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Sicher manövrieren im Gehirn

02.10.2001


Multimedia-Peis für Ulmer Neurochirurgen

Privatdozent Dr. Veit M. Braun, Oberarzt in der Abteilung Neurochirurgie der Universität Ulm, ist diesen Sommer mit dem von der Deutschen Telekom und der Zeitschrift Focus zum nunmehr dritten Mal verliehenen Multimediapreis "DigiGlobe" ausgezeichnet worden. Anerkannt wurden damit seine Leistungen auf dem Gebiet der multimodalen kranialen Neuronavigation, der 3D-bildgeführten Hirnchirurgie.

Das größte Problem bei der operativen Entfernung gutartiger Hirntumoren liegt darin, dass sie fast genauso aussehen wie gesundes Gewebe. Besonders kritisch wird die Operation, wenn der Tumor in einer der wichtigen Schaltzentralen des Gehirns, etwa dem Sprach- oder Hörzentrum, liegt. Hier manövriert der Chirurg zwischen der Scylla, den Tumor nur unvollständig zu entfernen, und der Charybdis, gesunde Hirnareale in Mitleidenschaft zu ziehen. Standardverfahren zum Nachweis von Hirntumoren ist heute die Kernspintomographie (MRT). Sie aber ist weder immer in der Lage, das genaue Ausmaß des Tumors abzubilden, noch zeigt sie dem Chirurgen, wo kritische Hirnregionen des Patienten wie Sprachzentrum, Bewegungszentrum oder Kurzzeitgedächtnis lokalisiert sind. Eine solche gehirntopograhphische Bestimmung läßt sich jedoch mit der funktionellen Kernspintomographie (fMRT) vornehmen, die Aktivitätssteigerungen von Nervenzellen anhand ihres erhöhten Sauerstoffumsatzes misst und abbildet.

Als erster interdisziplinärer Arbeitsgruppe weltweit gelang es nun den Abteilungen Neurochirurgie (Prof. Dr. Hans-Peter Richter), Röntgendiagnostik (Prof. Dr. Hans-Jürgen Brambs) und Nuklearmedizin (Prof. Dr. Sven Norbert Reske) der Universität Ulm, MRT und fMRT miteinander zu kombinieren: Die Datensätze beider Aufnahmen werden zu einem dreidimensionalen Gesamtbild zusammengeführt und während der Operation ähnlich einer Diaprojektion auf dem Gehirn abgebildet. So wird zum einen der Tumor besser erkennbar, zum anderen sieht man, wo in Relation zum Tumor die funktionskritischen Gehirnregionen des Patienten liegen. Um den Tumor präzise zu orten, wird noch eine dritte diagnostische Maßnahme eingeschaltet: die Positronenemissionstomiographie (PET), die mit Hilfe von radioaktiv markiertem C11-Methionin die Stoffwechselaktivität des Tumors abbildet. Nach dem neuen Verfahren sind inzwischen mehr als 30 Operationen erfolgreich durchgeführt worden.

Der DigiGlobe würdigt Projekte, die, auf höchstem technologischem Niveau konzipiert, unmittelbar dem Wohl des Menschen dienen und sein Verständnis für technologische Entwicklungen fördern. Er hat damit neben der technisch-naturwissenschaftlichen auch eine politisch-gesellschaftliche Dimension. Der diesjährigen Jury gehörten unter anderen Prof. Bazon Brock, Professor für Ästhetik und Gestaltungstheorie Universität Wuppertal, Bundesbildungs- und Forschungsministerin Edelgard Bulmahn, Dr. Hubert Burda, Vorstandsvorsitzender der Hubert Burda Media, Dr. Florian Langenscheidt aus dem Vorstand des Bibliographischen Instituts F. & A. Brockhaus AG, ZDF-Intendant Dr. Dieter Stolte und Telekom-Chef Dr. Ron Sommer an.

Peter Pietschmann | Universität Ulm

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