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Internetmüll, Spams und Werbeanrufe - wer schützt vor digitaler Belästigung?

19.05.2010
E-Mail-Fächer, die überlaufen, unliebsame Werbeanrufe oder die Gefahr, dass Gesprächsinhalte beim Telefonieren nicht geheim bleiben – das Internet bietet etliche Fallstricke.

Gegen diesen „digitalen Müll“ werden in einem Forschungsprojekt an der Hochschule Pforzheim Schutzmechanismen entwickelt. Mit Hilfe der im Projekt SECURITAS erarbeiteten Programme kann die Sicherheit bei der Internettelefonie deutlich gesteigert, der E-Mail-Verkehr von überflüssigen Spams befreit und Werbeanrufe rausgefiltert werden.

„Ein kleines kostenfreies Computerprogramm reicht, um die Telefonleitungen eines Unternehmens stillzulegen“, konkretisiert Frank Niemann die Gefahr aus dem weltweiten Netz. Der Professor im Pforzheimer Studiengang Elektro- und Informationstechnik forscht zusammen mit seinen Mitarbeitern seit knapp zwei Jahren an wirksamen Schutzmaßnahmen. Über ein kleines Fenster im PC lassen sich alle Telefonnummern eines Unternehmens ansteuern und – wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen worden sind – die Telefone über Stunden lahmlegen.

„Die Internettelefonie (Voice over IP/ VoIP) macht diese Angriffe erst möglich.“ Im September 2009 klingelten beispielsweise nachts bei VoIP-Nutzern die Telefone im Stundentakt. Vermutlicher Sinn der Attacke: kostenpflichtige Rückanrufe zu provozieren. „Noch treten diese Spam via Internet-Telefonie (SPIT) nur vereinzelt auf, doch mit Zunahme der VoIP-Nutzer wird es vermutlich einen ähnlichen Anstieg geben, wie bei den Spam E-Mails“, befürchtet Dr. Niemann. Das Team erarbeitete einen mehrstufigen lernenden Filter, der diese Anrufe wirksam in Schach hält.

Über das hauptsächlich vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierte Projekt haben die fünf Mitarbeiter ein umfangreiches Sicherheitsprogramm entwickelt. Ausgangspunkt der Arbeit war die Intention, die Sicherheit bei der Internettelefonie für mittelständige Unternehmen zu erhöhen. Telefone und Computer „hängen“ bei VoIP an einer Leitung. Sind die Geräte alle von einem Hersteller greife in der Regel die Sicherheitssoftware. „Kompliziert wird es bei mehreren Herstellern“, kommentiert der Pforzheimer Professor. Paralleles Mithören, die Kontrolle der Verbindungsdaten oder Mitschnitte können möglich werden. In enger Kooperation mit dem Hochschulinformationszentrum wurden die Übermittlungsmöglichkeiten kontrolliert und ein Best-Practice-Beispiel für mittelständische Unternehmen erarbeitet, das diese Gefahren minimiert. In den kommenden Monaten soll zusätzlich noch eine Art „Frühwarnsystem“ aufgebaut werden, das meldet, wenn die Sicherheitseinstellungen nicht mehr korrekt sind.

Parallel zu dem ersten Forschungsansatz arbeitete die Gruppe mit der Pforzheimer Drachenfels GmbH an einem wirksamen Schutz vor Werbemails. Weit über 85 Prozent des täglichen Mailverkehrs ist Werbung. „Diese Mails blockieren Serverkapazitäten, kosten Geld und Arbeitszeit“, erklärt Frank Niemann. Mit Hilfe einer mehrstufigen Prüfung, die von dem Team in enger Zusammenarbeit mit dem Projektpartner Drachenfels ausgearbeitet wurde, ist ein wirksamer Schutz vor diesem „digitalen Müll“ möglich. Ein großer deutscher Internetpovider nutzt inzwischen diesen neu entwickelten Spamschutz.

Das Forschungsprojekt an der Pforzheimer Hochschule, das noch bis Mai 2011 läuft, erarbeitete umfangreiche Sicherheitssoftware, die sowohl im Bereich Internettelefonie als auch beim Spam- und Spitter-Schutz wirksame Fortschritte aufweist. „Die Akzeptanz unserer Arbeit ist groß“, so Professor Niemann. Eingebunden in das erfolgreiche Team wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche studentische Projekt- und Abschlussarbeiten. „Wir fördern mit Hilfe des Projektes den Ingenieursnachwuchs“. Insgesamt wurden knapp 40 Arbeiten im Rahmen von SECURITAS vom wissenschaftlichen Nachwuchs verfasst.

Sabine Laartz | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-pforzheim.de

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