Man sieht sich – im virtuellen Raum

Der Flachbildschirm mit einer Diagonalen von 150 Zentimetern ist nur ein Baustein, um Videokonferenzen so realistisch wie möglich zu gestalten <br>© Fraunhofer HHI

Mögen manche Sparten der Telekommunikation sehnsüchtig auf einen Silberstreif am Wirtschaftshorizont warten – die Prognosen für Videokonferenzsysteme sind gut: Lag die Umsatzzunahme auf dem europäischen Markt im vergangenen Jahr noch bei knapp fünfzehn Prozent, so nimmt die Unternehmensberatung Frost & Sullivan an, dass sie bereits im Jahr 2004 zwanzig Prozent überschreiten wird. Dank ständig verbesserter Ton- und Bildqualität bei vereinfachter Bedienung, akzeptieren immer mehr Menschen, sich zu virtuellen Sitzungen zusammenzufinden. Die eigentliche Triebfeder sind eingesparte Reisezeiten und -kosten.

Umsonst sind natürlich auch Videokonferenzen nicht zu haben. Gebühren für eine breitbandige Übertragung der Daten schlagen dabei weniger zu Buche als Investitionen in die technische Ausstattung. Stets heißt die Frage: Wieviel Realismus ist bei einer gegebenen Datenrate möglich? Denn die Rate und Qualität, mit der Bilder übertragen werden, wirkt sich erheblich darauf aus, wie gut Bewegungen, Körpersprache, Blickkontakt und Mimik erscheinen. »Ein gutes Beispiel ist auch die Kameraperspektive«, ergänzt Peter Kauff vom Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik – Heinrich-Hertz-Institut HHI. »Ist sie falsch gewählt, entsteht ein Eindruck wie mit schielenden Menschen: Man weiß oft nicht, ob man gerade angesprochen wird oder nicht?«

Kauff und seine Gruppe »Immersive Media & 3D Video« räumen nicht nur solche Wahrnehmungsprobleme aus, sondern bearbeiten ebenso die elektronische Seite der Übertragung: Sie nutzen die Möglichkeiten von MPEG-4 optimal aus. Dieser junge, von der Moving Picture Experts Group zertifizierte Standard beschränkt sich nicht mehr wie seine Vorgänger darauf, den Strom der Audio- und Videodaten nur zu komprimieren. Sein wichtigstes Feature: Statt wie bisher lediglich rechteckige Bilder zu übertragen, erlaubt es MPEG-4, Szenen in beliebige »audiovisuelle Objekte« zu zerlegen und Metadaten wie deren dreidimensionale Form einzubetten. Dadurch lässt sich die virtuelle Konferenz realistisch komponieren und perspektivisch optimieren. Jederzeit können die Gesprächspartner multimediale Inhalte wie Charts, Filme oder dreidimensionale Präsentationen einblenden und steuern. Wer sich länger an der vordersten Front immersiver 3-D-Videokonferenzsysteme aufhalten möchte, hat dazu auf der CeBIT in Hannover Gelegenheit. Virtuell wie ganz real präsentieren die Wissenschaftler ihren Prototypen in Halle 11 am Stand A 24.

Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Peter Kauff
Telefon 0 30 / 3 10 02-6 15
Fax 0 30 / 3 92 72 00

Dr. Oliver Schreer
Telefon 0 30 / 3 10 02-6 20

Dipl.-Ing. Ralf Tanger
Telefon 0 30 / 3 10 02-6 20

Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik – Heinrich-Hertz-Institut HHI
Einsteinufer 37
10587 Berlin

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