Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RUB-Forscher untersuchen Adgames: Werbebotschaften im sympathischen Umfeld

13.05.2002


  • Das trojanische Pferd
  • Bochumer Kommunikationsforscher untersuchen "Adgames"
  • Werbebotschaften im sympathischen Umfeld

Ein neues Massenmedium schafft den Spagat zwischen der weitläufig akzeptierten Printwerbung und den eher ungeliebten TV-Spots: so genannte "Adgames", die sich jeder kostenlos aus dem Internet herunterladen kann. Sie transportieren Werbebotschaften und Brandings (Markennamen) zu den Kunden, ohne dass diese sich belästigt fühlen. Das Bochumer Institut für angewandte Kommunikationsforschung (BIFAK) hat die Nutzung, Akzeptanz und Verbreitung von Werbespielen untersucht, 9.745 Nutzer wurden online befragt. Das zentrale Ergebnis der Studie: Die Konsumenten glauben, sie könnten die Werbebotschaften ignorieren. De facto erinnern sich jedoch bis zu 82 Prozent der Befragten an die Namen der Werbepartner dieser Spiele und verinnerlichen die Brandings.

Neue kommunikative Wege

Generell zeigen die User solcher Spiele eine hohe Bereitschaft, im Internet nach zusätzlichen Informationen zum Spiel und neuen Levels zu suchen. Damit ergeben sich auch neue kommunikative Wege für Werbepartner: Sie können in diesem Umfeld längerfristig Kontakte zu ihren Zielgruppen knüpfen - z. B. dort, wo Highscores veröffentlicht werden, Hersteller etappenweise Tipps verraten oder zusätzliche Levels zur Verfügung stellen. Aus Sicht der Spiele-Industrie sei dieser Wachstumsmarkt noch nicht vollständig erschlossen, so die Bochumer Forscher um Prof. Dr. Franz R. Stuke (Sektion für Publizistik und Kommunikation der RUB) und Peter Kruck, M. A. (BIFAK).

"Moorhuhn" am Arbeitsplatz

Teil 2 des beliebten Moorhuhns löste nicht nur eine Dauerüberlastung der Server von Phenomedia (Bochum) und Bild.de, dem "Download-Werbepartner" des Spiels, aus - Moorhuhn 2 hatte auch die berühmt-berüchtigte "Chef-Taste". Tatsächlich fanden die Bochumer Kommunikationsforscher heraus, dass Adgames am Arbeitsplatz sehr beliebt sind. 42 Prozent der Befragten, die an einem PC arbeiten, haben ein Adgame installiert.

Nutzung in allen Altersgruppen

Weitere Eckdaten der Adgames-Nutzer sind der aktuellen Studie zufolge: Sie spielen Adgames auch mit zunehmendem Alter, während bei allen anderen elektronischen Spielformen die Frequenz der Nutzung deutlich abnimmt, je höher das Alter der Befragten ist. Und bei den Adgames nimmt die Frequenz mit steigendem Bildungsgrad sogar geringfügig zu. Durchschnittlich spielen zusätzlich zu einem Befragten 1,3 Personen im Haushalt des Befragten Adgames. Über die eigenen Haushaltsgrenzen hinaus wirken mehr als die Hälfte der Befragten als Multiplikatoren, indem sie ein Spiel an andere Personen weitergeben - Männer übrigens häufiger als Frauen. Dabei wählen 22 Prozent die aufwändige Variante, Spiele als so genannte Hardcopy weiterzureichen (auf Diskette oder CD).

Adgames schließen zu den Klassikern auf

Die Adgames überholen die Kaufspiele bei der Nutzungsintensität - zumindest bei den Befragten der Studie. Die Ergebnisse zeigen, dass es die Adgames mit den weitaus aufwändigeren Spielformen in punkto Beliebtheit durchaus aufnehmen können. Ähnliches ergibt sich für den "Sympathie-Faktor" der Spiele: Sie schließen zu den klassischen Werbeträgern auf und schaffen den Sprung zwischen die Werbeformen Print- und TV-Werbung. .

Das "populäre Duo"

Werbung in Zeitungen und Zeitschriften sowie Adgames stellen demnach ein "populäres Duo" dar, so die Forscher: Sie sind am wenigsten störend, wecken am meisten Sympathie, erlangen die höchsten Akzeptanzwerte und werden von den Befragten am häufigsten als adäquate Werbeform für Großunternehmen empfohlen. Der Clou der Adgames ist, dass die Nutzer im Gegensatz zur Printwerbung die Werbebotschaften kaum bewusst wahrnehmen, sich aber im nachhinein häufig an Werbepartner und Markennamen erinnern - in der Spitze bis zu 82 Prozent der Befragten, insgesamt mit enorm hohen Werten bei den unterschiedlichen Moorhuhn-Versionen, die der Befragung zugrunde lagen.

Das "trojanische Pferd" ist da

Mit den Adgames wurde ein neues Massenmedium geschaffen, das die Trennung von Werbeinhalt und Medienbotschaft nicht beachten muss. Allein durch seine Existenz integriert es wie selbstverständlich "Product Placement" und Medienbotschaft - abseits jeglicher rechtlicher Einschränkungen. Negative Begleiterscheinungen der Werbung in anderen Medien - vor allem im Fernsehen - kommen beim Adagame nicht zum Tragen: Es minimiert das "Werbeleid" der Nutzer und optimiert die Wirkung des Brandingpartners, so das Ergebnis der Studie.

Bezugsquelle

Die Studie "Wirkung und Erfolgskontrolle von Werbespielen", herausgegeben von Prof. Dr. Franz R. Stuke, ist für 89 Euro erhältlich bei BIFAK - Bochumer Institut für angewandte Kommunikationsforschung (Adresse s. u.).

Weitere Informationen

Peter Kruck, M. A., BIFAK - Bochumer Institut für angewandte Kommunikationsforschung, Ruhr-Universität Bochum, GA 1/37, 44780 Bochum, Tel. 0234/325-3774, E-Mail: kruck@bifak.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.bifak.de/
http://www.bifak.de/projects/adgames.htm

Weitere Berichte zu: BIFAK Kommunikationsforschung Werbebotschaft Werbepartner

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Immer mehr Fernseh-Zuschauer nutzen einen Second Screen
17.10.2018 | Universität Regensburg

nachricht Ausgefeilte Videotechnologie lenkt von Werbung ab
16.10.2018 | Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rasende Elektronen unter Kontrolle

Die Elektronik zukünftig über Lichtwellen kontrollieren statt Spannungssignalen: Das ist das Ziel von Physikern weltweit. Der Vorteil: Elektromagnetische Wellen des Licht schwingen mit Petahertz-Frequenz. Damit könnten zukünftige Computer eine Million Mal schneller sein als die heutige Generation. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind diesem Ziel nun einen Schritt nähergekommen: Ihnen ist es gelungen, Elektronen in Graphen mit ultrakurzen Laserpulsen präzise zu steuern.

Eine Stromregelung in der Elektronik, die millionenfach schneller ist als heutzutage: Davon träumen viele. Schließlich ist die Stromregelung eine der...

Im Focus: UNH scientists help provide first-ever views of elusive energy explosion

Researchers at the University of New Hampshire have captured a difficult-to-view singular event involving "magnetic reconnection"--the process by which sparse particles and energy around Earth collide producing a quick but mighty explosion--in the Earth's magnetotail, the magnetic environment that trails behind the planet.

Magnetic reconnection has remained a bit of a mystery to scientists. They know it exists and have documented the effects that the energy explosions can...

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Kalikokrebse: Erste Fachtagung zu hochinvasiver Tierart

16.11.2018 | Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mikroplastik in Kosmetik

16.11.2018 | Studien Analysen

Neue Materialien – Wie Polymerpelze selbstorganisiert wachsen

16.11.2018 | Materialwissenschaften

Anomale Kristalle: ein Schlüssel zu atomaren Strukturen von Schmelzen im Erdinneren

16.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics