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Charakteristischer Schatten Gemälde Rafael unabsichtlich

20.02.2002


Es hat sich erwiesen, dass die sehr tiefen Schatten und der äußerst dunkle Hintergrund in der unteren Hälfte Rafaels letzten Gemäldes, Die Transfiguration von Christus (1517-1520), niemals so vom Maler beabsichtigt waren.


Es hat sich erwiesen, dass die sehr tiefen Schatten und der äußerst dunkle Hintergrund in der unteren Hälfte Rafaels letzten Gemäldes, Die Transfiguration von Christus (1517-1520), niemals so vom Maler beabsichtigt waren. So behauptet die Amsterdamer Kunsthistorikerin und Doktorandin Margriet van Eikema Hommes. Sie studierte, finanziert von der niederländischen Organisation für wissenschaftliche Forschung (NWO), die Alterung und Verfärbung von Gemälden.

Die Untersuchung gibt Aufschluss über eine schon Jahrhunderte dauernde Diskussion über Rafaels malerische Absichten. Die moderne Literatur betrachtet die tiefen Schatten und die harten Übergänge zwischen hell und dunkel, die stark von denen in Rafaels sonstigem Werk abweichen, als ein wesentliches Merkmal des Gemäldes. Vasari, ein Zeitgenosse Rafaels, bemerkte jedoch in seinem Vite (1568), dass die Schatten im Gemälde innerhalb von 50 Jahren erheblich dunkler geworden waren.
Die Forscherin vergleicht Rafaels Gemälde mit Vorstudien und frühen gemalten Kopien. So konnte sie nachweisen, dass die Schattenpartien im Original tatsächlich dunkler geworden sind. Durch die dunklen Schatten ist der Kontrast zwischen den beleuchteten und überschatteten Partien stärker und mehr abrupt geworden. Dies hat zu der Suggestion einer theatralischen, dramatische Beleuchtung geführt; ein Effekt, der nicht von Rafael beabsichtigt wurde.
Italienische Texte aus dem sechszehnten Jahrhundert zeigen, dass am Anfang dieses Jahrhunderts die Beleuchtung in einem Gemälde noch nicht als Expressionsmittel diente. In Die Transfiguration dient die Lichtbehandlung unten am Berg ausschließlich zur Suggestion der Dreidimensionalität.
Die Untersuchung von Eikema Hommes ist die erste umfangreiche kunsthistorische Studie, die das Problem der Alterung und Verfärbung von Gemälden in den Mittelpunkt rückt. Sie verschafft Einblick in die ursprüngliche Zusammensetzung der Farben, die Maler aus der Renaissance und dem Barock benutzten und wie ihre Gemälde original aussahen.
Ausgangspunkt für die Untersuchung bildeten zweihundert Texte aus dieser Zeit über Maltechnik und Kunsttheorie. Die Forscherin verwendete diese Quellen als Basis und kombinierte sie mit Ergebnissen moderner Analysegeräte. Die Untersuchung von Van Eikema Hommes ist Teil von Molart, das NWO-Programm für Forschung nach molekularen Aspekten der Alterung in Gemälden. Dieses wird vom Programm De Mayerne gefolgt.
Nähere Informationen bei der Doktorandin Margriet van Eikema Hommes (Universität von Amsterdam, Lehrstuhlgruppe Kunstgeschichte der Neuesten Zeit), Tel. +31 (0)20 6892132, E-Mail: eikema@kih.myweb.nl
Promotion am 22. Februar. Promotor Prof. Dr. E. van de Wetering. Von der Dissertation erscheint in Zukunft eine Handelsversion.

Msc Michel Philippens | idw

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