Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bonner Archäologen erforschen 1500 Jahre alte Stadt in Mexiko

26.03.2002


Karte der Halbinsel Yukatán
Fotograf: AG Prem / Uni Bonn


"Palast"-Gebäude in Xkipché
Fotograf: AG Prem / Uni Bonn


Archäologen der Universität Bonn haben soeben mit der ersten von drei geplanten Grabungskampagnen in Xkipché auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán begonnen. Die Wissenschaftler erforschen die Lebensumstände der Bevölkerung kurz vor der endgültigen Aufgabe der Siedlung gegen Ende des 10. Jahrhunderts sowie die Rolle der Stadt als Residenz von Lokalfürsten während der turbulenten Zeit ihres Untergangs.

Der Fundort liegt in der Nähe der weltbekannten Ruinenstätte Uxmal (kürzlich zum Weltkulturerbe ernannt) und gehört wie diese der klassischen bis spätklassischen Kultur der Maya mit einer Besiedlungszeit von ca. 500 bis 1.000 nach Christus an. Im Mittelpunkt der aktuellen Untersuchungen stehen kleinere Gebäude mit C-förmigem Grundriss, die als sicherer Indikator für die letzten umfassenden Besiedlung in der Puuc-Region Yucatáns gewertet werden. Einen weiteren Schwerpunkt des überwiegend von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Forschungsprojektes bilden Untersuchungen zu den Lebensumständen der weniger wohlhabenden Bevölkerung. Das Archäologische Projekt Xkipché befasst sich damit als erstes Forschungsprojekt im Norden der Halbinsel Yukatán gezielt mit der bäuerlichen Bevölkerung in der Spätklassik der Mayakultur, während sich fast alle anderen archäologischen Grabungen in dieser Region vorwiegend mit der Rolle der lokalen und überregionalen Eliten auseinandersetzen.

Die deutsche Erforschung der Ruinenstätte Xkipché reicht rund einhundert Jahre zurück: Zwischen 1886 und 1893 besuchte der Forschungsreisende Teobert Maler rund einhundert große und kleine Ruinenstätten in der Puuc-Zone der Halbinsel Yukatán, die er durch Beschreibungen, Zeichnungen und Fotografien dokumentierte. Ein großer Teil dieser Ruinen blieb seither im dichten Buschwald des unübersichtlichen Hügellandes verschollen und wurde erst in den letzten Jahrzehnten wiederentdeckt. Dazu gehört auch Xkipché, das Professor Dr. Hanns J. Prem vom Institut für Altamerikanistik und Ethnologie (IAE) nach langen Nachforschungen 1989 wieder erreichen konnte. Von 1991 bis 1997 gruben Archäologen der Universität Bonn dort einen Palastkomplex aus - mit zwei Stockwerken und über 40 zum großen Teil noch gut erhaltenen Räume einer der größten der ganzen Region.

Etwa 1.000 nach Christus übernahm eine andere Bevölkerungsschicht die Führung, deren Bauten sich unter anderem an ihrer schlechten handwerklichen Qualität erkennen lassen. Schließlich wurde die Region für beinahe ein Jahrtausend verlassen. Über die Ursachen lassen sich vorläufig nur Spekulationen anstellen. Möglicherweise spielte eine Überbeanspruchung der natürlichen Ressourcen durch den traditionellen Brandrodungsanbau eine Rolle, die vermutlich mit einem längeren Zeitraum niederschlagsarmer Jahre zusammentraf. Diese wirkten sich in einem Gebiet ohne Oberflächengewässer, in dem die Bevölkerung auf die Speicherung des Niederschlages aus der Regenzeit für die trockene Zeit des Jahres angewiesen war, katastrophal aus. Aber auch gesellschaftliche Umwälzungen als Folge von lokalen Kriegen und sozialen Unruhen werden aus den Forschungsergebnissen von Xkipché immer wahrscheinlicher.

Das Projekt in Xkipché wird auf Einladung der mexikanischen Regierung vom IAE - einem auf die Erforschung der alten Kulturen Amerikas spezialisierten Universitätsinstitut - durchgeführt. Die Grabung ist als reine Forschungsgrabung angelegt, eine spätere Öffnung der Ruinenstätte für Besucher nicht beabsichtigt.


Weitere Informationen: Prof. Dr. Hanns J. Prem, Institut für Altamerikanistik und Ethnologie (IAE) an der Universität Bonn, Tel.: 0228/73-4449, Fax: 0228/73-4385, E-Mail: prem@uni-Bonn.de

Dr. Andreas Archut | idw

Weitere Berichte zu: Halbinsel IAE Ruinenstätte Xkipché

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Damit auch kleine Unternehmen von der Digitalisierung profitieren
16.08.2018 | Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

nachricht Verformung mit Fingerspitzengefühl
13.08.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics