Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltraumtechnik verzögert Holzbrände

01.04.2003


Eine wahrhaft brenzlige Situation ist jeder Brand. Besonders der klassische Baustoff Holz hat den Nachteil, gleichzeitig ein guter Brennstoff zu sein. Eine Möglichkeit, seine Entflammung deutlich zu verzögern, bieten Intumeszenzbeschichtungen (lateinisch intumescere bedeutet anschwellen). Oberhalb einer bestimmten Temperatur blähen sich diese Schutzanstriche zu einem weichen Kohlenstoffschaum auf und isolieren so das darunterliegende Holz vor Hitze und Sauerstoff. »Dieser Schaum wird jedoch von Luftströmungen und anderen mechanischen Kräften sehr leicht abgetragen und bietet deshalb im Brandfall nur einen kurzfristigen Schutz«, erklärt Dirk Kruse vom Braunschweiger Fraunhofer-Institut für Holzforschung WKI.


Seit bereits einer halben Stunde feuert der Bunsenbrenner. Die Beschichtung der Platte bläht sich zu einer festen keramischen Schicht auf und verhindert wirkungsvoll, dass sich das Holz darunter entflammt.
© Fraunhofer WKI



Seit einem Jahr entwickeln die Wissenschaftler gemeinsam mit Kollegen vom Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal bei Karlsruhe eine harte Intumeszenzbeschichtung. Sie basiert auf Raumfahrttechnik: Um Raketentriebwerke minutenlang vor Temperaturen über 3 000 °C zu schützen, kommen keramisierende Elastomere zum Einsatz. Sie bestehen aus einem polymeren Bindemittel und hochschmelzenden Füllstoffen wie Siliziumdioxid und -carbid. Durch die Hitze quillt der Binder auf und verhärtet sich in einer chemischen Reaktion mit den Füllstoffen zu einer festen Keramik. Diese robuste Form soll nun zum Hitzeschild für Holz modifiziert werden. Selbst 1 200 °C, wie sie bei Gebäudebränden auftreten können, soll die Isolierung die kalte Schulter zeigen. Die größere Herausforderung liegt jedoch in den niedrigen Temperaturen, denn Holz beginnt oberhalb von 300 Grad zu brennen: »Bereits dann muss die Schicht zu einem keramikähnlichen Material verfestigt sein, damit sie mindestens eine Stunde lang Schutz bietet«, erklärt Dr. Volker Gettwert vom ICT-Bereich Energetische Materialien. Noch muss die neue Beschichtung auf das Holz gespachtelt werden - später soll sie wie gewöhnliche Holzanstriche aufgetragen werden können und sich auch in anderen Eigenschaften wie diese verhalten. Abhängig vom Gebrauch werden verschiedene Versionen entwickelt, denn ein Parkettboden verhält sich anders als eine Holzdecke.



Muster und weitere Informationen zu solchen Intumeszenzbeschichtungen präsentieren die Forscher auf zwei Messen: vom 8. bis 10. April auf der EUROPEAN COATINGS SHOW in Nürnberg (Fraunhofer-Gemeinschaftsstand 151 in Halle 1) und vom 19. bis 24. Mai auf der Achema in Frankfurt (Stand B 9 / 10 in Halle 1.2).

Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Dirk Kruse
Telefon 05 31 / 21 55-4 42
Fax 05 31 / 21 55-2 00

Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI
Bienroder Weg 54 E
38108 Braunschweig

Dr. Volker Gettwert
Telefon 07 21 / 46 40-4 06
Fax 07 21 / 46 40-1 11

Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT
Joseph-von-Fraunhofer-
Straße 7
76327 Pfinztal / Berghausen

Dr. Joh. Ehrlenspiel | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.wki.fraunhofer.de/
http://www.ict.fraunhofer.de/deutsch/index.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Fachhochschule Südwestfalen entwickelt innovative Zinklamellenbeschichtung
13.07.2018 | Fachhochschule Südwestfalen

nachricht 3D-Druck: Stützstrukturen verhindern Schwingungen bei der Nachbearbeitung dünnwandiger Bauteile
12.07.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Europaweit erste Patientin mit neuem Hybridgerät zur Strahlentherapie behandelt

19.07.2018 | Medizintechnik

Waldrand oder mittendrin: Das Erbgut von Mausmakis unterscheidet sich je nach Lebensraum

19.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics