Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

XML Encryption ist unsicher: RUB-Forscher brechen WWW-Standard

19.10.2011
Großkunden betroffen: Gütesiegel hält nicht, was es verspricht

Standards sollen Verlässlichkeit schaffen, vor allem im WWW. Hier gibt das World Wide Web Consortium, kurz W3C, bei der Standardisierung den Ton an. Die Organisation formuliert technische Anforderungen und Richtlinien für Internet-Technologien wie HTML, XHTML oder XML. Doch das Gütesiegel W3C hält nicht immer, was es verspricht. Forscher vom Lehrstuhl für Netz- und Datensicherheit der RUB (Prof. Dr. Jörg Schwenk) haben jetzt den so genannten „XML Encryption“-Standard gebrochen. „Alles unsicher“ lautet die wenig beruhigende Botschaft aus Bochum.

Standard für Großkunden

XML steht für „Extensible Markup Language“ und ist vor allem beim Datenaustausch zwischen Computersystemen im Einsatz. Branchengrößen wie IBM, Microsoft und Redhat Linux setzen auf die standardisierte Lösung, um Webservice-Anwendungen für Großkunden zu realisieren. XML Encryption soll dabei die Vertraulichkeit der äußerst sensiblen Datenströme in Bereichen wie E-Commerce, Finanzdienste oder öffentliche Verwaltung gewährleisten. Grund genug, um ihn professionell unter die Lupe zu nehmen.

Schwache Verkettung von Chiffretext-Blöcken

Juraj Somorovsky und Tibor Jager konnten eine Schwäche bei der Verkettung der Chiffretext-Blöcke im Betriebsmodus CBC für den Angriff ausnutzen. „Wir können verschlüsselte Daten entschlüsseln, indem wir den Server mit modifizierten Chiffretexten ansprechen und aus seiner Antwort Rückschluss auf die eigentliche Nachricht ziehen.“ Die Bochumer Forscher testeten das Verfahren selbst oder wurden von Firmen benachrichtigt, die ihre Produkte auf Anfälligkeit gegenüber der XML Encryption Schwachstelle prüften – in allen Fällen war das Resultat eindeutig: Der Angriff funktioniert, der weit verbreitete Standard ist definitiv nicht sicher. Details stellen die Forscher in dieser Woche auf der renommierten ACM Conference on Computer and Communications Security (ACM CCS 2011) in Chicago vor.

Kein Allheilmittel in Sicht

Trotz vielfach bestätigter Diagnose ist jedoch kein Allheilmittel in Sicht: „Eine universelle Gegenmaßnahme gibt es erstmal nicht“, so Somorovsky. „Daher empfehlen wir dringend, den Standard anzupassen und die technische Spezifikation diesen Erkenntnissen folgend zu aktualisieren.“ Die Wissenschaftler informierten alle Anbieter über die Mailingliste des W3C. Mit einigen interessierten Entwicklern habe man gemeinsam individuell zugeschnittene Sicherheitslösungen entwickeln können.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Jörg Schwenk, Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der RUB, Lehrstuhl für Netz- und Datensicherheit, Tel. 0234/32-26692, joerg.schwenk@rub.de

Angeklickt

Konferenz CCS 2011 (Programm):
http://www.sigsac.org/ccs/CCS2011/techprogram.shtml
Redaktion: Jens Wylkop

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/
http://www.sigsac.org/ccs/CCS2011/techprogram.shtml

Weitere Berichte zu: ACM Allheilmittel CCS Datensicherheit Encryption Gütesiegel Verkettung W3C WWW-Standard XML

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Erster Test für neues Roboter-Umweltmonitoring-System der TU Bergakademie Freiberg
10.07.2020 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

nachricht Robuste Hochleistungs-Datenspeicher durch magnetische Anisotropie
10.07.2020 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektrische Spannung aus Elektronenspin – Batterie der Zukunft?

Forschern der Technischen Universität Ilmenau ist es gelungen, sich den Eigendrehimpuls von Elektronen – den sogenannten Elektronenspin, kurz: Spin – zunutze zu machen, um elektrische Spannung zu erzeugen. Noch sind die gemessenen Spannungen winzig klein, doch hoffen die Wissenschaftler, auf der Basis ihrer Arbeiten hochleistungsfähige Batterien der Zukunft möglich zu machen. Die Forschungsarbeiten des Teams um Prof. Christian Cierpka und Prof. Jörg Schumacher vom Institut für Thermo- und Fluiddynamik wurden soeben im renommierten Journal Physical Review Applied veröffentlicht.

Laptop- und Handyspeicher der neuesten Generation nutzen Erkenntnisse eines der jüngsten Forschungsgebiete der Nanoelektronik: der Spintronik. Die heutige...

Im Focus: Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

Verlustfreie Stromleitung bei Raumtemperatur? Ein Material, das diese Eigenschaft aufweist, also bei Raumtemperatur supraleitend ist, könnte die Energieversorgung revolutionieren. Wissenschaftlern vom Exzellenzcluster „CUI: Advanced Imaging of Matter“ an der Universität Hamburg ist es nun erstmals gelungen, starke Hinweise auf Suprafluidität in einer zweidimensionalen Gaswolke zu beobachten. Sie berichten im renommierten Magazin „Science“ über ihre Experimente, in denen zentrale Aspekte der Supraleitung in einem Modellsystem untersucht werden können.

Es gibt Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten. So kann z. B. Wasser nicht durch die Glaswand von einem Glas in ein anderes fließen. Erstaunlicherweise...

Im Focus: The spin state story: Observation of the quantum spin liquid state in novel material

New insight into the spin behavior in an exotic state of matter puts us closer to next-generation spintronic devices

Aside from the deep understanding of the natural world that quantum physics theory offers, scientists worldwide are working tirelessly to bring forth a...

Im Focus: Im Takt der Atome: Göttinger Physiker nutzen Schwingungen von Atomen zur Kontrolle eines Phasenübergangs

Chemische Reaktionen mit kurzen Lichtblitzen filmen und steuern – dieses Ziel liegt dem Forschungsfeld der „Femtochemie“ zugrunde. Mit Hilfe mehrerer aufeinanderfolgender Laserpulse sollen dabei atomare Bindungen punktgenau angeregt und nach Wunsch aufgespalten werden. Bisher konnte dies für ausgewählte Moleküle realisiert werden. Forschern der Universität Göttingen und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen ist es nun gelungen, dieses Prinzip auf einen Festkörper zu übertragen und dessen Kristallstruktur an der Oberfläche zu kontrollieren. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature erschienen.

Das Team um Jan Gerrit Horstmann und Prof. Dr. Claus Ropers bedampfte hierfür einen Silizium-Kristall mit einer hauchdünnen Lage Indium und kühlte den Kristall...

Im Focus: Neue Methode führt zehnmal schneller zum Corona-Testergebnis

Forschende der Universität Bielefeld stellen beschleunigtes Verfahren vor

Einen Test auf SARS-CoV-2 durchzuführen und auszuwerten dauert aktuell mehr als zwei Stunden – und so kann ein Labor pro Tag nur eine sehr begrenzte Zahl von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erster Test für neues Roboter-Umweltmonitoring-System der TU Bergakademie Freiberg

10.07.2020 | Informationstechnologie

Binnenschifffahrt soll revolutioniert werden: Erst ferngesteuert, dann selbstfahrend

10.07.2020 | Verkehr Logistik

Robuste Hochleistungs-Datenspeicher durch magnetische Anisotropie

10.07.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics