Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher entwickeln neue Roboter-Generation

06.01.2016

Prof. Martin-Christoph Wanner: Die richtige Innovation ist es, das zu erfinden, was der Kunde braucht

Ein Großroboter erledigt jetzt als erstes Funktionsmuster in der Mecklenburger Metallguss GmbH passgenau die Arbeiten an Schiffspropellern, die bislang per Hand aufwendig bearbeitet werden mussten. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Forschung des Rostocker FRAUNHOFER Anwendungszentrums (Fh) und dem Warener Unternehmen.


Einsatz des Großroboters beim Setzen von Markierungsbohrungen an Schiffspropellern bei der MMG mbH in Waren an der Müritz


Prof. Dr. Martin-Christoph Wanner (links) vom Lehrstuhl Fertigungstechnik und Prof. Dr. Knuth-Michael Henkel vom Lehrstuhl Fügetechnik vor dem Großroboter im Technikum des Fraunhofer AGP

Ein Propeller hat bis zu 1000 Bohrungen. Manuell braucht das Anbohren auf das Sollmaß zwölf Stunden. Der Roboter schafft es in weniger als der Hälfte der Zeit. Doch das ist erst ein entscheidender Zwischenschritt. Das Ziel der Forscher ist die Entwicklung einer neuen Roboter-Generation.

Ursprünglich tüftelten die Wissenschaftler von Fh, die eng mit der Uni Rostock zusammen arbeiten, in einem Verbundprojekt mit der Rostocker Ingenieur-und Maschinenbau GmbH an einem neuen Verfahren zur Montage von „Power Packs“ in der Fahrzeugindustrie. Es entstand im ersten Schritt ein Großroboter mit einer Reichweite von sechs Metern und einer Traglast von vier Tonnen, der am laufenden Band genutzt werden kann.

Diese Entwicklung beeindruckte den Warener Geschäftsführer Manfred Urban. Denn: Die Spezialisten von Mecklenburger Metallguss suchen immer wieder nach neuen Technologien für die Produktion von großen Schiffsschrauben. Urban fand in dem Leiter des Fh Anwendungszentrums, Prof. Martin-Christoph Wanner, einen sehr interessieren Partner. Seine Devise: „Viele Problemstellungen sind so komplex, dass mehrere Partner die Lösung entwickeln müssen“.

Prof. Wanner, akribischer Forscher mit praktischer Industrie-Erfahrung und zwei Diplomen in der Tasche, witterte sofort, dass der Roboter sich auf eine neue Stufe für die Metallguss-Spezialisten weiter entwickeln lässt.

„Der Zufall spielt manchmal für die Innovation neuer Geräte eine Rolle“, sagt Prof. Wanner. Dabei verliert er nie aus dem Auge, stets nach praxistauglichen Lösungen zu streben. „Ausdenken könnte ich mir vieles. Eine Innovation muss aber demjenigen Nutzen bringen, der ein innovatives Produkt braucht“, ist die Maxime des Forschers. Im konkreten Fall war die hohe Präzision auf Millimeter Genauigkeit die Herausforderung.

Die Lösung: Mit Hilfe eines Lasertrackers, das sind extrem genaue Koordinatenmessgeräte (KMG), mit deren Hilfe der Benutzer Produkte messen, Prozesse optimieren und Lösungen liefern kann, wurde beim Großroboter eine Positioniergenauigkeit erreicht, die mit dem bisherigen Stand der Technik nicht möglich war. Zusätzlich hatten die Forscher von Fh ein Offlineprogrammiersystem entwickelt, dass es den Arbeitern ermöglicht, den Großroboter zu programmieren.

Diese Leistung beeindruckt den Leiter der Entwicklungsabteilung von Metallguss Waren, Dr. Lars Greitsch: „Der Einsatz des Roboters erlaubt es, die zu fertigende Oberfläche der Propeller deutlich genauer zu erfassen, ohne die Fertigungszeiten zu verlängern.

Da man bei der Herstellung von Schiffspropellern oft Kleinserien bedienen muss, stehen bei der Bedienung des Roboters vor allem die Arbeitsabläufe im Vordergrund. Hier muss der Wechsel auf eine neue Geometrie rasch und störungsfrei erfolgen. Neuprogrammierung und Neujustierung des Roboters müssen nahezu automatisch erfolgen. Diese Anpassungen sind im Rahmen des Projekts durch die Fh AGP durchgeführt worden“.

Der Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Harry Glawe sagt: „Das FRAUNHOFER-institut bietet gute Chancen, den Strukturwandel in der maritimen Industrie und bei den Zulieferern weiter voranzutreiben.“ Als Kompetenzzentrum für die Unternehmen des Maschinenbaus öffnet Fh die Türen für neue Märkte. Das zeige auch das aktuelle Forschungsvorhaben mit Metallguss Waren.

„Wir werden die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft auch künftig weiter unterstützen“, versichert der Minister.

Die Wissenschaft tendiere gelegentlich dazu, nach tollen technischen Lösungen zu suchen. Dabei werde manchmal vergessen, dass es Menschen gibt, die sagen, das brauche ich nicht, weil es zu kompliziert ist. „Die richtige Innovation ist es, das zu erfinden, was der Kunde braucht“. So, wie aktuell für die Warener Metallgießer.

Martin-Christoph Wanner beschäftigt sich seit 25 Jahren mit der Weiterentwicklung von Robotersystemen, da kam ihm das Interesse der Warener Metallgießer gerade zu pass. Fortsetzung in der Forschung folgt.Text: Wolfgang Thiel

Kontakt:
Fraunhofer Anwendungszentrum
Großstrukturen in der Produktionstechnik
Prof. Dr.-Ing. Martin-Christoph Wanner
Tel.: 0381 / 49682 - 10
Fax: 0381 / 49682 - 12
http://www.hro.ipa.fraunhofer.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Mehr Funktionalitäten: Mikrostrukturierung großer Flächen mit UV-Lasersystem
05.07.2018 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Neue Fräskinematik – individuell und hochpräzise fertigen
02.07.2018 | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics