Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Redet miteinander!

29.01.2010
Das Institut für Fabrikanlagen und Logistik (IFA) macht mit einem neu entwickelten Programm sichtbar, wo die Kommunikation im Unternehmen stockt

Eine Woche lang machen 30 ausgewählte Beschäftigte der Firma am Ende jedes Arbeitstages ein paar Kreuzchen. Mehr brauchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die zum Produktionstechnischen Zentrum (PZH) der Leibniz Universität Hannover gehören, nicht, um zu erkennen: Die Entwicklung weiß nicht, was in der Produktionssteuerung los ist. Kann sie gar nicht, denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reden kaum miteinander.

Das Beispiel ist echt, es beschreibt den Informationsfluss bei einem der vier Unternehmen, die das Programm bereits in der Entwicklungsphase anwenden konnten. "Natürlich wissen die Unternehmen vorher schon, dass die Verständigung nicht optimal läuft", erklärt Wirtschaftsingenieur Tobias Heinen, der Projektbetreuer, "aber es ist etwas ganz anderes, wirklich im Bild zu sehen, welche Orte oder Abteilungen des Unternehmens - also einzelne Fertigungsstandorte, die Steuerungsabteilung, die Unternehmensleitung - in Verbindung stehen. Und welche eben überhaupt nicht."

Das Programm ist im Projekt "Gestaltung und Bewertung kommunikationsorientierter Fabrikprozesse an den Schnittstellen betrieblicher Arbeitsprozesse" entstanden, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl Industriebau der Technischen Universität Dresden bearbeitet wurde. Als Ausgangsdaten nutzen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eben jene Kreuzchen: Die Firmenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter - deren Anonymität selbstverständlich gewahrt bleibt - kreuzen am Ende des Arbeitstages über eine internetbasierte Software die Kolleginnen und Kollegen an, mit denen sie telefoniert, gemailt oder sich getroffen haben.

"Die Tabelle, die daraus entsteht, sieht erst mal recht bunt und nichtssagend aus", gibt Tobias Heinen zu. Das ändert sich allerdings, wenn man die Kreuzchen felderweise nach Abteilungen oder Unternehmensorten aufbereitet. Generiert man daraus schließlich ein Netzwerk, das je nach Kommunikationsdichte kleine oder große Knoten (interne Kommunikation der Abteilungen) mit dicken oder dünnen Armen (Kommunikation zwischen den Abteilungen) verbindet, sieht man klar.

Professor Peter Nyhuis, Leiter des IFA, beleuchtet den Hintergrund des Projekts. "Eine auch heute noch viel beachtete Studie des Massachusetts Institute of Technology hat schon 1984 ergeben, dass Face-to-Face-Kommunikation die Grundlage für 80 Prozent aller Innovationen ist. Wo es allerdings gar keine Kommunikation gibt, bleiben nicht nur die Innovationen aus - auch Liefertreue und Produktqualität bleiben dann irgendwann auf der Strecke."

Wenn Unternehmen klar vor Augen haben, wo Informationen auf der Strecke bleiben, ist das Problem noch nicht gelöst. Aber zumindest ist es dann konkret genug, um Wege einzuschlagen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Reden zu bringen.

Dr. Stefanie Beier | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifa.uni-hannover.de

Weitere Berichte zu: Fabrikprozesse IFA Informationsfluss Kreuzchen Produktionssteuerung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Supermagnete aus dem 3D-Drucker
18.02.2020 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Innovatives Konzept für den effizienteren 3D-Druck
13.02.2020 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lichtpulse bewegen Spins von Atom zu Atom

Forscher des Max-Born-Instituts für Nichtlineare Optik und Kurzpulsspektroskopie (MBI) und des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik haben durch die Kombination von Experiment und Theorie die Frage gelöst, wie Laserpulse die Magnetisierung durch ultraschnellen Elektronentransfer zwischen verschiedenen Atomen manipulieren können.

Wenige nanometerdünne Filme aus magnetischen Materialien sind ideale Testobjekte, um grundlegende Fragestellungen des Magnetismus zu untersuchen. Darüber...

Im Focus: Freiburg researcher investigate the origins of surface texture

Most natural and artificial surfaces are rough: metals and even glasses that appear smooth to the naked eye can look like jagged mountain ranges under the microscope. There is currently no uniform theory about the origin of this roughness despite it being observed on all scales, from the atomic to the tectonic. Scientists suspect that the rough surface is formed by irreversible plastic deformation that occurs in many processes of mechanical machining of components such as milling.

Prof. Dr. Lars Pastewka from the Simulation group at the Department of Microsystems Engineering at the University of Freiburg and his team have simulated such...

Im Focus: Transparente menschliche Organe ermöglichen dreidimensionale Kartierungen auf Zellebene

Erstmals gelang es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, intakte menschliche Organe durchsichtig zu machen. Mittels mikroskopischer Bildgebung konnten sie die zugrunde liegenden komplexen Strukturen der durchsichtigen Organe auf zellulärer Ebene sichtbar machen. Solche strukturellen Kartierungen von Organen bergen das Potenzial, künftig als Vorlage für 3D-Bioprinting-Technologien zum Einsatz zu kommen. Das wäre ein wichtiger Schritt, um in Zukunft künstliche Alternativen als Ersatz für benötigte Spenderorgane erzeugen zu können. Dies sind die Ergebnisse des Helmholtz Zentrums München, der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität München (TUM).

In der biomedizinischen Forschung gilt „seeing is believing“. Die Entschlüsselung der strukturellen Komplexität menschlicher Organe war schon immer eine große...

Im Focus: Skyrmions like it hot: Spin structures are controllable even at high temperatures

Investigation of the temperature dependence of the skyrmion Hall effect reveals further insights into possible new data storage devices

The joint research project of Johannes Gutenberg University Mainz (JGU) and the Massachusetts Institute of Technology (MIT) that had previously demonstrated...

Im Focus: Skyrmionen mögen es heiß – Spinstrukturen auch bei hohen Temperaturen steuerbar

Neue Spinstrukturen für zukünftige Magnetspeicher: Die Untersuchung der Temperaturabhängigkeit des Skyrmion-Hall-Effekts liefert weitere Einblicke in mögliche neue Datenspeichergeräte

Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat einen weiteren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

4. Fachtagung Fahrzeugklimatisierung am 13.-14. Mai 2020 in Stuttgart

10.02.2020 | Veranstaltungen

Alternative Antriebskonzepte, technische Innovationen und Brandschutz im Schienenfahrzeugbau

07.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Höhere Treibhausgasemissionen durch schnelles Auftauen des Permafrostes

18.02.2020 | Geowissenschaften

Supermagnete aus dem 3D-Drucker

18.02.2020 | Maschinenbau

Warum Lebewesen schrumpfen

18.02.2020 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics