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Barcode oder RFID – die Datenmenge macht den Unterschied

09.05.2008
Im Bereich der Waren- und Produkt-, aber auch Prozesskennzeichnung ist RFID konsequent auf dem Vormarsch. Dennoch werden auch künftig graphische Kennzeichnungsverfahren wie Bar- oder 2D-Code ihren Stellenwert behalten.

Die Kennzeichnung von Produkten und Teilen ist heute in praktisch allen Industriebereichen ein unverzichtbarer Bestandteil von Produktions- und Logistikprozessen. Insbesondere die RFID-Technik stand in der jüngeren Vergangenheit sehr stark in der Diskussion um fortschrittliche Kennzeichnungsmethoden.

„Vor allem in den Bereichen Produktionssteuerung, Lager und Logistik bietet die RFID-Technik einen erheblichen Zusatznutzen“, erläutert Klaus Dargahi, Geschäftsführer der Smart-Tec GmbH & Co. KG in Oberhaching, „Die monetäre Bewertung dieses Zusatznutzens, wenn zum Beispiel Prozesse beschleunigt, sicherer und kostengünstiger werden, ist notwendig, um abzuschätzen, ob und wann sich die Investition in RFID amortisiert.“

Argumente, die immer wieder für RFID benutzt werden, sind unter anderem die Lesbarkeit ohne Sichtkontakt zwischen Transponder und Lesegerät oder die Möglichkeit, zumindest bei aktiven Systemen jederzeit die Daten auf dem Chip zu ändern, zu löschen oder zu ergänzen. Besonders faszinierend scheint zudem in komplexen Materialflüssen die Möglichkeit, mehrere RFID-Datenträger im Pulk, das heißt gleichzeitig in einem Arbeitsschritt, auszulesen und zu beschreiben.

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Allerdings zeigt die Praxis, dass gerade beim Lesen und Schreiben in Pulk-Anwendungen noch eine sehr hohe Fehlerrate auftritt. Außerdem ist RFID im Vergleich zu grafischen Codes teuer und nicht für alle Umgebungsbedingungen gleichermaßen geeignet.

RFID bei Metall und Wasser nur beschränkt anwendbar

Obwohl Transponder inzwischen in unterschiedlichsten Bauformen und aus unterschiedlichsten Materialien angeboten werden und damit die Zahl der für RFID-Einsätze ungeeigneten Anwendungen ständig schrumpft, gibt es nach wie vor Einschränkungen bei Metall und Wasser. Und schließlich sind die RFID-Techniken normalerweise technisch deutlich komplexer als Barcode-Verfahren, was wiederum ein fundiertes Know-how beim Anwender notwendig macht.

Bei allen Einschränkungen jedoch gilt RFID gemeinhin als Auto-ID-Technik der Zukunft. Die Aussichten und Möglichkeiten dieser funkbasierten Kennzeichnungs- und Datenübertragungsart scheinen grenzenlos und drücken daher alternative und schon klassische Methoden der Kennzeichnung in den Hintergrund.

Zu Unrecht, denn bei allen Vorteilen, die RFID bietet, finden sich in der Industrie und in der Logistik Anwendungen zuhauf, bei denen die grafische Produktkennzeichnung zweifellos ihre Vorteile hat oder zumindest zu erheblich geringeren Kosten und mit viel weniger Aufwand zu den gleichen Ergebnissen führt. „Die Elektronikbranche ist heute auf Data Matrix fokussiert“, nennt Bernhard Lenk, Business Development Manager Central Europe bei Datalogic, ein Beispiel, „während Paketdienste und Flughäfen nach wie vor den bewährten Barcode einsetzen, wie auch der Handel.“

2D-Codes kostengünstig für viele Daten auf kleiner Fläche

Kurzum, überall dort, wo kostengünstig auf kleinster Fläche viele unveränderbare Daten dargestellt werden sollen, empfehlen sich 2D-Codes wie Data-Matrix oder PDF 417. Sie basieren auf einer standardisierten – wenngleich im Falle von 2D-Kennzeichnung aufgrund aufwändiger Bilderfassungssysteme nicht ganz billigen – Technik, die weit verbreitet und einfach zu beschaffen ist. Durch deren große Marktdurchdringung besteht zudem eine hohe Angebots- und Preistransparenz.

Dagegen bemängeln Kritiker gerne, dass die Erstleserate oft relativ schlecht ausfällt, wenn zum Beispiel die Codes verschmutzt oder beschädigt sind, und diese Kennzeichnungsart daher in schmutzigem Umfeld und im Außenbereich als nur bedingt einsetzbar gilt. Andererseits haben 2D-Codes den Vorteil, dass die auf ihnen gespeicherten Daten selbst bei teilweiser Zerstörung des Etiketts weitgehend rekonstruiert werden können.

Lässt sich weder an dieser noch an anderer Stelle ein klares Votum für die grafische oder die RFID-Kennzeichnung treffen, führt Helmut Schneider, der geschäftsführende Gesellschafter von Schneider-Kennzeichnung, ein Argument an, das zumindest für Unternehmen interessant ist, die vor einer Umstellung ihrer Ident-Verfahren stehen: „Der technische Mehraufwand für den Druck und das Lesen von Stapel- und Matrixcodes ist im Vergleich zum Barcode gering, der für das Schreiben und Lesen von Transpondern ist im Vergleich zu Stapel- und Matrixcodes dagegen sehr hoch.“

Nach dem RFID-Hype zurück auf den Boden der Tatsachen

Jörg Aßmann, Field Marketing Manager bei Intermec, bringt den derzeitigen Stand der Diskussion zum Ausdruck: „Nach dem RFID-Hype sind viele Firmen zurück auf dem Boden der Tatsachen. Jetzt wird dieser Technik realistischer begegnet.“ Was heißt, dass inzwischen auch wieder über andere Kennzeichnungstechniken nachgedacht wird.

Einen gewissen Trend hat in diesem Zusammenhang auch Christoph Gebauer ausgemacht: „Codes werden bei einfachen logistischen Aufgabenstellungen wieder favorisiert, wobei dem Code die Kerndaten meist EDV-technisch im Hintergrund zugeordnet werden.“ Beispiele dafür sind die Warencodes im Supermarkt, im Lagerwesen oder bei der Formularerfassung in SAP.

„Die richtige Wahl des zu verwendenden Codes sollte immer von erfahrenen Fachleuten festgelegt werden“, mahnt Helmut Schneider mit Nachdruck. „Eine falsche Entscheidung kann zu enormen Folgekosten führen. Dies gilt insbesondere für RFID-Anwendungen, da hierbei nicht nur die richtige Wahl der einzusetzenden Frequenz, sondern eine Vielzahl weiterer Details berücksichtigt werden muss.“

Dies ergänzt Christoph Gebauer, Senior Projekt Manager ID-Solutions bei Schreiner Logi-Data: „Eine wohldurchdachte Zusammenstellung der Hardware sowie eine Funktionsanalyse während der Projektierung sind grundsätzlich erforderlich.“

Volker Unruh | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/themenkanaele/mmlogistik/managementundit/autoid/articles/120915/

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