Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tübinger Kriminologen evaluieren die „elektronische Fußfessel“

25.10.2013
Das Institut für Kriminologie der Universität Tübingen erhält den Zuschlag für ein Forschungsprojekt zur „elektronischen Aufenthaltsüberwachung“

In Tübingen wird die erste bundesweite Evaluation zur Anwendung der sogenannten elektronischen Fußfessel bei schweren Straftätern durchgeführt. Das neue Forschungsprojekt startet am Institut für Kriminologie der Universität Tübingen.

Gefördert vom Bundesministerium der Justiz werden der Direktor des Instituts, Professor Jörg Kinzig, und seine Mitarbeiter Anne Bräuchle und Alexander Baur die Anwendung und Funktionsweise der elektronischen Aufenthaltsüberwachung, bekannt unter der Bezeichnung „elektronische Fußfessel“, analysieren. Ziel des Forschungsprojektes ist es, eine Einschätzung der Anwendungs- und Wirkungsweise der Fußfessel sowie der mit ihr verbundenen Probleme zu erhalten.

Bundesweit werden derzeit etwa 60 Personen mit dieser Technik überwacht. Im Rahmen des Projekts werden deren Akten ausgewertet, aber auch persönliche Interviews mit Betroffenen geführt. Gleichzeitig berichten auch Richter, Bewährungshelfer und Polizisten den Wissenschaftlern von ihren Erfahrungen mit dem Überwachungsinstrument. Die Ergebnisse sollen für den Gesetzgeber eine Grundlage für mögliche rechtspolitische Folgerungen sein.

Die Fußfessel müssen verurteilte Täter tragen, die ihre Strafe bereits verbüßt haben, teilweise auch aus der Sicherungsverwahrung entlassen werden mussten. Die Fußfessel wird im Rahmen der Führungsaufsicht angewendet und soll zusammen mit anderen Maßnahmen helfen, die Verurteilten von einem möglichen schweren Rückfall abzuhalten. Die ehemals Inhaftierten sind verpflichtet, die Fußfessel am Knöchel zu tragen und sie nicht zu manipulieren. Einige dieser engmaschig überwachten Personen dürfen auch bestimmte Gebiete nicht betreten oder verlassen. Die elektronische Aufenthaltsüberwachung wurde zum 1.1.2011 eingeführt und ist im Strafgesetzbuch in § 68b geregelt. Die Vorschrift ist eine Reaktion unter anderem auf Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, in denen einige Formen der Sicherungsverwahrung für menschenrechtswidrig erklärt wurden. Die „elektronische Fußfessel“ wird seither als Möglichkeit genutzt, die daraufhin Freigelassenen trotzdem weiterhin zu überwachen.

Das Institut für Kriminologie unter der Leitung von Jörg Kinzig ist bereits durch mehrere Studien zur Sicherungsverwahrung für gefährliche Straftäter an die Öffentlichkeit getreten. Derzeit befindet sich ein weiteres großes Projekt der Tübinger Wissenschaftler in der Endphase. Darin wird die sogenannte „Führungsaufsicht“ umfassend untersucht. Mit dieser Maßregel sollen ehemals Inhaftierte beim Übergang in die Freiheit einerseits gesichert, aber auch betreut werden.

Kontakt:

Prof. Dr. Jörg Kinzig
Universität Tübingen
Juristische Fakultät
Institut für Kriminologie
Telefon +49 7071 29-72549
joerg.kinzig[at]jura.uni-tuebingen.de

Antje Karbe | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt
25.05.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Nanopartikel aus Kläranlagen - vorläufige Entwarnung
02.05.2018 | Universität Siegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Europaweit erste Patientin mit neuem Hybridgerät zur Strahlentherapie behandelt

19.07.2018 | Medizintechnik

Waldrand oder mittendrin: Das Erbgut von Mausmakis unterscheidet sich je nach Lebensraum

19.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics