Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Überblick in der Datenflut

23.07.2012
Maschinenbauer und Wirtschaftswissenschaftler der TU Chemnitz unterstützen kleine und mittlere Unternehmen bei der nachhaltigen Pflege ihrer Stammdaten

Adressen von Kunden, Informationen zu Lieferanten, Angaben über die Herstellung von Produkten - so häufen sich bei den Unternehmen im Laufe der Zeit mehr und mehr Daten an. Um in der Flut der sogenannten Stammdaten, die sich nur selten verändern, den Überblick zu behalten, haben zahlreiche große Firmen bereits erfolgreich maßgeschneiderte Lösungen gefunden.

Von den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland haben bisher jedoch nur rund 20 Prozent das Management ihrer Stammdaten im Griff. Diesen Anteil zu erhöhen, haben sich die beiden Professuren Konstruktionslehre sowie Unternehmensrechnung und Controlling der Technischen Universität Chemnitz zum Ziel gesetzt. Zu ihren Partnern im Verbundvorhaben eBEn (eBusiness Engineering) gehören dabei der RKW Sachsen e.V., der das Projekt leitet, und die Terrot GmbH, bei der die theoretischen Erkenntnisse in der Praxis umgesetzt werden.

Der Textilmaschinenhersteller mit Sitz in Chemnitz hat unter Beteiligung der TU bereits im Vorfeld an einem Diagnoseprojekt zur Analyse und Bewertung seiner Stammdaten teilgenommen. "Das Unternehmen hat dabei die Relevanz des Themas erkannt. Durch die Nähe des Firmensitzes zur Universität können wir jetzt unsere Ergebnisse sofort in der Praxis testen und neue Anforderungen erkennen. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen", berichtet Prof. Dr. Erhard Leidich, Inhaber der Professur Konstruktionslehre.

Mängel in den Stammdaten können beispielsweise dann auftreten, wenn es keine einheitlichen Stammdatenprozesse zur Datenanlage - zum Beispiel Bezeichnung, Datenpflege und -archivierung - gibt. Um dem entgegenzuwirken, will das Projektteam die KMU bei der Einführung und Nutzung von eBusiness-Standards unterstützen. "Diese Standards sind in Vorgängerprojekten wie PROZEUS festgelegt worden und helfen beispielsweise beim Datenaustausch zwischen Unternehmen", erklärt Prof. Leidich. Die Chemnitzer Wissenschaftler beachten dabei die individuellen Rahmenbedingungen der KMU, also beispielsweise, welche Daten im jeweiligen Unternehmen bereits vorliegen und welche überhaupt für die Firma relevant sind. "Uns geht es darum, ein integriertes und wertschöpfungsorientiertes Stammdaten- und Geschäftsprozessmanagement aufzubauen", betont Prof. Dr. Uwe Götze, Inhaber der Professur Unternehmensrechnung und Controlling.

Dieser neue Ansatz geht über die reine Verwaltung der Daten hinaus und beachtet auch die Auswirkungen der Stammdatenqualität auf die Geschäftsprozesse, etwa der Beschaffung. "Wenn die Artikeldaten schlecht gepflegt sind, kann beispielsweise der Einkäufer keine Bündelungseffekte wie Mengenrabatte nutzen - der Beschaffungsprozess läuft also nicht optimal", erklärt Projektmitarbeiter Michael Konarsky und ergänzt: "Letztlich ist es ein ständiges Wechselspiel zwischen den Stammdaten und den Geschäftsprozessen. Nur wenn beides optimal ineinander greift, bleiben die Daten und damit auch die Prozesse nachhaltig in einem guten Zustand."

Die Chemnitzer Wissenschaftler entwickeln Lösungsbausteine zur Einführung und Nutzung der eBusiness-Standards. Dabei bauen sie auf den Ergebnissen des "Labors für integrierte Produktentwicklung" auf. In diesem an der TU angesiedelten Labor hat es sich ein interdisziplinäres Team aus Maschinenbauern und Wirtschaftswissenschaftlern zur Aufgabe gemacht, unnötige Vielfalt bei Bauteilen, Materialien und in Prozessen aufzudecken, Methoden zur Erschließung von Einsparpotenzialen zu entwickeln und damit Kosten zu reduzieren - für die Hersteller und für deren Kunden.

Im Laufe des Verbundprojektes eBEn ist zudem die Befragung von 140 Unternehmen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Baden-Württemberg vorgesehen. Sie soll Aufschluss geben über die konkreten Bedarfssituationen von KMU. 30 dieser Firmen werden außerdem in Diagnoseprojekten unter die Lupe genommen, in dreien sollen die Projektergebnisse in die Praxis überführt werden. "Außerdem wollen wir Beratungs- und Qualifizierung skonzepte entwickeln und erproben, um Berater und Studierende zu diesem Thema auszubilden. Dadurch können unsere Forschungsergebnisse nachhaltig verbreitet werden", so Konarsky. Dass sich die Mühe auch für die beteiligten Unternehmen auszahlen wird, steht für die TU-Forscher fest: "Stammdatenmanagement ist kein notwendiges Übel, sondern ein Erfolgsfaktor", schätzen Prof. Leidich und Prof. Götze unisono ein.

Das Verbundprojekt eBEn wird seit dem 1. Juli 2012 für drei Jahre mit 1,8 Millionen Euro im Rahmen der Förderinitiative "Geschäftsprozesse standardisieren, Erfolg sichern. eStandards in digitalen Geschäftsprozessen helfen kleinen und mittleren Unternehmen" durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert.

Weitere Informationen unter http://www.ipe-labor.de und bei Michael Konarsky, Telefon 0371 531-37669, E-Mail michael.konarsky@mb.tu-chemnitz.de

Katharina Thehos | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Die nächste Generation der industriellen 3D-Drucker
09.01.2020 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Gießwalzanlage der TU Freiberg ermöglicht innovative Magnesiumbauteile für den Leichtbau
20.12.2019 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Miniatur-Doppelverglasung: Wärmeisolierendes und gleichzeitig wärmeleitendes Material entwickelt

Styropor oder Kupfer – beide Materialien weisen stark unterschiedliche Eigenschaften auf, was ihre Fähigkeit betrifft, Wärme zu leiten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz und der Universität Bayreuth haben nun gemeinsam ein neuartiges, extrem dünnes und transparentes Material entwickelt und charakterisiert, welches richtungsabhängig unterschiedliche Wärmeleiteigenschaften aufweist. Während es in einer Richtung extrem gut Wärme leiten kann, zeigt es in der anderen Richtung gute Wärmeisolation.

Wärmeisolation und Wärmeleitung spielen in unserem Alltag eine entscheidende Rolle – angefangen von Computerprozessoren, bei denen es wichtig ist, Wärme...

Im Focus: Miniature double glazing: Material developed which is heat-insulating and heat-conducting at the same time

Styrofoam or copper - both materials have very different properties with regard to their ability to conduct heat. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz and the University of Bayreuth have now jointly developed and characterized a novel, extremely thin and transparent material that has different thermal conduction properties depending on the direction. While it can conduct heat extremely well in one direction, it shows good thermal insulation in the other direction.

Thermal insulation and thermal conduction play a crucial role in our everyday lives - from computer processors, where it is important to dissipate heat as...

Im Focus: Fraunhofer IAF errichtet ein Applikationslabor für Quantensensorik

Um den Transfer von Forschungsentwicklungen aus dem Bereich der Quantensensorik in industrielle Anwendungen voranzubringen, entsteht am Fraunhofer IAF ein Applikationslabor. Damit sollen interessierte Unternehmen und insbesondere regionale KMU sowie Start-ups die Möglichkeit erhalten, das Innovationspotenzial von Quantensensoren für ihre spezifischen Anforderungen zu evaluieren. Sowohl das Land Baden-Württemberg als auch die Fraunhofer-Gesellschaft fördern das auf vier Jahre angelegte Vorhaben mit jeweils einer Million Euro.

Das Applikationslabor wird im Rahmen des Fraunhofer-Leitprojekts »QMag«, kurz für Quantenmagnetometrie, errichtet. In dem Projekt entwickeln Forschende von...

Im Focus: Fraunhofer IAF establishes an application laboratory for quantum sensors

In order to advance the transfer of research developments from the field of quantum sensor technology into industrial applications, an application laboratory is being established at Fraunhofer IAF. This will enable interested companies and especially regional SMEs and start-ups to evaluate the innovation potential of quantum sensors for their specific requirements. Both the state of Baden-Württemberg and the Fraunhofer-Gesellschaft are supporting the four-year project with one million euros each.

The application laboratory is being set up as part of the Fraunhofer lighthouse project »QMag«, short for quantum magnetometry. In this project, researchers...

Im Focus: Wie Zellen ihr Skelett bilden

Wissenschaftler erforschen die Entstehung sogenannter Mikrotubuli

Zellen benötigen für viele wichtige Prozesse wie Zellteilung und zelluläre Transportvorgänge strukturgebende Filamente, sogenannte Mikrotubuli.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

11. Tagung Kraftwerk Batterie - Advanced Battery Power Conference am 24-25. März 2020 in Münster/Germany

16.01.2020 | Veranstaltungen

Leben auf dem Mars: Woher kommt das Methan?

16.01.2020 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2020

16.01.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Chemiker lassen Bor-Atome wandern

17.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Infektiöse Proteine bei Alzheimer

17.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Miniatur-Doppelverglasung: Wärmeisolierendes und gleichzeitig wärmeleitendes Material entwickelt

17.01.2020 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics