Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BMBF sichert Vorlaufforschung: Digitale Multimedia-Daten endlich fälschungssicher

18.10.2000


Schon im Altertum wurden Dokumente mit

Hilfe von Wasserzeichen geschützt. Dieses Wasserzeichen in Form

einer Sonne stammt aus einem Kondolenzbrief an die Königin von

Frankreich anlässlich des Todes von Heinrich IV im Jahre

1610.


Was der interessierte Anwender schon immer

über Multimedia Wasserzeichen wissen wollte, erklärt Jana Dittmann

in ihrem Buch "Digitale Wasserzeichen. Grundlagen, Verfahren,

Anwendungsgebiete" (Springer-Verlag).


... mehr zu:
»BMBF »DRA »Kopie »Wasserzeichen »Watermark
Digitale Wasserzeichen sollen Authentizität und Unverfälschtheit von digitalen Multimediadaten verbürgen. Mangels geeigneter Bewertungsmaßstäbe werden sie jedoch oft unzweckmäßig oder gar nicht eingesetzt. Das Projekt
"H2O4M - Sicherheit in Medienströmen: Qualität digitaler Wasserzeichen" liefert ein Klassifikationsschema, das existierende Verfahren für den Anwender transparent und vergleichbar macht.

Die Musiktauschbörsen Napster, Gnutella und Freenet befinden sich seit Monaten unter heftigem Beschuss der Musikindustrie. Bertelsmann-Vorstand Andreas Schmidt scheint die Nase voll zu haben vom Gejammer über Musikpiraterie im Internet "Die Industrie muss schleunigst digitale Musik in sicheren, kopiergeschützten Formaten zur Verfügung stellen, um die Nachfrage zu befriedigen." Der Rückgriff auf eine über Jahrtausende verwendete Technik soll die aktuellen Probleme lösen. "Seit alters her helfen Wasserzeichen Herkunft und Echtheit von Dokumenten zu garantieren", erklärt Dr. Jana Dittmann Leiterin des Projekts H2O4M (Watermark for Multimedia) am Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme (IPSI) der GMD in Darmstadt.

Digitale Wasserzeichen sollen Authentizität und Unverfälschtheit von digitalen Bild-, Audio- und Videomaterialien sowie 3D-Modellen oder Kombinationen aus diesen Medien verbürgen. "Da geeignete Bewertungsmaßstäbe fehlen, verzichten sowohl Urheber als auch Soft- und Hardwarehersteller oft ganz auf den Schutz durch Wasserzeichen oder setzen beliebige, häufig für sie ungeeignete Verfahren ein", erläutert Dittmann das Problem. Zur Behebung dieses Defizits hat IPSI gemeinsam mit dem Deutschen Rundfunkarchiv (DRA Frankfurt/Berlin) das Projekt "H2O4M - Sicherheit in Medienströmen: Qualität digitaler Wasserzeichen" http://www.darmstadt.gmd.de/mobile/projects/h2o4m/index.html ins Leben gerufen.

Ein Klassifikationsschema mit definierten Qualitätsparametern soll die Verfahren für den Anwender vergleichbar und transparent machen. Je nach Anwendungsfall gewinnen oder verlieren bestimmte Parameter an Wichtigkeit. Wenn der Projektpartner, das DRA einem Kunden die Kopie eines Rundfunkbeitrages in digitaler Form zur Verfügung stellt, muss es seine Urheberrechte schützen können. Das gewährleistet das "Copyright Watermark". Um ihm hohe Robustheit gegenüber legalen Manipulationen wie Rotation oder Kompression zu verleihen und es gleichzeitig sicher gegen direkte Angriffe zu machen, muss die eingebrachte Datenmenge möglichst klein gehalten werden. Sollte es einem Kunden dennoch gelungen sein, das Wasserzeichen aus seinen Kopien zu entfernen, kann er mit Hilfe des digitalen Fingerabdrucks des "Fingerprint Watermark" ermittelt werden.

Stapel von Archivmaterial, von denen niemand mehr weiß, wo es herkam, könnten bald der Vergangenheit angehören. Mit einem "Annotation Watermark" können solche Produktinformationen nicht wahrnehmbar und ohne Qualitätsverlust direkt in das Datenmaterial eingebracht werden. Zum Nachweis der Integrität werden zerbrechliche Wasserzeichen von Dittmann jetzt mit robusten kombiniert. Sie sollen inhaltsneutrale Operationen wie Kompression oder Skalierung zulassen und nur bei inhaltsverändernden Manipulationen wie Hinzufügen oder Entfernen von Elementen brechen.

Bertelsmann-Vorstand Schmidt geht davon aus, dass Musikliebhaber einen gut gepflegten legalen Umschlagplatz einer schlechten kostenlosen Tauschbörse in jedem Fall vorziehen würden. Existierende kommerzielle Produkte im Bereich der Audiowasserzeichen sind jedoch nicht öffentlich und konnten nicht getestet werden. Die Markierung von kombinierten Daten aus Video und Audio ist bisher überhaupt nicht erforscht. Mit ihrer Hilfe könnte sich aber beispielsweise vor Gericht nachweisen lassen, dass bei einem Überwachungsvideo der Stereoton ausgetauscht wurde. Im Rahmen des auf drei Jahre ausgelegten Projekts sollen hier erste Verfahren entwickelt werden.

In einem Feldversuch werden Wasserzeicheneditoren erstmals direkt in Multimedia-Applikationen integriert. Die Tecmath AG (Kaiserslautern) stellt dazu ein Content Management System zur Verfügung, mit dem multimediale Daten wie die des Projektpartners DRA verwaltet werden. Ausgehende Kopien von Bildern oder Videomaterial werden automatisch mit einer Markierung versehen.

Ziel des Projekts ist es, die vorhandene Technik großflächig nutzbar zu machen. "Wesentliche Ergebnisse von H2O4M werden deshalb in die StirMark Benchmark Suite einfließen", erklärt Jana Dittmann. Jeder Anwender kann Wasserzeichen bei diesem ersten öffentlichen automatisierten Evaluierungsservice einsenden und wird anschließend per Mail über die Testergebnisse informiert.

Wichtig ist dem Leiter des Instituts Professor Dr. Ralf Steinmetz die Förderung des Vorhabens durch das Bundesforschungsministerium (BMBF): "Hier handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes um Grundlagenforschung: Es gibt noch so viele offene Fragen in diesem Bereich, aber in einigen Jahren wird sich aus diesem Forschungsbereich ein riesiger Markt entwickelt haben. Es ist gut für den Standort Deutschland, dass das BMBF nicht nur die anwendungsorientierte Forschung unterstützt, sondern auch die weltweit führende Position einer deutschen Einrichtung anerkennt und mit der entsprechenden Förderung auch zur zukünftigen Sicherung unseres internationalen Vorsprungs beiträgt."

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dipl.-Betriebswirt (FH) Joachim Jakobs | idw

Weitere Berichte zu: BMBF DRA Kopie Wasserzeichen Watermark

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Immer mehr Fernseh-Zuschauer nutzen einen Second Screen
17.10.2018 | Universität Regensburg

nachricht Ausgefeilte Videotechnologie lenkt von Werbung ab
16.10.2018 | Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Im Focus: A Chip with Blood Vessels

Biochips have been developed at TU Wien (Vienna), on which tissue can be produced and examined. This allows supplying the tissue with different substances in a very controlled way.

Cultivating human cells in the Petri dish is not a big challenge today. Producing artificial tissue, however, permeated by fine blood vessels, is a much more...

Im Focus: Optimierung von Legierungswerkstoffen: Diffusionsvorgänge in Nanoteilchen entschlüsselt

Ein Forschungsteam der TU Graz entdeckt atomar ablaufende Prozesse, die neue Ansätze zur Verbesserung von Materialeigenschaften liefern.

Aluminiumlegierungen verfügen über einzigartige Materialeigenschaften und sind unverzichtbare Werkstoffe im Flugzeugbau sowie in der Weltraumtechnik.

Im Focus: Graphen auf dem Weg zur Supraleitung

Doppelschichten aus Graphen haben eine Eigenschaft, die ihnen erlauben könnte, Strom völlig widerstandslos zu leiten. Dies zeigt nun eine Arbeit an BESSY II. Ein Team hat dafür die Bandstruktur dieser Proben mit extrem hoher Präzision ausgemessen und an einer überraschenden Stelle einen flachen Bereich entdeckt. Möglich wurde dies durch die extrem hohe Auflösung des ARPES-Instruments an BESSY II.

Aus reinem Kohlenstoff bestehen so unterschiedliche Materialien wie Diamant, Graphit oder Graphen. In Graphen bilden die Kohlenstoffatome ein zweidimensionales...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

15.11.2018 | Physik Astronomie

Automatisierte Klebfilmablage und Stringerintegration für den Flugzeugbau

14.11.2018 | Materialwissenschaften

Wie Algen und Kohlefasern die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre nachhaltig senken könnten

14.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics