Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Roboter werden fit für den sozialen Kontakt -
3,5-Millionen-Euro-Projekt

08.06.2010
Wenn die Roboter in Zukunft Pflegedienste für ältere Menschen übernehmen, wird sich ihr Aktionsradius nicht auf die wohlbekannte Wohnumgebung ihrer Klienten beschränken. Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) trainieren die Helfer aus Blech darauf, sich auch auf der Straße zurechtzufinden. Und wenn etwa eine dem GPS-Navigationsgerät unbekannte Baustelle zu Umwegen zwingt, weicht der Roboter auf ein uraltes Informationssystem aus: Er fragt einfach nach dem Weg.

Die ersten Roboter sind schon in unsere Haushalte eingezogen: Die meist unscheinbaren Gesellen putzen, staubsaugen oder mähen den Rasen. Besonders viel "Köpfchen" brauchen sie dafür nicht. Doch Wissenschaftler an der TUM forschen bereits daran, Roboter mit deutlich komplexeren Aufgaben wie Tisch decken zu betrauen. Das langfristige Ziel: Roboter sollen in Zukunft Pflegedienste zum Beispiel für ältere Menschen übernehmen. Dazu müssen die Blechkollegen lernen, sehr sensibel im Kontakt zu Menschen und Umgebung zu agieren, damit sie auch mit unplanbaren Situationen zurechtkommen.

Unter der Leitung der TUM hat sich jetzt das internationale Forschungskonsortium IURO (Interactive Urban Robot) gebildet, das die Roboter sogar auf die Straße schickt. Ein mögliches Szenario: Ein Kranker sagt seinem Roboter, dass er ein bestimmtes Medikament benötige. Der versteht den Menschen, plant den Gang zur nächsten Apotheke und setzt sich in Bewegung. Um einen Umzugswagen auf dem Bürgersteig kann der Roboter über seine Wahrnehmungssysteme noch herum navigieren, doch ein Festumzug in der Münchener Innenstadt versperrt ihm vollständig den Weg. Jetzt fragt der Roboter Passanten nach einem Umweg und findet so den Weg in das Geschäft. Dabei lernt der Roboter ständig, sich besser im Straßenverkehr zurechtzufinden und seine Kommunikation zu verfeinern.

Prof. Martin Buss vom TUM-Lehrstuhl für Steuerungs- und Regelungstechnik, der zusammen mit Dr.-Ing. Kolja Kühnlenz und Dr.-Ing. Dirk Wollherr das Projekt IURO koordiniert, hat bereits Erfahrung mit selbstständigen Robotern. 2008 etwa schickten er und sein Team den Robotor ACE (Autonomous City Explorer) auf die Reise durch die Münchener Innenstadt - ohne GPS oder Straßenkarte. ACE war alleine auf die Hilfe von Passanten angewiesen. Damals allerdings kommunizierten die Menschen mit dem Roboter noch über ein Touch-Screen-Display, und ACE konnte einige Gesten der Menschen erkennen. Roboter der neuen IURO-Generation sollen dagegen richtig sprechen und verstehen lernen, Straßen gefahrlos überqueren können und bei Fehlschlägen und Hindernissen selbstständig nach Alternativen suchen.

Die Europäische Kommission fördert IURO mit insgesamt 3,5 Millionen Euro. Neben der Technischen Universität München sind die Eidgenössisch-technische Hochschule Zürich, die Universität Salzburg, die Königlich Technische Hochschule Stockholm und das polnische Unternehmen Accrea an IURO beteiligt.

An der TU München ist IURO ein assoziertes Projekt des Forschungsverbunds CoTeSys (Cognition for Technical Systems), eines sogenannten Exzellenzclusters. Hier forschen Münchener Wissenschaftler daran, wie humanoide Roboter, autonome Fahrzeuge und selbststeuernde Fabriken selbstständig lernen und mit Menschen kommunizieren können. Am Cluster sind neben der TUM die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Universität der Bundeswehr, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Max-Planck-Institut für Neurobiologie beteiligt. Der Exzellenzcluster CoTeSys wird aus Mitteln der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Stärkung des Forschungs- und Universitätsstandorts Deutschland finanziert.

Kontakt:
Dr.-Ing. Dirk Wollherr, Dr.-Ing. Kolja Kühnlen (Projektleitung)
Lehrstuhl für Steuerungs- und Regelungstechnik (Prof. Martin Buss)
Technische Universität München
Tel. 089 289 23401
dw@tum.de

Dr. Ulrich Marsch | Technische Universität München
Weitere Informationen:
http://www.tum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Biofilme generieren ihre Nährstoffversorgung selbst
12.12.2018 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Krankheitserreger im Visier
09.10.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

Wiener Quantenforscher der ÖAW realisierten in Zusammenarbeit mit dem AIT erstmals ein quantenphysikalisch verschlüsseltes Netzwerk zwischen vier aktiven Teilnehmern. Diesen wissenschaftlichen Durchbruch würdigt das Fachjournal „Nature“ nun mit einer Cover-Story.

Alice und Bob bekommen Gesellschaft: Bisher fand quantenkryptographisch verschlüsselte Kommunikation primär zwischen zwei aktiven Teilnehmern, zumeist Alice...

Im Focus: An energy-efficient way to stay warm: Sew high-tech heating patches to your clothes

Personal patches could reduce energy waste in buildings, Rutgers-led study says

What if, instead of turning up the thermostat, you could warm up with high-tech, flexible patches sewn into your clothes - while significantly reducing your...

Im Focus: Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

Zusammen mit einem Blutdrucksenker hemmt ein häufig verwendetes Diabetes-Medikament gezielt das Krebswachstum – dies haben Forschende am Biozentrum der Universität Basel vor zwei Jahren entdeckt. In einer Folgestudie, die kürzlich in «Cell Reports» veröffentlicht wurde, berichten die Wissenschaftler nun, dass dieser Medikamenten-Cocktail die Energieversorgung von Krebszellen kappt und sie dadurch abtötet.

Das oft verschriebene Diabetes-Medikament Metformin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern hat auch eine krebshemmende Wirkung. Jedoch ist die gängige...

Im Focus: Lethal combination: Drug cocktail turns off the juice to cancer cells

A widely used diabetes medication combined with an antihypertensive drug specifically inhibits tumor growth – this was discovered by researchers from the University of Basel’s Biozentrum two years ago. In a follow-up study, recently published in “Cell Reports”, the scientists report that this drug cocktail induces cancer cell death by switching off their energy supply.

The widely used anti-diabetes drug metformin not only reduces blood sugar but also has an anti-cancer effect. However, the metformin dose commonly used in the...

Im Focus: New Foldable Drone Flies through Narrow Holes in Rescue Missions

A research team from the University of Zurich has developed a new drone that can retract its propeller arms in flight and make itself small to fit through narrow gaps and holes. This is particularly useful when searching for victims of natural disasters.

Inspecting a damaged building after an earthquake or during a fire is exactly the kind of job that human rescuers would like drones to do for them. A flying...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

Show Time für digitale Medizin-Innovationen

13.12.2018 | Veranstaltungen

ICTM Conference 2019 in Aachen: Digitalisierung als Zukunftstrend für den Turbomaschinenbau

12.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Forschungsprojekt FastCharge: Ultra-Schnellladetechnologie bereit für die Elektrofahrzeuge der Zukunft

13.12.2018 | Energie und Elektrotechnik

GFOS-Innovationsaward 2019: Anmeldung ab sofort möglich

13.12.2018 | Förderungen Preise

Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

13.12.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics