Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Peer-to-Peer: Vom Milliardengrab zum Goldesel

23.07.2004


Mit Peer-to-Peer (P2P) Geld zu verdienen, ist bislang ein frommer Wunsch der Internet-Ökonomen. Derzeit wird über derartige Systeme eher Geld vernichtet. Illegale Musik-Tauschbörsen, wie das inzwischen abgeschaltete Napster, kosten die Industrie Milliarden.



Im Rahmen des Projekts Premium, das im Schwerpunktprogramm "Internetökonomie" vom BMBF gefördert wird, erforschen Mitarbeiter des Instituts Multimediakommunikation (KOM) der TU Darmstadt, wie man aus diesem Millionengrab endlich einen Goldesel machen kann.

... mehr zu:
»P2P »P2P-Netz »Peer-to-Peer »Server


KOM-Wissenschaftler Nicolas Liebau benennt den Knackpunkt beim Arbeiten mit P2P: "Dezentralisation. Wenn ich keinen zentralen Server habe, dann fehlt auch ein zentraler Punkt, an dem Erlöse erwirtschaftet werden können." Und genau diesem Erlös-Punkt sind die Darmstädter Wissenschafter um Liebau auf der Spur.

Ralf Steinmetz, Leiter des Darmstädter Fachgebiets ist sich der Fähigkeiten seines Teams sicher: "Am Ende unserer Forschungen wird ein profitables Accountingsystem für P2P-Netze stehen". Dieses System soll Aufschluss darüber geben, was eigentlich im Netz geschieht und in der Konsequenz eine Abrechnung der verwendeten bzw. erbrachten Dienste möglich machen. Bislang ist das Utopie, schließlich bestehen P2P-Netze aus einer stetig variierenden Anzahl von Rechnern, die theoretisch über den gesamten Globus verteilt sein können. Jeder Teilnehmer kann Client und Server sein, sowohl Dienste beziehen als auch selber anbieten. "Es ist sogar so, dass P2P eigentlich nur funktioniert, wenn die Teilnehmer auch Dienste leisten. Kein Angebot, kein Dienst. Folglich ist eines der bekanntesten Probleme in P2P-Netzen das ,Free-Riding’ - Teilnehmer wollen nur Dienste nutzen, aber keine selber anbieten", erklärt Nicolas Liebau eine weitere Herausforderung, die er und sein Forschungsteam mit dem Accountingsystem lösen müssen.

Ist dieser entscheidende Schritt getan, können sich die Darmstädter Internet-Forscher vielfältige Anwendungen für P2P-Netze vorstellen. "Potentielle legale Anwendungsfelder sehe ich persönlich bei öffentlichen Dienstleistungen. Zum Beispiel im Gesundheitssystem, wo sich Ärzte auf diese Weise vernetzen könnten. Und da kein zentraler Server benötigt wird, fallen auch keine zusätzlichen Kosten an. So könnte ein solches System fast ’für umsonst’ betrieben werden", wirft Liebau den Blick voraus in die nicht mehr allzu ferne Zukunft.

** Hintergrund: Peer-to-Peer (P2P) **

Bekannt geworden ist der Begriff Peer-to-Peer durch illegale Musik- und Filmtauschbörsen wie Napster, Kazaa oder Gnutella. Das Peer-to-Peer-Paradigma will (im Gegensatz zur Struktur Client/Server) verteilte Computeranwendungen komplett dezentral organisieren, also ohne zentralen Server. Die einzelnen beteiligten Einheiten sind komplett autonom. Da kein zentraler Server angeschafft, administriert und gegebenenfalls erweitert werden muss, sind die Grundkosten für ein derartiges System gering. Im Grunde verteilen sie sich auf die Strom- bzw. Internetkosten der Teilnehmer. Außerdem gewährleistet die Dezentralisation einen hohen Grad an System-Stabilität, da es keinen zentralen Server gibt, der ausfallen, angegriffen oder abgeschaltet werden könnte, was den Ausfall des gesamten Systems nach sich ziehen würde. Schließlich sind P2P-Netze einfach zu erweitern. Es treten nämlich einfach neue Nutzer dem System bei. Bislang gibt es keine kommerziellen Anwendungen auf Grundlage von Peer-to-Peer-Netzen.

Lars Rosumek | idw
Weitere Informationen:
http://www.multimedia-communications.net
http://www.internetoekonomie.net
http://www.internetoekonomie.uni-frankfurt.de/projekte/erloesEff_Steinmetz.htm

Weitere Berichte zu: P2P P2P-Netz Peer-to-Peer Server

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Erstes Kreuzfahrtschiff mit Fraunhofer 3D-Sound
05.09.2018 | Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT

nachricht Kleines Gehäuse, großer Klang, klare Sprache
31.08.2018 | Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Im Focus: Bio-Kunststoffe nach Maß

Zusammenarbeit zwischen Chemikern aus Konstanz und Pennsylvania (USA) – gefördert im Programm „Internationale Spitzenforschung“ der Baden-Württemberg-Stiftung

Chemie kann manchmal eine Frage der richtigen Größe sein. Ein Beispiel hierfür sind Bio-Kunststoffe und die pflanzlichen Fettsäuren, aus denen sie hergestellt...

Im Focus: Patented nanostructure for solar cells: Rough optics, smooth surface

Thin-film solar cells made of crystalline silicon are inexpensive and achieve efficiencies of a good 14 percent. However, they could do even better if their shiny surfaces reflected less light. A team led by Prof. Christiane Becker from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) has now patented a sophisticated new solution to this problem.

"It is not enough simply to bring more light into the cell," says Christiane Becker. Such surface structures can even ultimately reduce the efficiency by...

Im Focus: Mit Nano-Lenkraketen Keime töten

Wo Antibiotika versagen, könnten künftig Nano-Lenkraketen helfen, multiresistente Erreger (MRE) zu bekämpfen: Dieser Idee gehen derzeit Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der Medizinischen Hochschule Hannover nach. Zusammen mit einem führenden US-Experten tüfteln sie an millionstel Millimeter kleinen Lenkraketen, die antimikrobielles Silber zielsicher transportieren, um MRE vor Ort zur Strecke zu bringen.

In deutschen Krankenhäusern führen die MRE jährlich zu tausenden, teils lebensgefährlichen Komplikationen. Denn wer sich zum Beispiel nach einer Implantation...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Experten der Orthopädietechnik tagen in Göttingen

19.09.2018 | Veranstaltungen

Von den Grundlagen bis zur Anwendung - Internationale Elektrochemie-Tagung in Ulm

18.09.2018 | Veranstaltungen

Unbemannte Flugsysteme für die Klimaforschung

18.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Fester Platz im Unternehmen - 36 Auszubildende und Studierende der Friedhelm Loh Group erhalten Zeugnisse

19.09.2018 | Unternehmensmeldung

Virtual Reality ohne Kopfschmerz oder Simulationsübelkeit

19.09.2018 | Informationstechnologie

Kaiserslauterer Architekten setzen Holzkuppel dank Software einfach wie Puzzle zusammen

19.09.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics