft wird ihrem Zahnschmelz zum Verhängnis. Durch regelmäßigen starken Konsum solcher Soft-Drinks wird die Struktur des Zahnschmelzes nach und nach so geschwächt, dass er erweicht und schließlich kleine Teile herausbrechen. Ein Forscherteam der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Universität Bristol untersucht, ob die Natur diese Säure-Angriffe abwehren kann, also im Mund durch Selbstreparatur der Schaden behoben wird. Ihre neuesten Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift "Surface Science" (Vol. 553, Iss. 1-3, S. 105-114) vom 20. März erschienen sind, lassen jedoch Zweifel an der gängigen Annahme von der Selbstreparatur aufkommen.

... mehr zu:
»Getränk »Zahnschmelz


Zahnschmelzproben aus extrahierten Backenzähnen wurden in kleine Stücke geschnitten und in eine Trägerzahnspange eingesetzt. Diese Spange wurde von einem Probanden getragen, der dann Wasser, Orangensaft und eine Zitronensäurelösung, deren Säuregehalt dem bekannter Soft-Drinks entspricht, trank. Nach dem Konsum eines Viertelliters des jeweiligen Getränks, wurde mit dem so genannten Nanoindenter (einer hauchdünnen Metallspitze) die Zahnschmelzerweichung gemessen. Ein viertel Liter Orangensaft bewirkte bereits eine deutliche Erweichung an den Zähnen. Nur Wasser zeigt keinen erosiven Effekt. Wichtiger Faktor für die Tiefe der Erosion ist der pH-Wert des Getränkes. Er ist ein Maß dafür, welche Menge und Art der Säure ein Getränk enthält. Auch wie häufig man diese sauren Soft-Drinks konsumiert, spielt eine Rolle.

"Die Nanoindentation ist eine sehr empfindliche und genaue Messmethode", berichtet Prof. Dr. Klaus Jandt. Unter der Leitung des Materialwissenschaftlers von der Universität Jena wurde die Methode weltweit erstmals zum frühen Nachweis der in-situ Zahnschmelz-Erosion eingesetzt. Um zu überprüfen, ob sich die Zähne selbst wieder reparieren, wurden die Zahnproben bis zu drei Tage weitergetragen. Doch der Zahnschmelz remineralisierte nicht wieder und zeigte eine nahezu unveränderte Erweichung. "Das ist das Ergebnis unter den experimentellen Bedingungen dieser Studie", führt Jandt aus. Um letzte Sicherheit zu erlangen, sollen ähnliche Studien mit einer größeren Anzahl von Probanden folgen.

"Uns interessiert bei diesen Untersuchungen, wie die Natur Materialien, z. B. den Zahnschmelz aufbaut. Wir wollen daraus etwas für die Entwicklung neuer synthetischer Materialien lernen. Dieses Prinzip, bei dem versucht wird die Natur nachzuahmen, heißt Biomimetik," erklärt Prof. Jandt das Interesse an der Zahnschmelzerosion. Bezüglich der Getränke sei jedoch die Getränke-Industrie gefragt. Zahnfreundlichere Softdrinks könnten nach Ansicht des Materialwissenschaftlers Kalzium enthalten, das nachweislich zum Aufbau der Zähne beiträgt.

Kontakt:
Prof. Dr. Klaus Jandt
Institut für Materialwissenschaft und Werkstofftechnologie
der Universität Jena
Löbdergraben 32, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 947731
E-Mail: k.jandt@uni-jena.de


Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.sciencedirect.com/science/journal/00396028

Weitere Berichte zu: Getränk Zahnschmelz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund
22.06.2018 | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

nachricht Nah dran an der Fiktion: Die Außenhaut für das Raumschiff „Enterprise“?
22.06.2018 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wendelstein 7-X erreicht Weltrekord

Stellarator-Rekord für Fusionsprodukt / Erste Bestätigung für Optimierung

Höhere Temperaturen und Dichten des Plasmas, längere Pulse und den weltweiten Stellarator-Rekord für das Fusionsprodukt hat Wendelstein 7-X in der...

Im Focus: Schnell und innovativ: Jülicher Superrechner ist eine Neuentwicklung aus Europa

Bei der Entwicklung innovativer Superrechner-Architekturen ist Europa dabei, die Führung zu übernehmen. Leuchtendes Beispiel hierfür ist der neue Höchstleistungsrechner, der in diesen Tagen am Jülicher Supercomputing Centre (JSC) an den Start geht. JUWELS ist ein Meilenstein hin zu einer neuen Generation von hochflexiblen modularen Supercomputern, die auf ein erweitertes Aufgabenspektrum abzielen – von Big-Data-Anwendungen bis hin zu rechenaufwändigen Simulationen. Allein mit seinem ersten Modul qualifizierte er sich als Nummer 1 der deutschen Rechner für die TOP500-Liste der schnellsten Computer der Welt, die heute erschienen ist.

Das System wird im Rahmen des von Bund und Sitzländern getragenen Gauß Centre for Supercomputing finanziert und eingesetzt.

Im Focus: Superconducting vortices quantize ordinary metal

Russian researchers together with their French colleagues discovered that a genuine feature of superconductors -- quantum Abrikosov vortices of supercurrent -- can also exist in an ordinary nonsuperconducting metal put into contact with a superconductor. The observation of these vortices provides direct evidence of induced quantum coherence. The pioneering experimental observation was supported by a first-ever numerical model that describes the induced vortices in finer detail.

These fundamental results, published in the journal Nature Communications, enable a better understanding and description of the processes occurring at the...

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Neueste Entwicklungen in Forschung und Technik

25.06.2018 | Veranstaltungen

Wheat Initiative holt Weizenforscher aus aller Welt an einen Tisch

25.06.2018 | Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wendelstein 7-X erreicht Weltrekord

25.06.2018 | Physik Astronomie

Schnell und innovativ: Jülicher Superrechner ist eine Neuentwicklung aus Europa

25.06.2018 | Informationstechnologie

Leuchtfeuer in der Produktion

25.06.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics