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"Neurofeedback" - Mit der Maus gegen Tic- und andere Störungen - Neues Programm aus Göttingen

10.10.2000


Abt. Kinder- und Jugendpsychiatrie des Bereiches Humanmedizin entwickelt Computerprogramm

In der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin ist ein Computerprogramm in Spielform entwickelt worden, bei dem die TV-bekannte Maus aus der "Sendung mit der Maus" unter anderem Stabhochsprung macht, einen Luftballon aufbläst oder mit dem Elefanten Tandem fährt. Das Programm wird voraussichtlich bis zum Ende des Jahres 2000 einsatzbereit sein. Das Besondere an diesem "Spiel" ist, es wird nicht mit der (Computer-) Maus oder einem Joystick gesteuert, sondern über Veränderungen der elektrischen Hirnaktivität (EEG) des Patienten. Das Programm hat damit ein so genanntes Brain-Computer-Interface. Das Computerprogramm mit dem Namen "GÖFI" wurde allerdings nicht als Spielzeug entwickelt. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass ein Training, beim dem die Veränderung bestimmter EEG-Anteile erlernt wird, zur Verbesserung der willentlich geleiteten Selbststeuerungsfähigkeiten beitragen kann. Dieses Training, das als EEG-Biofeedback oder Neurofeedback bezeichnet wird, kann besonders bei solchen kinder- und jugendpsychiatrischen Störungsbildern von therapeutischem Nutzen sein, bei denen von grundlegenden Störungen zentralnervöser Steuerungs-, Kontroll- und Selbstregulationsprozessen ausgegangen wird, wie zum Beispiel bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS), Tic-Störungen oder Zwangsstörungen.

Vor allem in Nordamerika ist Neurofeedback zur Behandlung bei ADHS sehr populär und offenbar erfolgreich; es wird in vielen Praxen angeboten. Allerdings wurde bisher keine kontrollierte Studie durchgeführt, die untersuchte, wie gut der therapeutische Nutzen ist und warum es überhaupt wirkt. Es ist geplant, eine solche Studie in der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie zukünftig durchzuführen.

Das EEG-Biofeedbackprogramm der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie unterscheidet sich von anderen Programmen. Es unterstützt unterschiedliche EEG-Biofeedbacktypen (Regulation so genannter langsamer kortikaler Potentiale, EEG-Frequenzbandtraining). Außerdem können kind- und jugendlichengerechte und ansprechende Feedback-Animationen ausgewählt werden. Mit einem speziell für das Feedback-System entwickelten EEG-Verstärker wird GÖFI zu einem einfach zu bedienenden, portablen und robusten System, so dass es auch für einen Routineeinsatz geeignet sein wird. Dieses System soll in Kooperation mit niedergelassenen Kollegen bei Kindern mit ADHS und Tic-Störungen klinisch-praktisch erprobt, der therapeutische Nutzen gemessen und die Therapie schließlich optimiert werden.

Weitere Informationen:
Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie
Von-Siebold-Str. 5
37075 Göttingen

Dr. Hartmut Heinrich, Tel.: 0551 / 39-7340, E-Mail: hheinri@gwdg.de
Dr. Gunther Moll, Tel.: 0551 / 39-6454, E-Mail: gmoll@gwdg.de

Rita Wilp | idw

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