Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit getarnten Viren und chemischen Tricks gegen den Krebs

27.10.2016

Prof. Dr. Florian Kreppel ist neuer Inhaber des Lehrstuhls für Biochemie und molekulare Biologie an der Universität Witten/Herdecke und forscht interdisziplinär an neuen Impfstoffen und Krebsmedikamenten.

Diagnose „Krebs“ – für die meisten ist das allein schon ein großer Schock, alles steht Kopf. Ebenso belastend ist dann die oft verschriebene Chemotherapie, unter der ein bisher alltägliches Leben kaum möglich ist. Was, wenn der Krebs ohne Chemotherapie behandelt werden könnte und die Nebenwirkungen denen einer leichten Erkältung gleichen? Genau daran arbeitet Prof. Dr. Florian Kreppel mit einem interdisziplinären Team aus Chemikern, Biologen und Onkologen.


Grafik: Virus mit "Badehaube" - Erstellt von Moritz und Lara Krutzke


Prof. Dr. Florian Kreppel

Kreppel ist neuer Inhaber des Lehrstuhls für Biochemie und molekulare Biologie an der Universität Witten/Herdecke (UW/H). Der in München geborene und im Rheinland aufgewachsene Familienvater setzt nun in Witten seine Forschungstätigkeit fort. Sie gliedert sich in zwei große Bereiche: Zum einen die Onkolyse bzw. Virotherapie, bei der Erkältungsviren so verändert werden, dass sie vom Immunsystem unbemerkt in das Tumorgewebe eindringen und es von innen zerstören. Zum anderen entwickelt er genetische Vakzine, also Impfstoffe gegen Krankheiten, gegen die bislang noch kein Schutz möglich ist.

„Mit Hilfe chemischer Tricks setzen wir Viren, aber auch anderen Trägersubstanzen, Badehauben auf“, erklärt Kreppel das Verfahren bildlich. „So können sie unerkannt durch die Blutbahn an den Wirkungsort gelangen. Das kann ein Tumor sein, aber auch bestimmte Zellen des Immunsystems, die für die Abwehr von Krankheitserregern wichtig sind.“ Tatsächlich gibt es bereits ein in Europa und USA zugelassenes Krebsmedikament, das auf einem Virus basiert. Die große Herausforderung ist es, die Viren so zu präparieren, dass sie ihre gewünschten positiven Eigenschaften zur Krankheitsbekämpfung behalten. Kreppels Technologie ist bereits weit entwickelt und wird derzeit für klinische Studien angepasst. Dann kann sie voraussichtlich bei vielen Krebsarten wie Lungen-, Leber-, oder Pankreaskrebs zum Einsatz kommen.

Lehren und forschen in Witten

„Es ist mir wichtig angewandte Forschung zu betreiben“, betont Florian Kreppel. „Diese kann ich an der UW/H frei gestalten und erhalte Unterstützung von einem kompetenten Team aus Biochemikern, Zell- und Molekularbiologen.“ Sobald er sich am Lehrstuhl eingerichtet hat, möchte er weitere Projekte mit seinen neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie ehemaligen Kollegen aus Ulm beginnen.

In der Lehre findet Kreppel den Ausgleich zur intensiven Forschungsarbeit. Er möchte seine Begeisterung für die molekulare Medizin den Wittener Studierenden vermitteln und sie zum Weiterdenken animieren: „Komplex wie die Biochemie und Molekulare Medizin sind, kann ich innerhalb eines Seminars Grundlagen erklären und methodische Kompetenzen weitergeben. Das Wichtigste hierbei ist aber, dass ich Begeisterung und Faszination für Zusammenhänge vermittle. So werden die Studenten zu selbstständigem Arbeiten und wissenschaftlichem Denken motiviert.“

Zur Person:

Prof. Dr. rer. nat. Florian Kreppel (Jahrgang 1972) hat im Bereich molekulare Medizin an der Uni Ulm habilitiert. 2002 promovierte er in Köln am damals neu gegründeten Zentrum für molekulare Medizin. An der Universität Tübingen studierte er bis 1998 Biochemie – eine der wenigen Hochschulen, die damals dieses Fach in Deutschland anboten. Sein großes Interesse für Biologie und Chemie entdeckte Kreppel bereits im Schulalter und verfolgt sie bis heute. Privat schwingt er sich gerne aufs Rennrad und freut sich darauf das Bergische Land zu erkunden.

Erläuterung der Grafik:

Virus mit chemischer Badehaube.
Viren und nicht-virale Substanzen können zur Behandlung und Vorbeugung von Krebserkrankungen sowie Infektionserkrankungen eingesetzt werden. Dabei werden sie aber häufig von Blutbestandteilen inaktiviert (Antikörper, grau; das natürliche Abwehrsystem Komplement, blau; Blutgerinnungsfaktoren, rot). Durch eine Kombination genetischer (gelb) und chemischer Veränderungen will das Team um Prof. Kreppel die Viren vor einer Neutralisierung schützen. Hierzu werden den Viren „molekulare Badehauben“ (grün) aufgesetzt. So sind die Viren geschützt und können ihren Wirkort erreichen. Ein ganz ähnliches Verfahren wendet das Team um Prof. Kreppel auch für neuartige Substanzen auf Polymerbasis an.

Weitere Informationen bei Florian Kreppel: Tel: 02302 / 926-145, florian.kreppel@uni-wh.de

Über uns:

Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.300 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Weitere Informationen:

https://www.uni-wh.de/universitaet/presse/presse-details/artikel/mit-getarnten-v...

Katrin Schubert | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Wenn Blutgefäße zu durchlässig sind
01.10.2019 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Sensoren aus bioinspirierten Nanoporen
27.09.2019 | Technische Universität Darmstadt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wenn der Mensch auf Künstliche Intelligenz trifft

17.10.2019 | Veranstaltungen

Verletzungen des Sprunggelenks immer ärztlich abklären lassen

16.10.2019 | Veranstaltungen

Digitalisierung trifft Energiewende

15.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Dehnbare Elektronik: Neues Verfahren vereinfacht Herstellung funktionaler Prototypen

17.10.2019 | Materialwissenschaften

Lumineszierende Gläser als Basis neuer Leuchtstoffe zur Optimierung von LED

17.10.2019 | Physik Astronomie

Dank Hochfrequenz wird Kommunikation ins All möglich

17.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics