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Wildtierbeobachtung im Sekundentakt: Weltweit einzigartiges System im Naturkundemuseum Berlin vorgestellt

26.11.2019

Ein Forscherteam hat am Museum für Naturkunde Berlin das BATS-Trackingsystem made in Germany vorgestellt, das vollautomatisch und sekundengenau soziale Kontakte zwischen freilebenden Tieren zur Analyse sozialer Netzwerke sammelt. Wie belastbar sind Freundschaften zwischen Vampirfledermäusen? Wie lernt ein junger Abendsegler jagen? Wie schnell schlägt das Herz einer Blumenfledermaus? Und warum wollen Forscherinnen und Forscher das wissen?

Die Forschungsgruppe „BATS - a Broadly Applicable Tracking System“, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und unter Beteiligung des Museums für Naturkunde Berlin, entwickelte in einem interdisziplinären Team aus Elektroingenieuren, Informatikern und Biologen ein völlig neuartiges und hochleistungsfähiges Wildtierbeobachtungssystem, das Forschung in nie dagewesenem Detail und sogar an so kleinen Tieren wie Fledermäusen erlaubt.


Technologische Innovation treibt die biologische Forschung voran. Das BATS-System, ein ‚Internet-of-Animals‘, sammelt vollautomatisch und sekundengenau soziale Kontakte zwischen freilebenden Tieren zur Analyse sozialer Netzwerke, beobachtet hochauflösende Flugbahnen in dichtem Wald und zählt gleichzeitig den rasend schnellen Puls. Das zentrale Ziel ist es, die Wildtierforschung weltweit mit Technologien made in Germany voranzubringen, um unsere Natur nachhaltig zu schützen. Verhalten von Wildtieren verstehen heißt Grundlagen für erfolgreichen Naturschutz legen.
Die Tiere tragen kleine Sender mit der Funktionalität eines Netzwerkcomputers: Daten werden gesendet, empfangen, verarbeitet, gespeichert und das alles bei einem Sensorgewicht von nur einem Gramm – inklusive autonomer Energieversorgung. Sobald ein Tier an einer Basisstation vorbeikommt, z.B. in seinem Quartier, werden die gespeicherte Daten automatisch heruntergeladen.

„Noch vor wenigen Jahren war es unvorstellbar, solch hochauflösende Daten zu ganzen sozialen Gruppen freilebender Fledermäuse zu sammeln“, sagt Simon Ripperger der als Wissenschaftler am Museum für Naturkunde Berlin die technologischen Neuentwicklungen im Freiland testete und von seiner Doktorarbeit noch die klassischen Methoden kennt, als er per Radiotelemetrie einzelne Fledermäuse zu Fuß verfolgten musste. „Das Erfolgsrezept für die technologischen Quantensprünge, die unser Team ermöglicht hat, war die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit“, fügt er hinzu. Teil des Projektes waren gemeinsame Feldaufenthalte mit Elektroingenieuren und Informatikern in Berlin, Franken, aber auch im tropischen Regenwald in Panama, um Fledermäuse zu beobachten.

In Zukunft soll die Anwendung nicht auf Fledermäuse beschränkt bleiben. Neben der Beobachtung von anderen Wirbeltiergruppen im Freiland wie zum Beispiel Vögel oder Eidechsen, bietet BATS auch die Möglichkeit, das Verhalten von Nutztieren in der Landwirtschaft zu untersuchen, um so in Zukunft die Tiergesundheit zu überwachen oder Haltungsbedingungen zu verbessern.

An der DFG-Forschungsgruppe 1508 BATS sind das Museum für Naturkunde Berlin, die Technische Universität Braunschweig, die Universität Paderborn, die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg, die Universität Bayreuth, das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltunten IIS sowie die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) beteiligt.

Dr. Gesine Steiner | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.naturkundemuseum-berlin.de

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