Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krisen auf Distanz halten

09.09.2002


Ehemaliger Generalinspekteur Klaus Naumann erstellt Gutachten im Auftrag der Bertelsmann Stiftung

Bundeswehr und NATO sind auf die neuen militäri­schen Herausforderungen, die sich aus der sicherheitspolitischen Situation nach den Terror­anschlägen vom 11. September ergeben, strategisch nicht ausreichend eingestellt. Unabhängig von der Zusammensetzung der neuen Regierung müsse nach der Bundestagswahl die Aus­richtung und Planung der Bundeswehr in Teilen überarbeitet werden. Dies ist das Fazit eines Gutachtens, das der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr und frühere Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, Klaus Naumann, im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erarbeitet hat.

Durch die neue Lage sind nach Auffassung Naumanns auch einige der Vorschläge der "Weiz­säcker-Kommission" zur Reform der Bundeswehr faktisch überholt. So müsse ein integriertes Schutzkonzept für alle Sicherheitskräfte erarbeitet werden. Die Abwehr von Angriffen, die nicht von fremden Streitkräften ausgingen, müssten danach unter Führung des Innenministe­riums geplant und koordiniert werden. Die Bundeswehr könne dabei etwa Beiträge zum Schutz des Luftraums und der Territorialgewässer sowie ABC-Abwehr-, Pionier- oder Sani­tätsaufgaben leisten.

Das Gutachten folgert aus einer Analyse der globalen Szenarien, dass militärische Bedrohun­gen zukünftig am besten dort bekämpft werden sollten, wo sie entstehen. Dies verlange mo­bile und verlegefähige Streitkräfte. Denkbar sei daher, so Naumann, auch eine Neugewich­tung der Teilstreitkräfte. Da 80 Prozent aller erkennbaren Krisenregionen nicht weiter als 200 Kilometer von einer Küste entfernt lägen, müssten die Seestreitkräfte der Bundeswehr beson­deres Gewicht bekommen. Hauptträger von Interventionen blieben jedoch die Landstreit­kräfte, die mit Luftunterstützung aus großer Entfernung oder direkt im Kampfgebiet interve­nieren und nach militärischen Operationen vorübergehend auch Polizeiaufgaben wahrnehmen können.

Die notwendigen Interventionsstreitkräfte als Kern der Bundeswehr müssten eine Größenord­nung von 150.000 "einsatzbereiten und längerdienden Soldaten" umfassen, bei einer Gesamt­stärke von 210.000 Zeit- und Berufssoldaten. Gleichzeitig spricht sich Naumann entschieden für eine zusätzliche Wehrpflichtigenkomponente und damit für die Beibehaltung der Wehr­pflicht aus. Wehrpflichtige sollten aber zukünftig vornehmlich Aufgaben der territorialen Landes- und Bündnisverteidigung wahrnehmen.

In Bezug auf die zukünftig erforderlichen Ressourcen verweist Naumann auf das jüngste Ab­kommen zwischen der NATO und Russland. Die Bedrohung des europäischen Zentralkonti­nents habe sich durch dieses Abkommen weiter verringert. Der Aufwand für Mobilmachung könne daher weitgehend für andere Aufgaben genutzt werden. Dringenden Handlungsbedarf sieht Naumann bei der materiellen Ausstattung von Bundeswehr und NATO. Durch die sich verschärfende "Fähigkeitslücke" seien die Europäer kaum noch in der Lage, in bestimmten

Bereichen gemeinsame Operationen mit den USA durchzuführen. Grundsätzlich fordere die neue Situation eine Erhöhung des Verteidigungshaushalts innerhalb der nächsten zehn Jahre auf zwei Prozent des deutschen Bruttosozialprodukts. Naumann: "Unter den neuen vor­herrschenden Bedingungen ist Sicherheit nicht zum Nulltarif zu haben."

Das sicherheitspolitische Gutachten Naumanns für die Bertelsmann Stiftung ist ein Beitrag für die Task Force "Zukunft der Sicherheit", einer Expertengruppe, die kurz nach dem 11. September ins Leben gerufen wurde. Unter Leitung von Prof. Werner Weidenfeld, Präsidiumsmitglied der Stiftung, soll sie eine Schwachstellenanalyse der gegenwärtigen außen- und innenpolitischen Sicherheitsstrukturen vornehmen und einen Katalog von Empfehlungen für die Abwehr aktueller und denkbarer Bedrohungen erarbeiten.


Rückfragen an: Norbert Osterwinter, Telefon: 0 52 41 / 81-81 484

Julia Schormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de/presse

Weitere Berichte zu: Generalinspekteur Krise NATO

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Damit auch kleine Unternehmen von der Digitalisierung profitieren
16.08.2018 | Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

nachricht Verformung mit Fingerspitzengefühl
13.08.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics