Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Schädelfunde vom Neandertaler

26.09.2001


Tübinger Forschern gelingt Identifizierung von 150 000 Jahre alten Knochenfragmenten

Zwischen 1997 und 1999 wurden bei Sarstedt, im Leinetal zwischen Hannover und Hildesheim, drei menschliche Schädelfragmente geborgen. Die Funde wurden nicht bei einer systematischen archäologischen Grabung, sondern von Hobbyarchäologen nach Aushubarbeiten eines Baggers entdeckt, so dass sie nicht durch einen zeitlich genau eingeordneten Fundplatz datiert und identifiziert werden konnten. Die wichtigste und interessanteste Frage, die sich die Archäologen stellten, war, ob es sich bei den menschlichen Überresten um Knochenfragmente von Neandertalern oder von jüngeren unserer menschlichen Vorfahren handelt. Dr. Alfred Czarnetzki vom Institut für Anthropologie und Humangenetik der Universität Tübingen und dem Humangenetiker Dr. Carsten M. Pusch ist es gelungen nachzuweisen, dass die gefundenen Schädelstücke von Neandertalern stammen (Journal of Human Evolution 41, 2001, S.133-141). Funde von Neandertalern sind äußerst selten: Nur zwei Funde sind bekannt gegenüber 100 Fundstellen von ihren Werkzeugen. Daher sind die neuen Funde für die anthropologische Forschung über unsere menschlichen Ahnen von großer Bedeutung. Bei den Schädelfragmenten handelt es sich um ein intaktes rechtes Schläfenbein, das von einem Mädchen stammt, das vermutlich nur zwei bis vier Jahre alt wurde. Der zweite Fund ist ein Fragment eines Hinterhauptes, und der dritte Fund ist Teil eines Scheitelbeines.

Die geologischen Merkmale der Fundstelle erlauben zwar Hinweise auf den zeitlichen Ursprung der Fragmente, aber die Behauptung, dass es sich um Reste von Neandertalern handelt, können sie nicht begründen. Die Artefakte, Handäxte, Schaber, etc., die über einen Zeitraum von drei Jahren in der Umgebung der Fundstelle ausgegraben wurden sind typisch für das Mittlere Paläolithikum (vor 170 000 bis 40 000 Jahren), genau lassen sich die menschlichen Knochenfunde durch die Werkzeuge aber nicht datieren. Die Zuordung der Funde zum Homo neanderthalensis konnte auch ohne hinreichende Informationen der Umgebung der Fundstelle, allein durch die äußere Form und die Charakteristika der Knochen selbst nachgewiesen werden.

Die genaue Untersuchung der Morphologie der gefundenen Schädelstücke ergab für die Forscher, dass sie mit Sicherheit zur Gattung der Neandertaler gehören. Um zu einem solchen Schluss zu gelangen, muss die Osteomorphologie sowohl der urgeschichtlichen Menschen wie auch des modernen Menschen untersucht und verglichen werden. Der Neandertaler weist einige spezifische Charakteristika auf, an denen die Wissenschaftler, auch wenn für die Untersuchung nur kleine Knochenfragmente vorliegen, wie es in bei diesen Funden der Fall war, die Zugehörigkeit erkennen können. So sind etwa bei einem der Schädelstücke, dem Scheitelbein, Abdrücke von zwei Arterien zu sehen, deren Verlauf typisch für den Schädel eines Neandertalers ist, beim modernen Menschen dagegen verlaufen die Arterien in eine andere Richtung. Durch weitere Untersuchungen, zum Beispiel über molekularbiologische Verfahren, wollen die Forscher diese Ergebnisse überprüfen.

Weitere Informationen:
Dr. Alfred Czarnetzki
Osteologische Sammlung der Universität Tübingen
Wilhelmstraße 27
72074 Tübingen
Tel.: 0 70 71/2 97 61 64.
E-Mail: Palaeoczarn@uni-tuebingen.de

Michael Seifert | idw

Weitere Berichte zu: Fund Fundstelle Neandertaler Schädelstück

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Damit auch kleine Unternehmen von der Digitalisierung profitieren
16.08.2018 | Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

nachricht Verformung mit Fingerspitzengefühl
13.08.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

Mit Festkörperbatterien sind aktuell große Hoffnungen verbunden. Sie enthalten keine flüssigen Teile, die auslaufen oder in Brand geraten könnten. Aus diesem Grund sind sie unempfindlich gegenüber Hitze und gelten als noch deutlich sicherer, zuverlässiger und langlebiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Jülicher Wissenschaftler haben nun ein neues Konzept vorgestellt, das zehnmal größere Ströme beim Laden und Entladen erlaubt als in der Fachliteratur bislang beschrieben. Die Verbesserung erzielten sie durch eine „clevere“ Materialwahl. Alle Komponenten wurden aus Phosphatverbindungen gefertigt, die chemisch und mechanisch sehr gut zusammenpassen.

Die geringe Stromstärke gilt als einer der Knackpunkte bei der Entwicklung von Festkörperbatterien. Sie führt dazu, dass die Batterien relativ viel Zeit zum...

Im Focus: It’s All in the Mix: Jülich Researchers are Developing Fast-Charging Solid-State Batteries

There are currently great hopes for solid-state batteries. They contain no liquid parts that could leak or catch fire. For this reason, they do not require cooling and are considered to be much safer, more reliable, and longer lasting than traditional lithium-ion batteries. Jülich scientists have now introduced a new concept that allows currents up to ten times greater during charging and discharging than previously described in the literature. The improvement was achieved by a “clever” choice of materials with a focus on consistently good compatibility. All components were made from phosphate compounds, which are well matched both chemically and mechanically.

The low current is considered one of the biggest hurdles in the development of solid-state batteries. It is the reason why the batteries take a relatively long...

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Universum Studie: Internationalität und Praxisbezug sind Erfolgsfaktoren der ISM

20.08.2018 | Unternehmensmeldung

Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

20.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Metamolds: Eine Gussform für eine Gussform

20.08.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics