Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zink-Nickel-Beschichtung macht dem Rost den Garaus

05.09.2008
Korrosion verursacht in Deutschland jährlich einen gesamtwirtschaftlichen Schaden in Höhe von 90 Mrd. Euro. Kein Wunder, dass der Schutz gegen Rost eine besondere Rolle in der Instandhaltung einnimmt. Eine Möglichkeit, die Lebensdauer von Bauteilen zu verlängern, ist Verzinkung mit anschließender Gelb-Chromatierung, auch bekannt als A3C.

Das wohl prominenteste Beispiel für den Instandhaltungsaufwand gegen Korrosion ist der Eiffelturm. Alle sieben Jahre muss er komplett neu gestrichen werden, wobei rund 60 t Korrosionsschutzfarbe benötigt werden. Die Gesamtkosten pro Anstrich belaufen sich auf drei Mio. Euro.

Dieser Aufwand kann heute dadurch vermieden werden, dass Bauteile verzinkt und anschließend gelb-chromatiert werden. Das als A3C bekannte Verfahren hat sich zu einer häufig angewendeten Korrosionsschutzmethode entwickelt, die allerdings arbeitsschutztechnisches Diskussionspotenzial besitzt: Die klassische Gelb-Chromatierung der vergangenen Jahre enthielt sechswertiges Chrom, das als krebserregend eingestuft wird und das seit gut einem Jahr nicht mehr in Korrosionsschutzschichten erlaubt ist.

Stauff, Hersteller fluidtechnischer Komponenten für den Maschinenbau, hat die Herstellung seiner Bauteile vor diesem Hintergrund auf eine Zink-Nickel-Beschichtung mit Passivierung umgestellt. Von der Umstellung betroffen ist das gesamte Produktprogramm, insbesondere allerdings Befestigungszubehör wie Deck- und Schweißplatten für Rohr- und Schlauchschellen sowie sämtliche Messtechnik-Artikel.

Überlegungen für die Wahl der künftigen Beschichtungen gingen in Richtung der Verzinkung mit Dickschicht-Passivierung und anschließender Versiegelung. Die Analyse der ersten Praxistests zeigte allerdings zwei Problematiken auf: Der eigentliche Beschichtungsprozess wurde nicht sicher beherrscht, was aber durch optimierte Arbeitsabläufe der Oberflächenveredler behebbar wäre.

Zinkoberflächen zu empfindlich

Der zweite, gravierendere Punkt ist die Empfindlichkeit der Oberfläche: Nach Aussagen der Fachleute kann durch den Transportweg (vor allem das Rütteln während der Fahrt) sowie durch den zwingend erforderlichen Transport innerhalb der Produktion (zum Beispiel Umschüttvorgänge beim Hersteller, im Galvanikbetrieb oder beim Anwender) zu einer Beeinträchtigung der Beständigkeiten führen. Außerdem muss die Beanspruchung bei der Montage des fertigen Produktes mit einbezogen werden, die sich ebenfalls negativ auswirken kann.

Im Laufe der Untersuchungen wurde bei Stauff ein Teststand für Salzsprühnebel-Prüfungen nach DIN EN ISO 9227 angeschafft. Es gab Teile, die die geforderten 500 h Weißrostbeständigkeit erreichten, allerdings waren auch Teile dabei, die nur knapp 100 h erreichten. Damit liegen diese Ergebnisse im ungünstigen Fall auf einem ähnlichen Niveau, wie sie Bauteile mit Chrom(VI)-freier Verzinkung und anschließender Blau-Chromatierung erreichen.

Zink-Nickel-Beschichtung mit Passivierung und Versiegelung lohnt sich

Aufgrund der Testergebnisse mit der dickschichtpassivierten Verzinkung und trotz der höheren Kosten hat sich das Unternehmen für die Zink-Nickel-Beschichtung mit Passivierung und Versiegelung entschieden. Die Zink-Nickel-Schicht bringt keinen klassischen Weißrost (Zinkkorrosion) hervor. Die Oberfläche zeigt allerdings einen Grauschleier, der sich durch Abwischen entfernen lässt. Die Spezifikation fordert im Salzsprühnebel-Test eine Zeit von 720 h Beständigkeit gegen Rotrost (Grundmetallkorrosion). Diese Forderung wird teilweise erheblich übererfüllt.

Außer der Beständigkeit im Salzsprühnebel-Test weist die Schicht weitere positive Eigenschaften auf:

-gleiche Medienverträglichkeit wie die bisherige Gelb-Chromatierung,

-bessere Temperaturbeständigkeit als die bisherige Gelb-Chromatierung (210 statt 80 °C),

-verbesserter Oberflächenschutz auch bei Handling und Montage.

Stauff hat sich aufgrund der Ergebnisse im letzten Herbst entschieden, das komplette Programm auf den neuen Korrosionsschutz mit Zink-Nickel-Beschichtung umzustellen, und damit eine der größten Herausforderungen der letzten Jahre angenommen.

Frank Fladerer | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/index.cfm?pid=1549&pk=143589

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Mehr Funktionalitäten: Mikrostrukturierung großer Flächen mit UV-Lasersystem
05.07.2018 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Neue Fräskinematik – individuell und hochpräzise fertigen
02.07.2018 | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Optische Kontrolle von Herzfrequenz oder Insulinsekretion durch lichtschaltbaren Wirkstoff

17.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umweltressourcen nachhaltig nutzen

17.07.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Textilien 4.0: Smarte Kleidung und Wearables als Innovation

17.07.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics