Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pilotprojekt: Wie kann man in öffentlichen Gebäuden mit wenig Geld viel Energie sparen?

29.10.2012
Kommunen, Städten und auch den Hochschulen laufen die Energiekosten davon. Meist fehlt jedoch Geld, um ältere Gebäude zu dämmen oder bessere Heizungssteuerungen einzubauen.

Wissenschaftler der Universität des Saarlandes wollen daher öffentliche Gebäude aus mehreren Jahrzehnten genauer untersuchen. Sie werden über längere Zeit beobachten, welche Maßnahmen zur Energieeinsparung in den einzelnen Gebäuden jeweils am meisten bringen.

Die Palette reicht von der Gebäudesteuerung über interne Kosten-Nutzen-Rechnungen bis hin zu umweltpsychologischen Schulungen. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie mit rund 800.000 Euro gefördert.

Die Gebäude auf dem Universitätscampus in Saarbrücken stammen aus acht Jahrzehnten. Neben Kasernengebäuden aus den 1930er Jahren stehen schnell gebaute Betonhochhäuser aus den 60er Jahren, als der erste Studentenansturm zu verkraften war. In den vergangenen Jahrzehnten kamen schmucke Laborgebäude mit großen Glasfronten hinzu. „Dieser durchmischte Gebäudebestand ist typisch für viele öffentliche Liegenschaften. Angesichts knapper Haushaltsmittel wissen die politischen Entscheidungsgremien dann häufig nicht, an welcher Ecke sie mit Energiesparmaßnahmen anfangen sollen“, erläutert Georg Frey, Professor für Automatisierungstechnik der Universität des Saarlandes.
Oft könne man aber schon mit geringem Aufwand etwas bewirken, wenn etwa das Geld für eine umfassende Wärmedämmung oder neue Fenster nicht ausreiche. Welche Maßnahmen an welcher Stelle die größten Effekte bringen, will Mechatronik-Professor Frey gemeinsam mit Alexander Baumeister, Professor für Betriebswirtschaftlehre der Saar-Uni, und der Professorin für Umweltpsychologie Petra Schweizer-Ries untersuchen.

Für das Forschungsprojekt wurden fünf repräsentative Gebäude auf dem Universitätscampus ausgewählt, die unterschiedlich alt sind und mit Laboren, Büros und Seminarräumen auf verschiedene Weise genutzt werden. „In jedem dieser Gebäude werden wir unterschiedliche Methoden zur Energieeinsparung anwenden. Zum einen wollen wir verschiedene technische Möglichkeiten ausloten, angefangen von einer Gebäudesteuerung, die nicht nur Heizung und Licht energieeffizient steuert, sondern auch die Belüftung und Klimatisierung von Serverräumen integriert“, erklärt Frey. Dabei sollen in die Berechnungen auch der Wetterbericht und die Belegung der Räume einbezogen werden. „Wenn zwanzig Personen in einem Seminarraum sitzen, kann man schon eine Stunde vor Ende der Veranstaltung die Heizung herunterfahren“, nennt Georg Frey als Beispiel.
Professor Baumeister und sein Team werden betriebswirtschaftliche Modelle erarbeiten, mit denen die Energiekosten genau berechnet und einzelnen Nutzern zugeordnet werden. Über virtuelle oder auch echte Sparkonten könnten dann Anreize geschaffen werden, um mehr Energie zu sparen und das erwirtschaftete Geld etwa für eine bessere Gebäudesteuerung zu nutzen. Die Umweltpsychologie-Professorin Petra Schweizer-Ries will im Rahmen des Pilotprojektes erforschen, wie Mitarbeiter und Studenten sensibilisiert werden können, um Energie in Gebäuden einzusparen. “Das fängt damit an, dass man Räume nur kurz, aber regelmäßig lüftet und die Eingangstüren im Winter geschlossen hält. Dazu kann aber auch beitragen, dass man die Rechner abends herunterfährt und Licht und Beamer nur anschaltet, wenn sie tatsächlich gebraucht werden“, erläutert Petra Schweizer-Ries. Hierbei will sie auch untersuchen, wie häufig bei der hohen Fluktuation von Studenten und Mitarbeitern die Schulungen angeboten werden müssen und welche Kosten dafür entstehen.

Das Forschungsprojekt mit Namen EULE (Energiemustercampus Universität des Saarlandes: Liegenschaftsweite Energieverbrauchsoptimierung) wird mit 800.000 Euro über fünf Jahre vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert. Weitere 200.000 Euro steuert die Universität des Saarlandes selbst bei. Die Wissenschaftler werden in dem Pilotprojekt mit dem Gebäudemanagement der Universität (Facility Management), dem Controlling und der Öffentlichkeitsarbeit kooperieren. Am Ende des Projekts wollen die Forscher Methoden und Maßnahmen als Leitfaden für ähnliche Liegenschaften veröffentlichen.

Fragen beantwortet:

Prof. Dr. Georg Frey
Lehrstuhl für Automatisierungstechnik
Tel. 0681/306-57590
Mail: georg.frey@aut.uni-saarland.de

Friederike Meyer zu Tittingdorf | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.aut.uni-saarland.de/
http://www.controlling.uni-saarland.de/
http://www.fg-umwelt.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt
25.05.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Nanopartikel aus Kläranlagen - vorläufige Entwarnung
02.05.2018 | Universität Siegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 467 km/h in Los Angeles: TUM-Hyperloop-Team bleibt Weltmeister

Mit grandiosen 467 Stundenkilometern ist die dritte Kapsel des WARR-Hyperloop-Teams in Los Angeles durch die Teströhre auf dem Firmengelände von SpaceX gerast. Die Studierenden der Technischen Universität München (TUM) bleiben damit auch im dritten Hyperloop Pod Wettbewerb in Los Angeles ungeschlagen und halten den Geschwindigkeitsrekord für den Hyperloop Prototyp.

Der SpaceX-Gründer Elon Musk hatte die „Hyperloop Pod Competition“ 2015 ins Leben gerufen. Der Hyperloop ist das Konzept eines Transportsystems, bei dem sich...

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Natur in der Stadt – was sie leistet und wie wir sie schützen können

23.07.2018 | Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Suchmaschine für «Smart Wood»

23.07.2018 | Informationstechnologie

Das Geheimnis der Höhlenkrebse entschlüsselt

23.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Natur in der Stadt – was sie leistet und wie wir sie schützen können

23.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics