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Rückkehr des Dienstmädchens?!

06.07.2001


VolkswagenStiftung bewilligt 20 Millionen Euro für neue Forschungsvorhaben. Im Folgenden vier Beispiele aus den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften.

Dass immer mehr Technik nicht nur in Unternehmen, sondern auch im Haushalt die menschliche Arbeitskraft überflüssig macht, scheint zumindest im letzteren Fall eine Fehleinschätzung zu sein. Denn offenbar lässt sich in den vergangenen Jahren wieder eine Renaissance des "Dienstmädchens" beobachten - und das zahlenmäßig in einem Ausmaß vergleichbar der Zeit vor hundert Jahren, die das Bild prägte, das wir immer noch mit dem Wort Dienstmädchen verbinden. Damals wie heute sind es meist Frauen, die als Kindermädchen, Haushaltshilfen, Putz- und Pflegekräfte die Versorgungsarbeit leisten. Heute anders als damals sind es aber in der Regel Migrantinnen aus Osteuropa, Ostasien und Lateinamerika, die vielfach nicht als Arbeitskräfte gemeldet sind und deren Beschäftigung damit eine Art "Schattenwirtschaft" bildet.

Mit diesem Problemkomplex, mit "Gender, Ethnizität und Identität. Die neue Dienstmädchenfrage im Zeitalter der Globalisierung" beschäftigen sich die Wissenschaftlerinnen Privatdozentin Dr. Helma Lutz und Professorin Dr. Marianne Krüger-Potratz vom Fachbereich Erziehungswissenschaft und Sozialwissenschaft der Universität Münster. Ziel ihres Forschungsvorhabens ist es, die interkulturellen Aspekte solcher Alltagsarrangements zu erforschen - das zugleich mit historischem Bezug und in zwei Großstädten (Berlin und Frankfurt) sowie einem ländlichen Raum (Umgebung von Münster). Methodisch bedienen sich die Wissenschaftlerinnen Gruppen- und erzählenden Einzelinterviews sowie der teilnehmenden Beobachtung. Geplant ist ferner ein Dokumentarfilm zum Thema. Die VolkswagenStiftung unterstützt das Projekt in ihrem Schwerpunkt "Konstruktionen des ’Fremden’ und des ’Eigenen’" drei Jahre lang mit 257.500 Euro.

An die hitzig geführte - und im Verlaufe eines Landtagswahlkampfs hoch gepeitschte - Debatte zur Anfang des Jahres 2000 in Kraft getretenen Änderung des deutschen Staatsangehörigkeitsrechts dürften sich viele noch gut erinnern. Neben der erleichterten Einbürgerung von seit langem in diesem Land lebenden Ausländern und dem automatischen Erwerb der Staatsangehörigkeit durch die hier geborene zweite und dritte Generation ging es dabei vor allem um die Frage, ob - wie bis dato - eine Einbürgerung zugleich den Verlust der vorhandenen Staatsangehörigkeit einer Person erzwingt, oder ob mehr als bislang möglich eine doppelte Staatsbürgerschaft zugelassen wird.
Mit dem Projekt "Doppelte Staatsbürgerschaft in einer sich globalisierenden Welt - Deutschland im internationalen Vergleich beschäftigt sich Privatdozent Dr. Thomas Faist vom Institut für Interkulturelle und Internationale Studien der Universität Bremen. Im Mittelpunkt seiner Untersuchungen steht zwar die Situation in Deutschland, darüber hinaus vergleicht er sie aber mit den Niederlanden und Schweden als typischen "toleranten" beziehungsweise "offenen" Immigrationsländern sowie der Türkei und Polen als klassischen Emigrationsländern. Im Vergleich der unterschiedlichen Situationen in den Ländern soll so erklärt werden, ob und in welcher Hinsicht sich die Interessen von Immigrations- und Emigrationsländern sowie die Perspektiven ihrer jeweiligen "Staatsbürger" unterscheiden. Die VolkswagenStiftung fördert das Vorhaben in ihrem Schwerpunkt "Globale Strukturen und deren Steuerung" drei Jahre lang mit rund 250.000 Euro.

Polen - und desgleichen die frühere Tschechoslowakei - ist auch Zielregion eines Forschungsvorhabens an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/ Oder. Dort beschäftigt sich Professorin Dr. Helga Schultz von der Forschungsstelle Wirtschafts- und Sozialgeschichte Ostmitteleuropas mit dem "Wirtschaftsnationalismus in Ostmitteleuropa - Polen und die Tschechoslowakei im Vergleich von der Mitte des 19. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts". Mit dem Phänomen des Wirtschaftsnationalismus ist wirtschaftliches Handeln gemeint, das von außerökonomischen, politischen Vorgaben bestimmt ist und zuvorderst auf die Einheit, Unabhängigkeit und Stärke einer Nation zielt. In der untersuchten Region zeigt der Wirtschaftsnationalismus ein ganz eigenes Gesicht - bedingt durch das Zusammenspiel dreier charakteristischer Einflussfaktoren: der Fremdbestimmung in einem großen Staatenbund unter einer dominanten Großmacht, der wirtschaftlichen Rückständigkeit sowie einer ethnisch sehr heterogenen Bevölkerung. Beide Länder besitzen darüber hinaus einerseits eine Fülle historischer Gemeinsamkeiten bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, sind zum anderen aber durch ein unterschiedliches Niveau in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung und der Integration in den Weltmarkt charakterisiert. Wirkt sich folglich bei allen Gemeinsamkeiten dieses unterschiedliche Ausmaß an "Rückständigkeit" auf die Entwicklung des Wirtschaftsnationalismus aus? Für die Beantwortung dieser und anderer Fragen im Projekt stellt die VolkswagenStiftung drei Jahre lang 374.400 Euro zur Verfügung.

Über weitere Bewilligungen in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften informieren wir Sie auf unserer Homepage.

Kontakt VolkswagenStiftung: Christian Jung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 0511/8381-380, 
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

Kontakt Universität Münster: Prof. Dr. Marianne Krüger-Potratz, Tel.: 0251/8324299, Fax: 0251/8329244

Kontakt Universität Bremen: Priv.-Doz. Dr. Thomas Faist, Tel.: 0421/2184349, Fax: 0421/2187248

Kontakt Universität Viadrina Frankfurt/Oder: Prof. Dr. Helga Schultz, Tel.: 0335/5534314, Fax: 0335/5534613

Dipl.Biol. Christian Jung | idw

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