Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Läuft! - Einer der weltweit größten Forschungsmotoren wird an der Universität Rostock in Betrieb genommen

18.09.2015

In Rostock geht ein Uni-Großprojekt in die heiße Endphase: Heute wurde der Prüfstand einer der weltweit leistungsfähigsten Forschungsmotoren in der Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik in Betrieb genommen.

Innerhalb der vergangenen zwei Jahre wurde der 43 Tonnen schwere, etwa vier Meter hohe 1-Zylinder-Schiffsdieselmotor aufgebaut – der Prüfstand ist für 1000 PS ausgelegt! In der Forschung wird der Motor eingesetzt, um die Entwicklung von Schiffsdieselmotoren mit deutlich geringeren Schadstoffemissionen voranzutreiben, denn der öffentliche und politische Druck hinsichtlich einer Schadstoffsenkung von Schiffsantrieben steigt.


Björn Henke hat den Aufbau des Motors koordiniert und nahm gestern den Prüfstand in Betrieb.

(Foto: Anja Klatt/ ITMZ)

Senkung der Methan-, Stickoxid- und Kohlendioxidemissionen bei gleichzeitiger Steigerung der Leistungsdichte gegenüber existierenden Dual-Fuel Schiffsdieselmotoren lautet das übergreifende Ziel des Großprojekts, das vorerst bis Ende 2016 laufen wird.

Im Jahr 2013 startete das Forschungsprojekt, das vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird. Neben den Lehrstühlen für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren und für Technische Thermodynamik sind als weitere Partner die Caterpillar Motoren GmbH & Co. KG sowie das Forschungszentrum Verbrennungsmotoren und Thermodynamik Rostock GmbH beteiligt.

Insgesamt fließen 3,97 Mio. Euro in das Verbundvorhaben. Zusätzliche Unterstützung kommt von der Firma Caterpillar, die wesentliche Komponenten und Know-how in das Projekt einbringt.

„Praktischer Hintergrund des Verbundvorhabens sind die Umweltbelastung durch Großmotoren auf den Weltmeeren und die verschärften Abgasnormen im Schiffsverkehr“, erläutern Prof. Horst Harndorf und Prof. Egon Hassel, die jeweiligen Leiter der Lehrstühle. „Wir wollen wegweisend daran mitwirken, dass im Schiffsverkehr künftig Emissionsgrenzen eingehalten werden können.“

Professor Harndorf ergänzt: „Wir verstehen unsere Forschung als anwendungsnahe maritime Spitzen-Forschung. Das heißt, wir wollen Lösungskonzepte entwickeln, die den Weg aus der Forschung in die Praxis bzw. in die Produktion schaffen und in diesem konkreten Fall helfen, die Grundlagen für eine wesentlich sauberere Schifffahrt zu legen. Emissions- und Kraftstoffverbrauchsenkung bei Schiffsantrieben in naher Zukunft – das wäre ein großer Erfolg für uns alle!“

Seit Oktober 2013 wurde mit dem Know-how der Motorenbauer von Caterpillar, die bereits Erfahrungen mit Gas- und Dual-Fuel-Motoren für Schiffs- und Landanwendungen haben, der Motor konstruiert, aufgebaut, es wurde gerechnet und modelliert. „Alle Achtung“ zollte Dr. Frank Starke von Caterpillar den Forschern der Uni Rostock.

Der Aufbau des neuen Motorprüfstandes für den Betrieb eines 1-Zylinder-Forschungsmotors sei ein sehr ambitioniertes Projekt. „Wir erahnen, welche Herausforderungen die beiden Lehrstühle zu bewältigen hatten“, würdigte Starke.

„Es war eine ambitionierte Zeitvorgabe, um den Motor erfolgreich in Betrieb nehmen zu können“, sagt Prof. Harndorf. Jetzt steigen die Forscher in den regulären Messbetrieb ein. Vereinfacht dargestellt heißt das: Zunächst soll der IST-Zustand festgestellt und beispielsweise erfasst werden, welche Eigenschaften der Motor hat oder welche Emissionen an welchen Lastpunkten auftreten.

Im weiteren Verfahren werden mithilfe von Simulationsrechnungen gezielt verschiedene Parameter geändert, um Erkenntnisse über Prozesse an unterschiedlichen Stellen im Motor treffen zu können. Parameter verändern bedeutet beispielsweise, die Strömungsführung in der Luftansaugung zu verändern, andere Einspritz-Zeitpunkte festzulegen oder Einspritz-Drücke zu variieren.

Das Zusammenspiel von Simulation und Experiment ist daher unerlässlich. Für den maritimen Koordinator der Bundesregierung, Uwe Beckmeyer hilft dieses innovative Verbundvorhaben „die richtige Antwort für eine bessere Umwelt zu finden“. „Wir wollen die dicke Luft zurückdrängen“. Der Prüfstand werde ganz neue Lösungen für den maritimen Bereich bringen, ist Beckmeyer überzeugt.

Unirektor Prof. Wolfgang Schareck ist stolz auf die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Maschinenbau. Von Anfang an hat er das ambitionierte Projekt unterstützt: „Das ist Forschung auf höchsten Niveau, eine exzellente Zusammenarbeit der beiden Lehrstühle mit einem hohen praktischen Nutzen. Im Bereich der Forschung an Großmotoren eröffnen sich durch dieses Vorhaben ganz neue Möglichkeiten.“

Bereits seit 1955 forscht die Uni Rostock an Verbrennungsmotoren, hat sich seit 1962 auch mit Sonderkraftstoffen beschäftigt. Seitdem beschäftigen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren fast durchgängig mit Technologien zur Emissionssenkung.

Kontakt:
Universität Rostock
Dr.-Ing. Christian Fink
Lehrstuhl für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren
Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik
Tel.: +49 381 498-9424
E-Mail: christian.fink@uni-rostock.de
Web: www.lkv.uni-rostock.de 

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Additive Maschinen lernen Superlegierungen kennen
17.05.2019 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

nachricht Schonend schmieden: Forscher entwickeln ergonomische Zange
06.05.2019 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Impfen über die Haut – Gezielter Wirkstofftransport mit Hilfe von Nanopartikeln

Forschenden am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam ist es gelungen Nanopartikel so weiterzuentwickeln, dass sie von speziellen Zellen der menschlichen Haut aufgenommen werden können. Diese sogenannten Langerhans Zellen koordinieren die Immunantwort und alarmieren den Körper, wenn Erreger oder Tumore im Organismus auftreten. Mit dieser neuen Technologieplattform könnten nun gezielt Wirkstoffe, zum Beispiel Impfstoffe oder Medikamente, in Langerhans Zellen eingebracht werden, um eine kontrollierte Immunantwort zu erreichen.

Die Haut ist ein besonders attraktiver Ort für die Applikation vieler Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen. Die geeigneten Zielzellen liegen in der...

Im Focus: Chaperone halten das Tumorsuppressor-Protein p53 in Schach: Komplexer Regelkreis schützt vor Krebs

Über Leben und Tod einer Zelle entscheidet das Anti-Tumor-Protein p53: Erkennt es Schäden im Erbgut, treibt es die Zelle in den Selbstmord. Eine neue Forschungsarbeit an der Technischen Universität München (TUM) zeigt, dass diese körpereigene Krebsabwehr nur funktioniert, wenn bestimmte Proteine, die Chaperone, dies zulassen.

Eine Krebstherapie ohne Nebenwirkungen, die gezielt nur Tumorzellen angreift – noch können Ärzte und Patienten davon nur träumen. Dabei hat die Natur ein...

Im Focus: Wasserstoff – Energieträger der Zukunft?

Fraunhofer-Allianz Energie auf Berliner Energietagen

Im Pariser Klimaabkommen beschloss die Weltgemeinschaft, dass die weltweite Wirtschaft zwischen 2050 und 2100 treibhausgasneutral werden soll. Um die...

Im Focus: Quanten-Cloud-Computing mit Selbstcheck

Mit einem Quanten-Coprozessor in der Cloud stoßen Innsbrucker Physiker die Tür zur Simulation von bisher kaum lösbaren Fragestellungen in der Chemie, Materialforschung oder Hochenergiephysik weit auf. Die Forschungsgruppen um Rainer Blatt und Peter Zoller berichten in der Fachzeitschrift Nature, wie sie Phänomene der Teilchenphysik auf 20 Quantenbits simuliert haben und wie der Quantensimulator das Ergebnis erstmals selbständig überprüft hat.

Aktuell beschäftigen sich viele Wissenschaftler mit der Frage, wie die „Quantenüberlegenheit“ auf heute schon verfügbarer Hardware genutzt werden kann.

Im Focus: Self-repairing batteries

UTokyo engineers develop a way to create high-capacity long-life batteries

Engineers at the University of Tokyo continually pioneer new ways to improve battery technology. Professor Atsuo Yamada and his team recently developed a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2019: „Diabetes – Nicht nur eine Typ-Frage“

21.05.2019 | Veranstaltungen

Nachwuchskräfte aufgepasst! „Traumjobs live“ bei der Friedhelm Loh Group

20.05.2019 | Veranstaltungen

MS Wissenschaft startet Deutschlandtour mit Fraunhofer-KI an Bord

17.05.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Energieversorgung in der Antarktis: Ist solarer Wasserstoff eine Alternative zu Erdöl?

22.05.2019 | Energie und Elektrotechnik

Impfen über die Haut – Gezielter Wirkstofftransport mit Hilfe von Nanopartikeln

22.05.2019 | Biowissenschaften Chemie

Neues Messinstrument: Kohlenstoffdioxid als Geothermometer

21.05.2019 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics