Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

500.000 Euro für die Interkulturalitätsforschung

21.03.2002


VolkswagenStiftung fördert an den Universitäten Erfurt und Heidelberg zwei Untersuchungen zur Identitätsbildung in Indien und den USA

"Interkulturalität" ist - wie ganz aktuell die Diskussionen um das Zuwanderungsgesetz deutlich machen - sowohl aus wissenschaftlicher Perspektive als auch unter praktischen, politischen und gesellschaftlichen Aspekten
ein zentrales Thema. Die VolkswagenStiftung fördert seit geraumer Zeit Vorhaben, die sich mit entsprechenden Fragestellungen auseinander setzen. Übergreifendes Ziel ist es, die Wissenschaft darin zu unterstützen, Prozesse der Identitätsbildung im interkulturellen Kontext zu untersuchen und damit auch zur Eröffnung neuer Perspektiven für politisch-gesellschaftliches Handeln beizutragen. Seit Beginn der 1990er Jahre hat die VolkswagenStiftung knapp 30 Millionen Euro für rund 170 Projekte in den beiden aufeinander folgenden Förderschwerpunkten zum "Fremden und Eigenen" zur Verfügung gestellt. Jetzt wurden zwei weitere Forschungsvorhaben neu bewilligt.

Mit 292.600 Euro unterstützt wird das Projekt "Das Fremde im Eigenen: Interkultureller Austausch und kollektive Identitäten in den gesellschaftlichen Umbrüchen der 1960er und 1970er Jahre am Beispiel der USA und der Bundesrepublik Deutschland" am Historischen Seminar der Universität Heidelberg. Dort beschäftigt sich Professor Dr. Detlef Junker mit den amerikanischen und deutschen Protestbewegungen der 1960er Jahre. Diese Bewegungen erscheinen im Rückblick als soziokulturelle Variante eines bereits begonnenen Globalisierungsprozesses, auf dessen wirtschaftlichen, technologischen und politischen Vormarsch sie reagierten. Erforscht werden sollen die Transferprozesse von Ideen, Lebensstilen und kulturellen Praktiken zwischen den USA und der Bundesrepublik Deutschland für die 1960er und 1970er Jahre.

Das Vorhaben gliedert sich in mehrere Fallstudien. In dem ersten Teilprojekt soll die deutsche Diskussion um das amerikanische Engagement in Vietnam untersucht werden. Dabei geht es aber nicht um den militärischen Krieg der Amerikaner in Vietnam, sondern um den "semiotischen Krieg" der Deutschen um Vietnam als Chiffre bundesdeutscher Selbstverständigung - mithin um die Einverleibung des (fremden) amerikanischen Krieges in den (eigenen) deutschen Traditionszusammenhang zum Zwecke der Identitätsbildung.
In einer zweiten Fallstudie werden die Zwillingsorganisationen des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes und der Students for a Democratic Society als Träger interkulturellen Austausches analysiert. Ein drittes Teilprojekt geht der Frage nach, inwieweit politische Utopien und Protestformen neue Konzepte von Öffentlichkeit und privater Lebenswelt hervorgebracht haben, und eine vierte Studie wird erstmals die Verflechtungen zwischen amerikanischer und deutscher Frauenbewegung systematisch aufarbeiten im Hinblick auf die Herausbildung eines feministischen Selbstverständnisses. Kooperationspartner auf US-amerikanischer Seite ist Professorin Belinda Davis von der Rutgers University, New Jersey.
------------------
Kontakt: Universität Heidelberg, Professor Dr. Detlef Junker
Telefon: 0 62 21/54 24 77, Fax: 0 62 21/54 24 49
------------------
Mit 218.000 Euro gefördert wird das Vorhaben "Muslime im Spannungsfeld pluraler Identitäten. Alt-Delhi im 19. Jahrhundert". Alt-Delhi war bis zum 19. Jahrhundert eines der herausragenden muslimischen Zentren Nordindiens. Der politische Niedergang der Stadt ging einher mit einer kulturellen Blüte - insbesondere in der Literatur und der Theologie. Professor Dr. Jamal Malik vom Lehrstuhl für Islamwissenschaft der Philosophischen Fakultät der Universität Erfurt plant eine Untersuchung der Muslime Alt-Delhis, die im Untersuchungszeitraum (19. Jahrhundert) etwas mehr als die Hälfte der Einwohner jener Stadt stellten. Drei große Entwicklungen bilden den Hintergrund der Untersuchung: erstens der Kolonialismus, der nicht nur zu einer Kulturbegegnung ungeahnten Ausmaßes geführt hat, sondern auch durchgreifende wirtschaftliche und soziale Veränderungen bedeutete; zweitens die daraus resultierende zunehmende Ausdifferenzierung der Gesellschaft und drittens der Wandel der öffentlichen Sphäre durch die Herauslösung von Ansprachen und Versammlungen aus dem halb-privaten Raum der Stadtpaläste, Schulen und Moscheen und durch neue Kommunikationsmedien wie Zeitungen oder Pamphlete. Projektpartner ist Professor Imtiaz Ahmad von der Jahawar Lal Nehru University, New Delhi.
------------------
Kontakt: Universität Erfurt, Professor Dr. Jamal Malik
Telefon: 03 61/7 37 41 00, Fax: 03 61/7 37 41 09
------------------
HINWEIS:

Die VolkswagenStiftung veranstaltet vom 24. bis 26. April 2002 in Freiburg das erste wissenschaftliche Symposium zu den im Rahmen dieses Schwerpunkts - "Konstruktionen des ’Fremden’ und des ’Eigenen’: Prozesse interkultureller Abgrenzung, Vermittlung und Identitätsbildung" - geförderten Vorhaben. Interessierte Journalistinnen und -journalisten sind herzlich eingeladen, nach vorheriger Anmeldung an der Veranstaltung teilzunehmen. Über den genauen Ablauf informieren wir Sie rechtzeitig; ab etwa Anfang April halten wir auch ein ausführliches Programm für Sie bereit. Bereits jetzt stehen wir für weitere Auskünfte zum Symposium gern zur Verfügung.
-------------------
Kontakt Symposium: Universität Freiburg, Professor Dr. Eva Kimminich, Telefon: 07 61/2 03 31 20
-------------------
Kontakt VolkswagenStiftung: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Dr. Christian Jung, Telefon: 05 11/83 81 - 380, E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

Kontakt Förderinitiative "Fremdes und Eigenes": VolkswagenStiftung, Antje Gunsenheimer, Telefon: 05 11/83 81 - 276, E-Mail: gunsenheimer@volkswagenstiftung.de

Christian Jung | idw

Weitere Berichte zu: Identität Identitätsbildung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt
25.05.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Nanopartikel aus Kläranlagen - vorläufige Entwarnung
02.05.2018 | Universität Siegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics