Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Augendiagnostik: Malaria früher erkennen

19.03.2019

Malaria ist mit beinahe 500.000 Todesopfern pro Jahr eine der tödlichsten Krankheiten überhaupt. Verursacher der Infektionskrankheit sind Parasiten (Plasmodien), die durch Mückenstiche übertragen werden. Bei der sogenannten Zerebralen Malaria, die mit einer besonders hohen Sterblichkeit einhergeht, ist insbesondere das Gehirn als Teil des zentralen Nervensystems von der Erkrankung betroffen. Die Netzhaut des Auges ist ebenfalls Teil des zentralen Nervensystems, weshalb es bei der Form der Zerebralen Malaria in der Regel auch zu einer Symptomatik in der Netzhaut kommt. Hier setzt die Forschungsarbeit von François Paquet-Durand vom Tübinger Forschungsinstitut für Augenheilkunde an.

Ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlern um Professor Dr. François Paquet-Durand aus dem Forschungsinstitut für Augenheilkunde und dem Institut für Tropenmedizin am Universitätsklinikum Tübingen haben die durch Malaria hervorgerufene Netzhautschädigung (Retinopathie) systematisch in einem Mausmodell untersucht.


Diese Untersuchungen zeigten, dass die Symptomatik der Malaria in der Netzhaut der Maus der der menschlichen Retinopathie stark ähnelt. Neu dabei ist die Erkenntnis, dass die Krankheitserreger in der Lage sind, die Blut-Netzhaut-Schranke zu überwinden und in das neuronale Gewebe der Netzhaut einzudringen. Die dabei auftretenden degenerativen Gewebsveränderungen könnten auch die Symptomatik der Malaria im Gehirn erklären.

Nach Behandlung der Versuchstiere mit Medikamenten gegen Malaria wurden die Erreger im Blut innerhalb von drei Tagen vollständig abgetötet, in der Netzhaut hingegen waren die Erreger auch noch nach zwölftägiger medikamentöser Behandlung vorhanden.

Die Wissenschaftler vermuten die Ursache darin, dass gängige Anti-Malaria Medikamente die Blut-Netzhaut-Schranke kaum überwinden können. Dies könnte erklären, warum es bei einem zu frühen Absetzen von Anti-Malaria Medikamenten zu Rückfällen mit häufig schwerwiegenden Folgen kommen kann.

Weiterhin konnten die Forscher zeigen, dass mit modernen, nicht-invasiven bildgebenden Verfahren, wie der Scanning-Laser-Ophthalmoskopie (SLO) und der Optischen-Cohärenz-Tomographie (OCT), die Infiltration der Erreger in die Netzhaut frühzeitig erkannt wird.

Den Wissenschaftlern ist es gelungen, im Tiermodell die Malaria-induzierte Retinopathie mehrere Tage vor Auftreten von anderen Krankheitssymptomen zu diagnostizieren. Damit ergibt sich bei der Verwendung von bildgebenden Verfahren für die Netzhaut ein erheblicher Zeitvorteil.

„In Zukunft könnten durch eine frühere Diagnose die Heilungschancen bei der Behandlung von Malariapatienten erheblich verbessert werden“, erklärt Paquet-Durand. Die Hoffnung ist nun, dass dadurch die hohe Sterblichkeit bei Malaria-Infektionen gesenkt werden kann.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Universitätsklinikum Tübingen
Forschungsinstitut für Augenheilkunde
Prof. Dr. rer. nat. François Paquet-Durand
Cell Death Mechanism Group
Elfriede-Aulhorn-Straße 5-7, 72076 Tübingen
E-Mail: francois.paquet-durand@uni-tuebingen.de
Tel.: 0049 7071 29 87430
Skype: francois.paquet-durand

Originalpublikation:

A retinal model of cerebral malaria
François Paquet-Durand, Susanne C. Beck, Soumyaparna Das, Gesine Huber, Le Chang, Timm Schubert, Naoyuki Tanimoto, Marina Garcia-Garrido, Regine Mühlfriedel, Sylvia Bolz, Wolfgang Hoffmann, Ulrich Schraermeyer, Benjamin Mordmüller & Mathias W. Seeliger
https://doi.org/10.1038/s41598-019-39143-z

Bianca Hermle | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-tuebingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Mit Hightech-Analytik besser erkennen, ob der Krebs zurückkehrt
11.02.2020 | Deutsches Krebsforschungszentrum

nachricht Dem Blick folgen – Die Handprothese verbessern
11.02.2020 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente menschliche Organe ermöglichen dreidimensionale Kartierungen auf Zellebene

Erstmals gelang es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, intakte menschliche Organe durchsichtig zu machen. Mittels mikroskopischer Bildgebung konnten sie die zugrunde liegenden komplexen Strukturen der durchsichtigen Organe auf zellulärer Ebene sichtbar machen. Solche strukturellen Kartierungen von Organen bergen das Potenzial, künftig als Vorlage für 3D-Bioprinting-Technologien zum Einsatz zu kommen. Das wäre ein wichtiger Schritt, um in Zukunft künstliche Alternativen als Ersatz für benötigte Spenderorgane erzeugen zu können. Dies sind die Ergebnisse des Helmholtz Zentrums München, der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität München (TUM).

In der biomedizinischen Forschung gilt „seeing is believing“. Die Entschlüsselung der strukturellen Komplexität menschlicher Organe war schon immer eine große...

Im Focus: Skyrmions like it hot: Spin structures are controllable even at high temperatures

Investigation of the temperature dependence of the skyrmion Hall effect reveals further insights into possible new data storage devices

The joint research project of Johannes Gutenberg University Mainz (JGU) and the Massachusetts Institute of Technology (MIT) that had previously demonstrated...

Im Focus: Skyrmionen mögen es heiß – Spinstrukturen auch bei hohen Temperaturen steuerbar

Neue Spinstrukturen für zukünftige Magnetspeicher: Die Untersuchung der Temperaturabhängigkeit des Skyrmion-Hall-Effekts liefert weitere Einblicke in mögliche neue Datenspeichergeräte

Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat einen weiteren...

Im Focus: Making the internet more energy efficient through systemic optimization

Researchers at Chalmers University of Technology, Sweden, recently completed a 5-year research project looking at how to make fibre optic communications systems more energy efficient. Among their proposals are smart, error-correcting data chip circuits, which they refined to be 10 times less energy consumptive. The project has yielded several scientific articles, in publications including Nature Communications.

Streaming films and music, scrolling through social media, and using cloud-based storage services are everyday activities now.

Im Focus: Nanopartikel können Zellen verändern

Nanopartikel dringen leicht in Zellen ein. Wie sie sich dort verteilen und was sie bewirken, zeigen nun erstmals hochaufgelöste 3D-Mikroskopie-Aufnahmen an BESSY II. So reichern sich bestimmte Nanopartikel bevorzugt in bestimmten Organellen der Zelle an. Dadurch kann der Energieumsatz in der Zelle steigen. „Die Zelle sieht aus wie nach einem Marathonlauf, offensichtlich kostet es Energie, solche Nanopartikel aufzunehmen“, sagt Hauptautor James McNally.

Nanopartikel sind heute nicht nur in Kosmetikprodukten, sondern überall, in der Luft, im Wasser, im Boden und in der Nahrung. Weil sie so winzig sind, dringen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

4. Fachtagung Fahrzeugklimatisierung am 13.-14. Mai 2020 in Stuttgart

10.02.2020 | Veranstaltungen

Alternative Antriebskonzepte, technische Innovationen und Brandschutz im Schienenfahrzeugbau

07.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

„Kiss and Run“ zur Abfallverwertung in der Zelle

14.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kurze Impulse mit großer Wirkung

14.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

ESO-Teleskop sieht die Oberfläche des schwächelnden Beteigeuze

14.02.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics