Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Messies: oft krankhaft perfektionistisch

17.04.2002


Immer mehr Bundesbürger werden zu Messies – Menschen, denen sozusagen ihre Sammelleidenschaft über den Kopf gewachsen ist.

Der Begriff Messie kommt aus dem Englischen von „mess“, zu deutsch „Unordnung“. In Deutschland leiden schätzungsweise 1,8 Millionen Menschen unter dem Messie-Syndrom, schreibt der Bundesverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen in der aktuellen Ausgabe seiner Informationsschrift.

Was macht einen Sammler zum Messie? Gesammelt wird nicht zielgerichtet, sondern unstrukturiert, das heißt alles, was man irgendwann noch mal brauchen könnte – ohne dass materielle Not im Spiel ist. Als krankhaft definieren Psychologen die Sammelleidenschaft, wenn mindestens eine Person darunter leidet, sei es der Partner oder der Messie selbst. Denn irgendwann ist es soweit: Der Messie findet nichts mehr wieder, ertrinkt im Chaos und lässt niemanden mehr in seine Wohnung. Geschlafen wird auf dem Boden – das Bett ist ja voll gestellt –, und geliefertes Fast Food ersetzt das Kochen: Schließlich dient auch der Herd als Ablagefläche.

Doch wie mit dem Chaos fertig werden? Messies sind nicht nur oft überdurchschnittlich intelligent und kreativ, sondern auch krankhaft perfektionistisch: Fehlt ihnen das richtige Ordnungssystem, fangen sie mit dem Aufräumen erst gar nicht an.

Als Ursache für den Übergang vom Sammler zum Messie nehmen Psychologen extreme Verlusterlebnisse an, ein verletztes Selbstwertgefühl, eine nicht ausgereifte Persönlichkeit oder emotionale Schäden. „Je mehr Löcher in der Seele, desto mehr Perlen in der Krone“, verdeutlicht der auf Messies spezialisierte Offenbacher Psychologe Werner Groß.

Eine praktische Lösungsmöglichkeit bietet das Vier-Kisten-Prinzip: In die erste Kiste kommt alles, was man wegwerfen kann. In der zweite Kiste landen die Gegenstände, die verkauft oder verschenkt werden sollen. Die dritte (kleine!) Kiste ist für Sachen vorgesehen, bei denen man sich nicht auf Anhieb entscheiden kann, was mit ihnen geschehen soll. Die Sachen, die in der vierten Kiste landen, dürfen aufgehoben werden. Und ganz wichtig: Für jeden neu gekauften Gegenstand, muss etwas anderes hergegeben werden. Doch neben der Wohnung muss vor allem die Seele aufgeräumt werden, sonst ist der nächste Rückfall vorprogrammiert.

Neben den Sammler-Messies kennen die Psychologen aber noch drei weitere Messie-Typen: „Zeit-Chaoten“, die sich an keinen Termin halten können, „Chaos-Arbeiter“, die alles anfangen, aber nichts beenden und „Ich-Chaoten“, die sich für alles begeistern, aber nie bei der Sache bleiben. „Probleme der Desorganisation von Raum und Zeit“ gehen übrigens laut der Bielefelder Psychologin Gisela Stein mit einem erhöhten Risiko für weitere psychische Störungen einher, vor allem Depressionen, Ess-Störungen und Angst.

Wer Hilfe sucht, kann sich an einen Psychologen sowie eine der bundesweit rund 120 Selbsthilfegruppen wenden. Nähere Informationen: www.anonymemessies.de

mc | © MedCon Health Contents AG

Weitere Berichte zu: Messie Psychologe Sammelleidenschaft Sammler

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Autonomes Fahren: Staffelübergabe zwischen Fahrer und Autopilot funktioniert
06.11.2019 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Mensch und Technik als starke Partner - Kooperatives Überholen in hochautomatisierten Fahrzeugen
06.11.2019 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Fernsteuerung für alles Kleine

Atome, Moleküle oder sogar lebende Zellen lassen sich mit Lichtstrahlen manipulieren. An der TU Wien entwickelte man eine Methode, die solche „optischen Pinzetten“ revolutionieren soll.

Sie erinnern ein bisschen an den „Traktorstrahl“ aus Star Trek: Spezielle Lichtstrahlen werden heute dafür verwendet, Moleküle oder kleine biologische Partikel...

Im Focus: Atome hüpfen nicht gerne Seil

Nanooptische Fallen sind ein vielversprechender Baustein für Quantentechnologien. Forscher aus Österreich und Deutschland haben nun ein wichtiges Hindernis für deren praktischen Einsatz aus dem Weg geräumt. Sie konnten zeigen, dass eine besondere Form von mechanischen Vibrationen gefangene Teilchen in kürzester Zeit aufheizt und aus der Falle stößt.

Mit der Kontrolle einzelner Atome können Quanteneigenschaften erforscht und für technologische Anwendungen nutzbar gemacht werden. Seit rund zehn Jahren...

Im Focus: Der direkte Weg zur Phosphorverbindung: Regensburger Chemiker entwickeln Katalysemethode

Wissenschaftler finden effizientere und umweltfreundlichere Methode, um Produkte ohne Zwischenstufen aus weißem Phosphor herzustellen.

Pflanzenschutzmittel, Dünger, Extraktions- oder Schmiermittel – Phosphorverbindungen sind aus vielen Mitteln für den Alltag und die Industrie nicht...

Im Focus: Atoms don't like jumping rope

Nanooptical traps are a promising building block for quantum technologies. Austrian and German scientists have now removed an important obstacle to their practical use. They were able to show that a special form of mechanical vibration heats trapped particles in a very short time and knocks them out of the trap.

By controlling individual atoms, quantum properties can be investigated and made usable for technological applications. For about ten years, physicists have...

Im Focus: Neu entwickeltes Glas ist biegsam

Eine internationale Forschungsgruppe mit Beteiligung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat ein Glasmaterial entwickelt, das sich bei Raumtemperatur bruchfrei verformen lässt. Das berichtet das Team aktuell in "Science". Das extrem harte und zugleich leichte Material verspricht ein großes Anwendungspotential – von Smartphone-Displays bis hin zum Maschinenbau.

Gläser sind ein wesentlicher Bestandteil der modernen Welt. Dabei handelt es sich im Alltag meist um sauerstoffhaltige Gläser, wie sie etwa für Fenster und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Weg entdeckt, um Killerzellen «umzuprogrammieren»

19.11.2019 | Biowissenschaften Chemie

Supereffiziente Flügel heben ab

19.11.2019 | Materialwissenschaften

Energiesysteme neu denken - Lastmanagement mit Blockheizkraftwerk

19.11.2019 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics