Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fußgängerschutz dank Technobein

04.06.2002


Ein Stahlgelenk mit Ober- und Unterschenkel imitiert Knie und Knochen.

© Fraunhofer EMI


In Kunststoffschaum (Muskel) und Neopren (Haut) verpackt, knallt das mit Sensoren bestückte Kunstbein an Fahrzeugfronten

© Fraunhofer EMI


Im vergangenen Jahr starben in Deutschland »nur« knapp 7 000 Menschen im Straßenverkehr, also rund 19 täglich. Dieser, seit 1953 historische Tiefstand, der wohl Airbags und Anti-Blockier-Systemen zu verdanken ist, stellt jedoch für Sicherheitstechniker keinen Anlass dar, die Hände in den Schoß zu legen. Ziel einer EU-Norm ist es, innerhalb der kommenden acht Jahre die Anzahl der Verkehrstoten fast zu halbieren. Ein deutliches Augenmerk richtet sich auch auf Fußgänger, die immerhin zu einem Siebtel in die traurige Statistik eingehen. Da gerade sie kaum Knautschzonen bieten, sind die Fahrzeughersteller gefordert, die Verletzungsgefahr über das Design ihrer Karossen zu verringern. Wissenschaftlich fundiert untersucht daher auch das Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik EMI, was passiert, wenn Mensch und Maschine aufeinander prallen.


»Angeregt durch das Unternehmen Peguform haben wir unsere bestehende Crashanlage erweitert«, erläutert Jürgen Herrmann, der das Projekt zum Fußgängerschutz leitet. »Mit dem 16 Meter langen Druckluftschlitten können wir Nutzlasten bis zu einer halben Tonne beschleunigen. Da Knieverletzungen und Schienbeinbrüche die Unfallstatistik bei Fußgängern anführen, haben wir einen mit Sensoren bestückten Bein-Impaktor gebaut.« Im technischen Pendant der menschlichen Extremität verpackten die Wissenschaftler ein Metallgelenk mit Ober- und Unterschenkel in Kunststoffschaum und Neopren. Materialien und Abmessungen gehen auf Vorschläge der EEVC zurück. In dieser Stiftung untersuchen Industrieunternehmen und schweizer Forschungsinstitute die Mechanik von Unfällen.

Herrmann erklärt einen »Unfallhergang«, den Hochgeschwindigkeitskameras aufzeichnen: »Mit typischerweise 40 km/h knallt das Technobein auf Fahrzeugfronten. Im Moment des Aufpralls erfassen die Sensoren zeitlich aufgelöst mehrere Messgrößen. Neben der Bremsbeschleunigung des Beins sind der Knickwinkel und Scherversatz des Kniegelenks wichtig, denn sie bestimmen maßgeblich den Zerstörungsgrad eines realen Beins.« Ziel ist es vor allem, den EEVC-Normvorschlag zu erweitern, indem das Technobein noch umfassendere Daten liefert. Auch die Fahrzeugfront kann mit weiteren Messwertgebern ausgestattet werden. Noch ist es zu früh, dass Autohersteller an die Institutstür klopfen. Doch bereits jetzt werden in crashMat, dem im April eingeweihten »Freiburger Zentrum für crashrelevante Werkstoffcharakterisierung, Simulation und Bauteilprüfung« wertvolle Daten und Erkenntnisse gewonnen.


Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Jürgen Herrmann
Telefon 07 61 / 27 14-3 58
Fax 07 61 / 27 14-3 16

Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik
Ernst-Mach-Institut EMI
Eckerstraße 4
79104 Freiburg

Dipl.-Ing. Jürgen Herrmann | Mediendienst 6

Weitere Berichte zu: Fußgänger Fußgängerschutz Technobein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund
22.06.2018 | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

nachricht Nah dran an der Fiktion: Die Außenhaut für das Raumschiff „Enterprise“?
22.06.2018 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics