Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bessere Dialoge mit digitalen Gesprächspartnern durch automatisierte Tests

10.09.2013
Sprachanwendungen wie beim Telefon-Banking als Methode des „Customer Care“ nehmen zu.

Um einen möglichst perfekt kommunizierenden Computer zu programmieren, braucht es jedoch viele Software-Tests. Und dafür müssen die Entwickler selbst zum Hörer greifen – nachdem sie bereits viel Zeit ins Schreiben der Software gesteckt haben. Forscher der TU haben nun ein Werkzeug entwickelt, mit dem solche Tests automatisiert schon während des Schreibens der Software möglich werden.

Mit einem Computer zu sprechen, ist nicht immer einfach: „Ich möchte 250 Euro anzahlen.“ „Wie möchten Sie bezahlen?“ „Mit meiner Mastercard.“ „Lassen Sie mich das kurz zusammenfassen: Sie möchten 315 Euro mit der Mastercard zahlen. Ist das richtig?“ „Nein.“ „Was habe ich nicht richtig verstanden?“ „Den Betrag.“ „Entschuldigung.“

Das neue Darmstädter Werkzeug mit dem kryptischen Namen „JVoiceXMLUnit“ kann solche Gesprächssenken verhindern helfen. „Die Alltagserfahrungen vieler Bürger mit Telefonieanwendungen sind eher mäßíg: selten trifft man auf wirklich überzeugende ,digitale‘ Gesprächspartner“, erklärt Prof. Max Mühlhäuser, an dessen Fachgebiet Telekooperation das Testwerkzeug entstanden ist. „Der Boom mobiler Internetnutzung macht dieses Problem hochbrisant, weil man beim Gehen oder Auto fahren eigentlich liebend gerne sprachbasiert kommunizieren möchte.“

Testen per Knopfdruck

Das „klassische Vorgehen“ bei der Entwicklung moderner Sprachanwendungen – das Testen nach der Entwicklung – ist laut Dr. Dirk Schnelle-Walka von der Arbeitsgruppe, in der das Werkzeug entstand, nicht mehr zeitgemäß. „Werden Fehler zu spät entdeckt, verursachen sie meist enorme Kosten. Mit unserem Tool können sie wesentlich schneller entdeckt und herausgefiltert werden – damit vermeiden wir außerdem unabsichtlich eingebaute Seiteneffekte, also Fehler, die entstehen, weil man an einer anderen fehlerhaften Stelle etwas verändert hat.“

Noch vor der Entwicklung der Software für eine spezifische Anwendung werden Testfälle, mit denen ein Dialog auf seine Funktionstüchtigkeit geprüft wird, mit dem jeweiligen Kunden durchgesprochen. Hierfür werden Dialogdurchläufe aufgezeichnet, aus denen dann Testfälle generiert werden. „Die Tests werden in die Entwicklungsarbeiten eingebunden und der Testablauf auf diese Weise systematisiert“, berichtet Schnelle-Walka. „Die Software wird also schon während des Programmierens vollautomatisch und regelmäßig nach Programmierfehlern untersucht, die Verständigungsprobleme verursachen könnten. Für Sprachanwendungen kann damit zum ersten Mal eine testgetriebene Softwareentwicklung umgesetzt werden.“

Kunden für diesen „Test-First-Ansatz“ sind Banken oder auch Reiseveranstalter, die Reservierungssysteme anbieten – jedermann, der für Telefone konzipierte Anwendungen benötigt.

Zwar gibt es bereits vereinzelt solche Testwerkzeuge, doch eignen sich bisherige Lösungen laut Schnelle-Walka nur für sehr spezifische Anwendungen oder Software. VoiceXML dagegen, die standardisierte Computersprache auf der das Darmstädter Modell basiert, ist eine Beschreibungssprache, die sprachliche Interaktionen unterstützt. Für Sprachanwendungen ist sie noch immer die vorherrschende Sprache – vergleichbar etwa mit HTML, eine Computersprache, die zum Aufbau von grafischen Oberflächen im World Wide Web genutzt wird. Das wiederum bringt mit sich, dass es keines hohen Aufwandes bedarf, das Testwerkzeug in aktuell existierende Softwaresysteme zu integrieren. Mit Blick in die Zukunft könnte sich JVoiceXMLUnit später auch für weiterführende Telefonie-Anwendungen eignen, z.B. durch Kopplung von sprachbasierten mit web- oder stiftbasierten Ein- und Ausgabeformen. Um die Entwicklung in diese Richtung voranzutreiben, wurde JVoiceXMLUnit als Open-Source-Software konzipiert, ist also für jedermann öffentlich und kostenlos nutzbar – und optimierbar.

Ansprechpartner:
Prof Max Mühlhäuser, Tel. 06151/16-3709,
Mail: max@informatik.tu-darmstadt.de
Dr. Dirk Schnelle-Walka, Tel. 06151/16-64231,
Mail: dirk@tk.informatik.tu-darmstadt.de

Jörg Feuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-darmstadt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Design Thinking für Nachhaltigkeitsinnovationen – Toolbox zum Einsatz in Unternehmen jetzt online
15.06.2018 | Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft

nachricht Messewand PIXLIP GO LED
13.06.2018 | NORD DISPLAY GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wendelstein 7-X erreicht Weltrekord

Stellarator-Rekord für Fusionsprodukt / Erste Bestätigung für Optimierung

Höhere Temperaturen und Dichten des Plasmas, längere Pulse und den weltweiten Stellarator-Rekord für das Fusionsprodukt hat Wendelstein 7-X in der...

Im Focus: Schnell und innovativ: Jülicher Superrechner ist eine Neuentwicklung aus Europa

Bei der Entwicklung innovativer Superrechner-Architekturen ist Europa dabei, die Führung zu übernehmen. Leuchtendes Beispiel hierfür ist der neue Höchstleistungsrechner, der in diesen Tagen am Jülicher Supercomputing Centre (JSC) an den Start geht. JUWELS ist ein Meilenstein hin zu einer neuen Generation von hochflexiblen modularen Supercomputern, die auf ein erweitertes Aufgabenspektrum abzielen – von Big-Data-Anwendungen bis hin zu rechenaufwändigen Simulationen. Allein mit seinem ersten Modul qualifizierte er sich als Nummer 1 der deutschen Rechner für die TOP500-Liste der schnellsten Computer der Welt, die heute erschienen ist.

Das System wird im Rahmen des von Bund und Sitzländern getragenen Gauß Centre for Supercomputing finanziert und eingesetzt.

Im Focus: Superconducting vortices quantize ordinary metal

Russian researchers together with their French colleagues discovered that a genuine feature of superconductors -- quantum Abrikosov vortices of supercurrent -- can also exist in an ordinary nonsuperconducting metal put into contact with a superconductor. The observation of these vortices provides direct evidence of induced quantum coherence. The pioneering experimental observation was supported by a first-ever numerical model that describes the induced vortices in finer detail.

These fundamental results, published in the journal Nature Communications, enable a better understanding and description of the processes occurring at the...

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Neueste Entwicklungen in Forschung und Technik

25.06.2018 | Veranstaltungen

Wheat Initiative holt Weizenforscher aus aller Welt an einen Tisch

25.06.2018 | Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wendelstein 7-X erreicht Weltrekord

25.06.2018 | Physik Astronomie

Schnell und innovativ: Jülicher Superrechner ist eine Neuentwicklung aus Europa

25.06.2018 | Informationstechnologie

Leuchtfeuer in der Produktion

25.06.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics