Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lesen und Schreiben in psychischen Krisen

14.09.2000


... mehr zu:
»Bibliotherapie
Studie zu neuer psychotherapeutischer Methode an der Universität Münster

In psychischen Krisen schreiben sich viele Menschen ihre Ängste und Schmerzen von der Seele oder lesen Bücher, die ihnen Rat und Hoffnung geben. Viele psychisch Kranke greifen intuitiv zu dieser Form der Selbsthilfe. Bekannte Beispiele dafür sind Friedrich Hölderlin und Friedrich Nietzsche. In den USA sind Poesie- und Bibliotherapie anerkannte Psychotherapiemethoden, in Deutschland dagegen hat die heilende Wirkung von Lektüre und Schriftstellerei noch keine Beachtung in Wissenschaft und Praxis gefunden. Erstmalig beschäftigt sich eine Pilotstudie der Arbeitsstelle Randgruppenkultur/ - literatur am Institut für Deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik der Universität Münster mit der Bedeutung von Schreiben und Lesen in einer Lebenskrise.

Das Forschungsteam hatte sich im Frühjahr 1996 mit einer bundesweiten Ausschreibung an Menschen gewandt, die mit oder ohne psychotherapeutisch-psychiatrische Unterstützung eine schwere Krise bewältigt haben. Die unerwartet hohe Resonanz mit fast 5000 Texten von 800 zumeist weiblichen Autoren deutet auf ein Massenphänomen und auf den starken Wunsch, diese Selbsterfahrungen mitzuteilen. Das Spektrum der Formen und Gattungen reicht von kurzen Briefen über ausführliche Briefe, Gedichte, Erzählungen, Aufsätze, Tagebuchauszüge bis hin zu umfangreichen Autobiographien und Tagebüchern. Etliche der Texte sind entstanden, ohne durch die Reflexion gesteuert zu sein und drücken dadurch unmittelbar inneres Erleben aus. Einige Niederschriften haben durchaus literarische Qualität. Die Aufzeichnungen kreisen vor allem um körperliche Krankheiten, Trennungsschmerzen, psychische Krisensituationen, Isolation, Angst und Tod.

Diese Themen prägen auch den Lesestoff der Teilnehmer der Studie. Psychologische und medizinische Sachbücher und Ratgeber, aber auch Erfahrungsberichte, Trivialliteratur und Weltliteratur finden sich in den Bücherschränken. Dabei zeigt sich, dass in psychischen Grenzsituationen das Lesen vor allem als Konzentrationsübung oder als Ablenkung, aber auch als Hilfe dient.

Die Autoren der Studie, Prof. Dr. Helmut H. Koch und Nicola Kessler, setzen sich für die Anerkennung der Schreib- und Lesetherapie neben der Kunst-, Musik- und Tanztherapie und die Integration literaturtherapeutischer Inhalte in die Ausbildung beispielsweise von Lehrern, Erziehern oder Psychologen. Deshalb erarbeitet die Arbeitsstelle Randgruppenliteratur zusammen mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und dem Alexianerkrankenhaus in Münster praktische Therapiemöglichkeiten. Außerdem erheben die Wissenschaftler zurzeit in Fachkliniken und psychologischen Praxen Deutschlands empirische Daten zum Stand der Poesie- und Bibliotherapie. Eine weitere Erhebung soll das Leseverhalten von Krankenhauspatienten quantifizieren. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe realisiert und vom Bundesforschungsministerium gefördert.

Weitere Auskünfte sind über die E-Mail-Adresse dokurg@uni-muenster.de zu erhalten.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Brigitte Nussbaum |

Weitere Berichte zu: Bibliotherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Wenn Blutgefäße zu durchlässig sind
01.10.2019 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Sensoren aus bioinspirierten Nanoporen
27.09.2019 | Technische Universität Darmstadt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Im Focus: An ultrafast glimpse of the photochemistry of the atmosphere

Researchers at Ludwig-Maximilians-Universitaet (LMU) in Munich have explored the initial consequences of the interaction of light with molecules on the surface of nanoscopic aerosols.

The nanocosmos is constantly in motion. All natural processes are ultimately determined by the interplay between radiation and matter. Light strikes particles...

Im Focus: Shaping nanoparticles for improved quantum information technology

Particles that are mere nanometers in size are at the forefront of scientific research today. They come in many different shapes: rods, spheres, cubes, vesicles, S-shaped worms and even donut-like rings. What makes them worthy of scientific study is that, being so tiny, they exhibit quantum mechanical properties not possible with larger objects.

Researchers at the Center for Nanoscale Materials (CNM), a U.S. Department of Energy (DOE) Office of Science User Facility located at DOE's Argonne National...

Im Focus: Neuer Werkstoff für den Bootsbau

Um die Entwicklung eines Leichtbaukonzepts für Sportboote und Yachten geht es in einem Forschungsprojekt der Technischen Hochschule Mittelhessen. Prof. Dr. Stephan Marzi vom Gießener Institut für Mechanik und Materialforschung arbeitet dabei mit dem Bootsbauer Krake Catamarane aus dem thüringischen Apolda zusammen. Internationale Kooperationspartner sind Prof. Anders Biel von der schwedischen Universität Karlstad und die Firma Lamera aus Göteborg. Den Projektbeitrag der THM fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand mit 190.000 Euro.

Im modernen Bootsbau verwenden die Hersteller als Grundmaterial vorwiegend Duroplasten wie zum Beispiel glasfaserverstärkten Kunststoff. Das Material ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung trifft Energiewende

15.10.2019 | Veranstaltungen

Bauingenieure im Dialog 2019: Vorträge stellen spannende Projekte aus dem Spezialtiefbau vor

15.10.2019 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2019

14.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

15.10.2019 | Physik Astronomie

Immer im richtigen Takt: Ultrakurze Lichtblitze unter optischer Kontrolle

15.10.2019 | Physik Astronomie

„Tanzmuster“ von Skyrmionen vermessen

15.10.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics