Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lust auf Zigarette im Ein-Stunden-Takt

14.03.2002


Schaltstellen im Gehirn für getimtes Verlangen entdeckt

Raucher, die sich zum Aufhören entschieden haben, verspüren häufig eine Stunde später bereits wieder Lust auf eine Zigarette. Forscher der University of Chicago haben jetzt herausgefunden, welche Schaltungen im Gehirn für dieses Verlangen verantwortlich sind. Die Kenntnisse könnten auch zu neuen Methoden im Kampf gegen das Zigaretten-Laster führen, berichtet die aktuelle Online-Ausgabe des Fachblattes Nature. Die Studie wurde in "Neuron"(Neuron, 33, 905-919) veröffentlicht.

Durch einen einzigen Lungenzug werden Gehirnzellen in Nikotin getaucht, so die Forscher um Daniel McGehee, was die Sekretion des beglückenden Substanz Dopamin bewirke. Innerhalb von Sekunden verfliegt die Sensibilität der Zellen auf Nikotin, daher sei es unklar, warum Raucher eine ganze Zigarette rauchen. "Nikotin beeinflusst andere Verbindungen im Gehirn, die die Freisetzung von Dopamin fein abstimmen", so McGehee. Im Speziellen schalte eine Nikotinladung eine bestimmte Verbindung für die Dauer von rund einer Stunde ab. Die Verbindung stoppt normalerweise die Freisetzung von Dopamin.

Regeneriert sich diese Schaltstelle wieder signalisiert, das gesunkene Dopamin dem Raucher ein Verlangen, erklärte McGehee und der Kreislauf des Verlangens unterliege wieder dem Suchtpotenzial von Nikotin. Er vermutet, dass die Lösung, das Verlangen auf Dauer zu unterbinden, in einer Substanz liegt, die diese Stelle im Gehirn sich nicht erholen lässt. "Rauchen und Glücksgefühl werden von einander getrennt."

Kettenraucher trotzen laut McGehee der Stundenregel. Für sie ist bereits die Handlung des Rauchens an sich zur Sucht geworden, glaubt David Balfour von der University of Dundee. Nikotin, so McGehee, bindet an Rezeptoren von Gehirnneuronen und aktiviert diese. Jeder Nervenzellentypus besitzt verschiedene Versionen der Rezeptoren, die in der Folge anders auf Nikotin reagieren. McGehee entdeckte zwei separate Schaltstellen, die die Reaktion der Dopamin abgebenden Zellen regulieren. Gelangt Nikotin in das Gehirn, fördert eine Stelle die Aktivität der Dopamin abgebenden Nervenzellen, die zweite Stelle wird abgeschaltet. Beide Effekte zusammen bewirken die nachhaltige Wirkung einer Zigarette. "Die Balance kippt in Richtung Stimulus der Dopamin abgebenden Neuronen", so McGehee. Jetzt müsse untersucht werden, wie die chronische Nikotinaufnahme bei starken Rauchern die Reaktion der Schaltstellen verändert.

Sandra Standhartinger | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.nature.com/nsu/020311/020311-7.html
http://www.neuron.org

Weitere Berichte zu: Dopamin Nikotin Raucher Zigarette

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Nicht so stabil wie gedacht: UDE-Forscher testen gängiges Flammschutzmittel
10.01.2019 | Universität Duisburg-Essen

nachricht Wie Hirnregionen einander zuhören
02.01.2019 | Universität zu Lübeck

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultra ultrasound to transform new tech

World first experiments on sensor that may revolutionise everything from medical devices to unmanned vehicles

The new sensor - capable of detecting vibrations of living cells - may revolutionise everything from medical devices to unmanned vehicles.

Im Focus: Fliegende optische Katzen für die Quantenkommunikation

Gleichzeitig tot und lebendig? Max-Planck-Forscher realisieren im Labor Erwin Schrödingers paradoxes Gedankenexperiment mithilfe eines verschränkten Atom-Licht-Zustands.

Bereits 1935 formulierte Erwin Schrödinger die paradoxen Eigenschaften der Quantenphysik in einem Gedankenexperiment über eine Katze, die gleichzeitig tot und...

Im Focus: Flying Optical Cats for Quantum Communication

Dead and alive at the same time? Researchers at the Max Planck Institute of Quantum Optics have implemented Erwin Schrödinger’s paradoxical gedanken experiment employing an entangled atom-light state.

In 1935 Erwin Schrödinger formulated a thought experiment designed to capture the paradoxical nature of quantum physics. The crucial element of this gedanken...

Im Focus: Implantate aus Nanozellulose: Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

Aus Holz gewonnene Nanocellulose verfügt über erstaunliche Materialeigenschaften. Empa-Forscher bestücken den biologisch abbaubaren Rohstoff nun mit zusätzlichen Fähigkeiten, um Implantate für Knorpelerkrankungen mittels 3-D-Druck fertigen zu können.

Alles beginnt mit einem Ohr. Empa-Forscher Michael Hausmann entfernt das Objekt in Form eines menschlichen Ohrs aus dem 3-D-Drucker und erklärt: «Nanocellulose...

Im Focus: Nanocellulose for novel implants: Ears from the 3D-printer

Cellulose obtained from wood has amazing material properties. Empa researchers are now equipping the biodegradable material with additional functionalities to produce implants for cartilage diseases using 3D printing.

It all starts with an ear. Empa researcher Michael Hausmann removes the object shaped like a human ear from the 3D printer and explains:

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

16. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

17.01.2019 | Veranstaltungen

Erstmalig in Nürnberg: Tagung „HR-Trends 2019“

17.01.2019 | Veranstaltungen

Wie Daten und Künstliche Intelligenz die Produktion optimieren

16.01.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rittal erweitert Geschäftsführung: Uwe Scharf ist neuer Geschäftsführer Business Units und Marketing bei Rittal

18.01.2019 | Unternehmensmeldung

Leistungsschub für alle Omicron Laser

17.01.2019 | Messenachrichten

16. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

17.01.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics