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Ein Netzwerk von Konflikten. FU-Forscher beobachten das Alltagsleben in Westafrika

01.03.2001


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»Akpaki »Fulbe »Westafrika
Im vergangenen Jahr informierte am Zentrum für Entwicklungsländer-Forschung (ZELF) eine große Fotoausstellung über den Alltag in einem zentralafrikanischen Land. Sie war Teil der Forschungen
der Fachrichtung Anthropogeographie und Angewandte Geographie am Fachbereich Geowissenschaften der Freien Universität Berlin in Benin. Hier droht nach Ansicht von Prof. Dr. Fred Scholz ein neuer innerafrikanischer Krieg um die Lebensgrundlagen Land und Wasser.

Josef Akpaki stammt aus Benin, einem Land in Westafrika, das bei uns nur wenige kennen. Er hatte das große Glück, zur Schule gehen zu können und anschließend mit Hilfe eines Stipendiums studieren zu dürfen. Wer die Situation des Landes kennt, weiß, dass dies nur einem Bruchteil der dort lebenden Bevölkerung vorbehalten ist. Seit vier Jahren ist Josef Akpaki nun in Berlin, um an der Freien Universität seine Doktorarbeit im Fach Geographie anzufertigen. Am Zentrum für Entwicklungsländer-Forschung (ZELF) des Instituts für Geographische Wissenschaften unter der Leitung von Prof. Dr. Fred Scholz hat er ausführliche Forschungen über die Fulbe, einem Nomadenstamm in Benin, durchführen können. Möglich wurde dies mit Hilfe eines DAAD-Stipendiums.

Die Arbeit wurde für Akpaki zu einem persönlichen Anliegen, denn schon von klein auf wurde er mit den Fulbe und mit deren Lebensstil verbundenen Problemen konfrontiert. Sechs Prozent der Gesamtbevölkerung Benins gehören dem Nomadenstamm an. Man kann die Fulbe auch als mobile Tierhalter bezeichnen, die sich auf Rinderzucht spezialisiert haben. Je nach Witterungsbedingungen (Trocken- oder Regenzeit) ziehen sie mit ihren Herden zu den verschiedenen Wasserquellen quer durch die Länder Benin, Nigeria und Togo, ohne dabei auf Grenzen zu achten. Ihr Ziel ist in erster Linie die Selbstversorgung. Mehr und mehr tendieren sie dazu, ihre Tiere in den Küstenstädten zu verkaufen.

Ursprünglich erstreckte sich ihr Verbreitungsgebiet über ganz Westafrika. Durch die postkoloniale Grenzziehung wurden sie auf mindestens sechs Staaten verteilt. Sie besitzen keinerlei Staatsangehörigkeit und haben in Benin keine Boden-, sondern nur Nutzungsrechte. Da sie kein eigenes Territorium besitzen, verfügen sie weder über eine Vertretung in der lokalen noch in der staatlichen Verwaltung. Auch ein interstaatlicher Zusammenschluss der Fulbe existiert nicht, so dass ihre Interessen nicht wirkungsvoll an die Öffentlichkeit getragen werden.

Im Gegensatz zu den Fulbe haben sich die Ackerbauern auf den Anbau von Yams (eine Art Süßkartoffel), Mais, Sesam, Sorghum und Maniok spezialisiert. Aber auch Baumwolle und Cashewnüsse werden angebaut. Ihr Flächenbedarf ist daher groß. Durch die starke Bevölkerungsexplosion in den letzten Jahren wächst der Existenzdruck stetig, und ihr Raumanspruch wird immer größer, das Weideareal der Fulbe dadurch immer kleiner.

Diese Ausgangspositionen führten zwangsläufig zu Konflikten zwischen der sesshaften Bevölkerung und den Fulbe. Josef Akpakis Ziel war nun deren genaue Erforschung. Das Wie und Warum, die Wirkung auf die Bevölkerung und die Folgen für die Landesentwicklung wurden zum Thema seiner Doktorarbeit. So konnte Akpaki allein während einer halbjährigen Materialsammlung in Benin 35 Konflikte zwischen den Ackerbauern und den mobilen Tierhaltern nachweisen und detailliert dokumentieren.
Hierbei handelt es sich um ein sehr kompliziertes Netzwerk von Konflikten auf ganz verschiedenen Ebenen. Beispielsweise fühlen sich die Ackerbauern in ihrer Existenz bedroht, wenn die Fulbe ihre riesigen Herden quer über ihre Felder treiben. Das Angebaute wird zertrampelt oder abgefressen. Andererseits haben die Fulbe oft keine anderen Möglichkeiten, da keine Ausweichrouten vorhanden sind. Wird den Fulbe die Weidenutzung untersagt, führt dies zu einer Schwächung ihrer wirtschaftlichen und lebensweltlichen Grundlage. Auch das Abdrängen der Fulbe von Wasserstellen und Wasserläufen gefährdet ihre Existenz. So wächst die Not auf beiden Seiten. Die Folgen sind Diebstähle, Belästigungen bzw. Vergewaltigungen der zurückgebliebenen Frauen, wenn ihre Männer unterwegs sind, Tötungen von Herdentieren bis hin zu Morden. Die Konflikte schaukeln sich fast schon zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen auf. Zur Eskalation der Konflikte kam es aber auch durch westliche Hilfsprojekte, wie beispielsweise den Bau von Brunnen und durch Naturkatastrophen. So löste in den 70er Jahren die Trockenheit in der Sahelzone eine massenhafte Süd-Migration aus. Seitdem treten die Auseinandersetzungen zwischen Ackerbauern und Nomaden in großer Brutalität. Häufigkeit und Verbreitung auf und gelten als allgemeines Entwicklungshemmnis des Landes.

Um diese Unruhen, die das gesamte Land erschüttern, beenden zu können, schlägt Josef Akpaki verschiedene Lösungsansätze vor: Eine einfache, aber kritische Lösung wäre die Vertreibung der Fulbe aus dem Land. Sinnvoller - wenn auch ungleich schwieriger - wäre die politische Lösung. Akpaki vermutet, dass NGOs (Nicht-Regierungsorganisationen) zu bilden erfolgreicher arbeiten könnten. Er fordert, dass dort nur die Seßhaften und die Fulbe, aber keine Regierungsbeamten vertreten sein dürften. Zwei Kommitees sollten nebeneinander arbeiten; das eine wäre für die Kontrolle, das andere für Entscheidungen zuständig. Am Anfang könnte dieser Vorschlag als Modelprojekt gestartet werden, Erfolge würden sich schnell herumsprechen und eine Verbreitung dieser Konfliktlösung wäre ohne großen Aufwand möglich.

von Claudia Kurreck


Weitere Informationen erteilt Ihnen gerne:
Univ.-Prof. Dr. Fred Scholz, Institut für Geographische Wissenschaften an der Freien Universität Berlin, Zentrum für Entwicklungsländer-Forschung, Malteserstr. 74-100, 12249 Berlin, Tel.: 030 / 838-70224

Ilka Seer | idw

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