Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fernsehen leidet an Kindermangel

23.11.2005


Familienbild im deutschen TV meist unrealistisch


Eine aktuelle Studie des Adolf Grimme Instituts zeigt auf, dass elektronische Medien ein mangelhaftes Familienbild zeichnen und familienpolitische Debatten kaum in ihr Programm aufnehmen. Sowohl in fiktionalen wie in non-fiktionalen Formaten finden sich auffallend selten aktuell brisante Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Bildungsniveau der Kinder oder Erziehungskompetenz der Eltern. Während in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft weitgehend Einigkeit über die Herausforderungen der demographischen Entwicklung herrscht, fehlen im deutschen Fernsehen diese Fragen meist. "Den Schreibern fehlt es an Ideen. Es herrscht ein Mangel an Fantasie unter den Drehbuchautoren, sie sollten mehr Mut haben etwas auszuprobieren. Es gibt schließlich auch spannende Geschichten zu erzählen, die sich um eine Familie drehen", so Studienautorin Irmela Hannover gegenüber pressetext.
Das bestimmende Lebensmodell der Serien, Krimis und Fernsehfilme ist das großstädtische Singledasein. Familien mit Kindern kommen hingegen kaum vor. Insbesondere die klassische deutsche Kleinfamilie mit zwei Nachkömmlingen, die in der Realität vorherrschend ist, wird in der fiktiven Fernsehwelt im Grunde gar nicht aufgegriffen. Das Familienbild im TV wird vielmehr von weitverzweigten Großfamilien in den Serien, alleinerziehenden Multi-Tasking-Powerfrauen im Fernsehfilm und von einzelkämpferischen melancholischen Wölfen und Wölfinnen im Krimi geprägt. Die Geburtenrate in der Fernsehwelt liegt noch weitaus unter der bereits sehr niedrigen deutschen Geburtenrate von 1,3 Kindern pro Frau. In fiktionalen Formaten sind bis zu Dreiviertel aller Protagonisten kinderlos.
Besonders auffallend sei auch, dass in der deutschen Fernsehfiktion die Mittelschichstfamilie sehr dominiert und sozial niedrigere Schichten so gut wie gar nicht vorkommen, sagt Hannover im Gespräch mit pressetext. "In England ist das zum Beispiel anders. Da werden sozial untere Schichten häufig als Thema aufgegriffen. Das muss ja auch nicht immer gleich bedeuten, dass dies traurige Geschichten sind. Man kann das durchaus auch mit viel Humor verarbeiten", erklärt Hannover. Vor allem vermisst die Autorin aber familienpolitische Themen im non-fiktionalen Bereich. Kaum ein Prozent der deutschen Nachrichten und Magazine beschäftigen sich mit familienpolitischen Meldungen. "Familienpolitik ist leider immer noch so genannte "WW (Weiche Weiber)-Politik". Familie wird immer noch als Softthema behandelt und nicht richtig ernst genommen", setzt Hannover fort. Vor allem von den elektronischen Medien sei die Wichtigkeit von Familienpolitik noch nicht erkannt worden.


Besonders beim Fernsehen verhindert ein event-orientierter Politikbegriff das Aufgreifen langfristiger Themen wie Familienpolitik. Die Akteure in familienpolitischen Nachrichten sind zudem meist Privatpersonen und selten Politiker. Die Berichterstattung beschäftigt sich überwiegend mit familiären Schicksalen, Familie und Kriminalität oder Eltern-Kind-Beziehungen, Themen der demographischen Entwicklung besetzen jedoch nur einen Nischenplatz. Für die Redakteure seien solch langfristige familienpolitsche Prozesse natürlich nicht so einfach aufzunehmen, meint Hannover. Allerdings sei es an der Zeit, dass die Medienmacher Familienpolitik endlich als Hardcore-Thema erkennen.

Claudia Zettel | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.grimme-institut.de

Weitere Berichte zu: Familienbild Familienpolitik Geburtenrate Schicht

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lichtpulse bewegen Spins von Atom zu Atom

Forscher des Max-Born-Instituts für Nichtlineare Optik und Kurzpulsspektroskopie (MBI) und des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik haben durch die Kombination von Experiment und Theorie die Frage gelöst, wie Laserpulse die Magnetisierung durch ultraschnellen Elektronentransfer zwischen verschiedenen Atomen manipulieren können.

Wenige nanometerdünne Filme aus magnetischen Materialien sind ideale Testobjekte, um grundlegende Fragestellungen des Magnetismus zu untersuchen. Darüber...

Im Focus: Freiburg researcher investigate the origins of surface texture

Most natural and artificial surfaces are rough: metals and even glasses that appear smooth to the naked eye can look like jagged mountain ranges under the microscope. There is currently no uniform theory about the origin of this roughness despite it being observed on all scales, from the atomic to the tectonic. Scientists suspect that the rough surface is formed by irreversible plastic deformation that occurs in many processes of mechanical machining of components such as milling.

Prof. Dr. Lars Pastewka from the Simulation group at the Department of Microsystems Engineering at the University of Freiburg and his team have simulated such...

Im Focus: Transparente menschliche Organe ermöglichen dreidimensionale Kartierungen auf Zellebene

Erstmals gelang es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, intakte menschliche Organe durchsichtig zu machen. Mittels mikroskopischer Bildgebung konnten sie die zugrunde liegenden komplexen Strukturen der durchsichtigen Organe auf zellulärer Ebene sichtbar machen. Solche strukturellen Kartierungen von Organen bergen das Potenzial, künftig als Vorlage für 3D-Bioprinting-Technologien zum Einsatz zu kommen. Das wäre ein wichtiger Schritt, um in Zukunft künstliche Alternativen als Ersatz für benötigte Spenderorgane erzeugen zu können. Dies sind die Ergebnisse des Helmholtz Zentrums München, der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität München (TUM).

In der biomedizinischen Forschung gilt „seeing is believing“. Die Entschlüsselung der strukturellen Komplexität menschlicher Organe war schon immer eine große...

Im Focus: Skyrmions like it hot: Spin structures are controllable even at high temperatures

Investigation of the temperature dependence of the skyrmion Hall effect reveals further insights into possible new data storage devices

The joint research project of Johannes Gutenberg University Mainz (JGU) and the Massachusetts Institute of Technology (MIT) that had previously demonstrated...

Im Focus: Skyrmionen mögen es heiß – Spinstrukturen auch bei hohen Temperaturen steuerbar

Neue Spinstrukturen für zukünftige Magnetspeicher: Die Untersuchung der Temperaturabhängigkeit des Skyrmion-Hall-Effekts liefert weitere Einblicke in mögliche neue Datenspeichergeräte

Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat einen weiteren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

4. Fachtagung Fahrzeugklimatisierung am 13.-14. Mai 2020 in Stuttgart

10.02.2020 | Veranstaltungen

Alternative Antriebskonzepte, technische Innovationen und Brandschutz im Schienenfahrzeugbau

07.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Höhere Treibhausgasemissionen durch schnelles Auftauen des Permafrostes

18.02.2020 | Geowissenschaften

Supermagnete aus dem 3D-Drucker

18.02.2020 | Maschinenbau

Warum Lebewesen schrumpfen

18.02.2020 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics