Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gipfel ohne Nutzen?

04.06.2013
Kommunikationswissenschaftler der Universität Mannheim untersuchen, wie sich Klimagipfel auf die Klimadebatten in Deutschland, den USA, Brasilien, Indien und Südafrika auswirken

Im Jahr 2015 soll ein neuer globaler Klimavertrag abgeschlossen werden, der das so genannte Kyoto-Protokoll ablöst. Die Zeit drängt: Klimaforscher warnen davor, dass es nur noch ein Zeitfenster von wenigen Jahren gibt, in denen wir den CO2-Ausstoß so reduzieren können, dass die Erderwärmung halbwegs erträglich bleibt.

Trotzdem scheinen die globale Erderwärmung und ihre Folgen in der Wahrnehmung an Brisanz und Dramatik verloren zu haben. Davon zeugt die alljährlich stattfindende UN-Klimakonferenz, die weltweit nicht mehr so viel mediale Beachtung findet wie noch vor einigen Jahren.

Kommunikationswissenschaftler der Universität Mannheim erforschen in einer neuen Studie, inwieweit die UN-Klimagipfel noch dazu beitragen können, dass eine globale Debatte über das Thema geführt wird. Das internationale Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Auf dem vergangenen UN-Klimagipfel in Doha haben der Mannheimer Kommunikationswissenschaftler Professor Hartmut Wessler und sein Team über 30 längere Interviews mit hochrangigen PR-Profis, Journalisten und Vertretern von Nichtregierungsorganisationen geführt. „In einem Teil der Studie wollen wir herausfinden, welche Argumente die jeweiligen Parteien ins Feld führen, welche Geschichten die Journalisten über den Klimawandel erzählen und wie diese bebildert werden“, sagt Professor Wessler. Sein Ziel ist es außerdem, Erkenntnisse über die Entstehung grenzüberschreitender Debatten zu sammeln. „Der Klimawandel ist ein globales Problem, das potenziell verheerende Folgen hat. Aber weil es ein langer Prozess ist und die Prognosen der Wissenschaftler ungenau sind, lässt sich die Problemwahrnehmung schwer kommunikativ aufrechterhalten. Wichtige Umweltverbände denken deshalb bereits über Alternativen jenseits der Konzentration auf die Klimagipfel nach“, erklärt Professor Wessler.

Ermüdungseffekte seien bei öffentlichen Debatten normal, so auch bei der Klimadebatte. Seit Mitte der 90er Jahre hätte die Klimaberichterstattung weltweit und kontinuierlich zugenommen – bis 2009. Danach sei das Interesse zurückgegangen. Kurze Ausschläge, in denen der Klimawandel in den Medien eine Rolle spielt, gebe es vor allem einmal pro Jahr zur UN-Klimakonferenz Ende November. „Wir wollen herausfinden, ob das folgenlose Ausschläge sind oder ob sich über die Zeit ein Effekt kumuliert, der dazu führt, dass der Klimawandel als globales Problem wahrgenommen wird und eine globale Wir-Gemeinschaft entsteht, die dieses Problem lösen will“, erklärt Professor Wessler.

Belastbare Ergebnisse wird es Mitte 2014 geben, doch einige Tendenzen lassen sich aus der Studie bereits jetzt erkennen:

1. Die Klimadebatten in den untersuchten Ländern sind sehr unterschiedlich
So herrscht in Indien die Meinung vor, dass zunächst die Industrieländer am Zug sind, ihren CO2-Ausstoß zu verringern. Schließlich hätten sie schon seit Beginn der Industrialisierung kräftig zum Klimawandel beigetragen. Deutschland ist offen für dieses Argument der Schwellenländer und sieht sich sogar als Vorreiter im globalen Kampf gegen den Klimawandel. In den USA wird hingegen stärker als anderswo eine Debatte darüber geführt, ob der Klimawandel überhaupt menschengemacht ist – vor allem von republikanischer Seite.
2. Der Beachtungsgrad des Gipfels unterscheidet sich stark von Land zu Land
Den Untersuchungen der Mannheimer Kommunikationswissenschaftler zufolge waren rund zwölf verschiedene Medien aus Deutschland vor Ort beim Klimagipfel in Doha, darunter auch ein Fernsehteam von RTL, während andere Länder nur einen einzigen freien Reporter zum Gipfel schickten. „Es ist interessant, dass der Gipfel in Deutschland sogar Beachtung bis in die populäreren Medien hinein erlangt“, sagt Professor Wessler. „Das hat etwas mit Ressourcen zu tun, aber auch mit dem Stellenwert des Gipfels in den jeweiligen Ländern.“
3. Die Klimadebatte ist zumindest teilweise global vernetzt
Das zeige sich daran, dass zum Beispiel in der Tagesschau nicht nur über die Position des deutschen Umweltministers bei dem Gipfel berichtet wird, sondern auch Stimmen anderer Länder zu Wort kommen. Zudem nennen die meisten der interviewten Teilnehmer bei dem Gipfel bestimmte Medien als wichtige Informationsquellen, in denen das Thema von vorneherein an ein internationales Publikum kommuniziert wird, wie zum Beispiel CNN International, BBC World oder die britische Tageszeitung The Guardian, die als Vorreiter beim Klimathema gilt.

Auch beim nächsten Klimagipfel in Warschau werden Professor Wessler und sein Team wieder als Beobachter dabei sein. Dann wollen sie noch stärker die Nutzung sozialer Medien wie Twitter und Facebook in ihre Untersuchungen miteinbeziehen.

Kontakt:
Prof. Dr. Hartmut Wessler
Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft
Universität Mannheim
Haus Oberrhein, Rheinvorlandstr. 5
68131 Mannheim
Telefon: 0621 / 181-2300
E-Mail: wessler@uni-mannheim.de

Katja Bär | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mannheim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Design Thinking für Nachhaltigkeitsinnovationen – Toolbox zum Einsatz in Unternehmen jetzt online
15.06.2018 | Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft

nachricht Messewand PIXLIP GO LED
13.06.2018 | NORD DISPLAY GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics