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Lesen, Reden, Schreiben - die saarländische Wirtschaft fördert Forschung für Azubis

27.10.2008
Spätestens seit Pisa ist klar, dass Schüler in Deutschland Defizite beim Lesen haben, das betrifft besonders Schüler mit Migrationshintergrund.

Der Saarbrücker Professor für Sprechwissenschaft, Dr. Norbert Gutenberg, hat 2005 zusammen mit Prof. Dr. Lutz Götze (Lehrstuhl Deutsch als Fremdsprache) und Prof. Dr. Robin Stark (Lehrstuhl Erziehungswissenschaft) das Forschungsprojekt "Lesen, Reden, Schreiben" (LRS) ins Leben gerufen. Speziell entwickelte Trainingsmethoden werden seit Beginn des Schuljahres 2008/09 an zwei saarländischen Gesamtschulen evaluiert.

"Hallo ich hatte für eine / Vorstellungsgespräch äh gebittet / und meine Bewerbung geschickt / bis jetzt kam keine / Antwort zurück und wollte nochmals nachfragen / äh ich erwarte eine Antwort / Dankeschön!" Diese Nachricht hat ein Schüler der 9. Klasse im Hauptschulbildungsgang auf dem Anrufbeantworter einer Firma hinterlassen, bei der er sich beworben hat. Leider kein Einzelfall: Wie erste Tests der Forschergruppe LRS ergaben, stellen sich nur die Hälfte der Probanden in dieser Situation mit Namen vor, immerhin 70 Prozent hinterlassen ihre Rufnummer und bitten um einen Rückruf.

Nur 30 Prozent verabschieden sich mit einem Gruß. Die Wirtschaft hält die meisten Hauptschulabsolventen wegen solcher Defizite für nicht ausbildungsreif. Deshalb wird das Projekt LRS vom Verband Saarländischer Unternehmen/Metallstiftung Saar und der Arge gefördert. Es geht um Hauptschulabsolventen, die sich um eine Lehrstelle bewerben.

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt mit dem vollständigen Titel "Leseverstehen, Hörverstehen, mündliches und schriftliches Formulieren bei Hauptschulabsolventen deutscher und nicht-deutscher Muttersprache: Leistungstests - Förderprogramm - Evaluation" hat eine spezielle Trainingskonzeption für diese Schüler entwickelt. Mit dem Training sollen die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schüler in den Schlüsselkompetenzen Lesen, Reden, Schreiben, Hören optimiert werden. Seit Beginn des Schuljahres 2008/2009 werden die Methoden an zwei saarländischen Gesamtschulen evaluiert.

Los ging es vor den Herbstferien an der Gesamtschule in Ludweiler. Dort haben die Wissenschaftler zunächst zwei Gruppen gebildet: eine Kontrollgruppe, die nur die Tests durchläuft und eine Gruppe, die trainiert wird. Die gleiche Aufteilung wird nach den Herbstferien an der Gesamtschule Saarbrücken-Bellevue durchgeführt. An der Trainingsgruppe nehmen etwa 40 Schüler teil, auch in der Kontrollgruppe sind es rund 40. Die Forscher wollen so herausfinden, wie effektiv die Trainings sind, und wie man damit die Ausbildungsfähigkeit der Schüler steigern kann.

Auf der Grundlage der Ergebnisse werden dann Module für die Lehreraus- und -fortbildung entwickelt, mit denen die Hauptschulausbildung optimiert werden soll.

Kontakt:

Prof. Dr. Norbert Gutenberg
Telefon: 0681 / 302-2502
E-Mail: n.gutenberg@mx.uni-saarland.de

Saar - Uni - Presseteam | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

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