Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zigarettenkippen verhindern Korrosion

14.05.2010
Recycling-Möglichkeiten der häufigsten giftigen Abfälle

Zigarettenkippen gehören zu den allgegenwärtigsten Abfallprodukten weltweit. Forscher haben immer wieder darauf hingewiesen, dass ein Recycling aufgrund ihrer Toxizität unbedingt erforderlich ist.

Nun haben chinesische Forscher entdeckt, dass Zigarettekippen gegen die Korrosion von Stahlrohren verwendet werden können. Im Wissenschaftsmagazin "Industrial & Engineering Chemistry Research" berichten Jun Zhiao von der Xi'an Jiaotong Universität und sein Team über ihre Entdeckung.

Bisher wurden Zigarettenkippen überall achtlos weggeworfen. Sie verstopften Abwasserrohre und erwiesen sich als tödlich giftig für Süß- und Salzwasserfische. Rund 4,5 Bio. dieser Kippen fallen schätzungsweise jährlich an. Praktisch an jedem Ort der Welt findet man die Kippen bzw. Teile davon. Forscher haben nachgewiesen, dass es 15 Jahre dauert, bis die Filter im Wasser vollständig zerfallen.

Sinnvolles Recycling

Die Wissenschaftler haben entdeckt, dass die Kippen, wenn sie im Wasser liegen, neun verschiedene chemische Substanzen - inklusive dem Nikotin - abgeben. Wenn diese Extrakte auf einen bestimmten Stahlrohrtypen, der für die Pipeline-Industrie häufig verwendet wird, bei 90 Grad Celsius aufgebracht werden, kann die Korrosion stark verringert werden. Der Korrosionsschutz wirkt selbst unter extremen Bedingungen, so Zhao.

Der Ersatz von verrosteten Stahlrohren und - leitungen erhöht die Kosten für ihre Betreiber massiv. Das betrifft vor allem Ölpipelines. China braucht sich um die anfallenden Zigarettenkippen keine Sorgen zu machen, denn rund ein Drittel der gesamten Menge an Kippen fällt im Reich der Mitte an.

Problemstoff als wertvoller Rohstoff

Thomas Novotny, Professor der Division of Epidemiology and Biostatistics an der San Diego State University http://publichealth.sdsu.edu , hat in einer Studie festgestellt, dass die chemischen Substanzen in einer Zigarettenkippe alle Fische in einem Ein-Liter-Becken innerhalb von 96 Stunden töten. Ohne Tabak braucht man rund vier Filter, um zum gleichen Ergebnis zu kommen.

"In einer Studie, die von der Stadt Wien in Auftrag gegeben und die im Dezember 2003 präsentiert wurde, konnten wir feststellen, dass Zigarettenkippen auch im Straßenkericht ein großes Problem darstellen", so Gerhard Vogel, Professor am Institut für Technologie und nachhaltiges Produktmanagement an der WU-Wien http://www.wu.ac.at/itnp , im pressetext-Interview. "In fünf europäischen Städten waren Zigaretten das mit Abstand am häufigsten gelitterte Produkt. Aufgrund der geringen Größe und relativ raschen biologischen Abbaubarkeit dürfte hier das Problembewusstsein der Bevölkerung besonders schwach ausgeprägt sein", schlussfolgert der Experte.

"Die Kosten zur Beseitigung des Straßenkerichts sind allerdings sehr hoch. Fehlendes Umweltbewusstsein herrscht zudem auch bei der Entsorgung der Zigarettenkippen im Haushalt. Denn in der Toilettenspülung haben Feststoffe - und dazu gehören auch Kippen - nichts verloren, so der Experte abschließend.

Der Original-Artikel kann unter http://pubs.acs.org/stoken/presspac/presspac/full/10.1021/ie100168s heruntergeladen werden.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://pubs.acs.org

Weitere Berichte zu: Kippen Korrosion Stahlrohren Zigarettenkippen chemische Substanz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Damit auch kleine Unternehmen von der Digitalisierung profitieren
16.08.2018 | Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

nachricht Verformung mit Fingerspitzengefühl
13.08.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

Mit Festkörperbatterien sind aktuell große Hoffnungen verbunden. Sie enthalten keine flüssigen Teile, die auslaufen oder in Brand geraten könnten. Aus diesem Grund sind sie unempfindlich gegenüber Hitze und gelten als noch deutlich sicherer, zuverlässiger und langlebiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Jülicher Wissenschaftler haben nun ein neues Konzept vorgestellt, das zehnmal größere Ströme beim Laden und Entladen erlaubt als in der Fachliteratur bislang beschrieben. Die Verbesserung erzielten sie durch eine „clevere“ Materialwahl. Alle Komponenten wurden aus Phosphatverbindungen gefertigt, die chemisch und mechanisch sehr gut zusammenpassen.

Die geringe Stromstärke gilt als einer der Knackpunkte bei der Entwicklung von Festkörperbatterien. Sie führt dazu, dass die Batterien relativ viel Zeit zum...

Im Focus: It’s All in the Mix: Jülich Researchers are Developing Fast-Charging Solid-State Batteries

There are currently great hopes for solid-state batteries. They contain no liquid parts that could leak or catch fire. For this reason, they do not require cooling and are considered to be much safer, more reliable, and longer lasting than traditional lithium-ion batteries. Jülich scientists have now introduced a new concept that allows currents up to ten times greater during charging and discharging than previously described in the literature. The improvement was achieved by a “clever” choice of materials with a focus on consistently good compatibility. All components were made from phosphate compounds, which are well matched both chemically and mechanically.

The low current is considered one of the biggest hurdles in the development of solid-state batteries. It is the reason why the batteries take a relatively long...

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Latest News

Quantum bugs, meet your new swatter

20.08.2018 | Information Technology

A novel synthetic antibody enables conditional “protein knockdown” in vertebrates

20.08.2018 | Life Sciences

Metamolds: Molding a mold

20.08.2018 | Information Technology

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics