Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stuttgarter Forschergruppe sucht nach neuen Lösungen für Passwörter und Pins

25.05.2012
Sicher – oder benutzbar?

Ob Scheckkarte, Handy, Webseiten oder der Computer im Büro – ohne Passwörter und Pins geht im modernen Leben fast nichts mehr. Doch was die Sicherheit gewährleistet, kann sich der Mensch meist nicht merken.

Die Arbeitsgruppe „Mensch-Computer-Interaktion“ am Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme der Universität Stuttgart sucht nach Lösungen, bei denen sich Sicherheit und Benutzbarkeit nicht ausschließen. Die Authentisierung, also zum Beispiel das Anmelden auf einer Webseite, ist dabei das zentrale Thema. Ihre Forschungsarbeiten stellten die Stuttgarter Wissenschaftler jüngst auch auf der internationalen Konferenz für Mensch-Maschine Interaktion CHI 2012 in Austin/Texas vor.

Ein sicheres Passwort besteht idealerweise aus einer langen Kombination von Buchstaben, Zahlen sowie Sonderzeichen und sollte regelmäßig geändert werden. Doch diese aus technischer Sicht sinnvollen Hinweise sind für viele Menschen in der Umsetzung im Alltag zu aufwändig. Häufig schreiben sie sich die Passwörter daher auf und die eigentlich zur Erhöhung der Sicherheit gedachte Maßnahme führt genau zum Gegenteil.
Ein Verfahren, das die Stuttgarter Wissenschaftler in Kooperation mit der Universität Cambridge in Großbritannien entwickelt haben, verwendet daher Bilder statt Passwörter für den Anmeldevorgang. Ein System zeichnet die Blickbewegung des Benutzers auf und verwendet diese zur Authentisierung. Zur Registrierung betrachtet der Benutzer die Details eines Bildes in einer von ihm gewählten Reihenfolge. Indem eine vorberechnete Bildmaske einfach zu erratende Blickbewegungen ausschließt, wird das neue Verfahren sicher und ist zugleich einfach zu benutzen. Was bisher noch an Laborgeräten getestet wird, dürfte schon in fünf Jahren an jedem Display einsetzbar sein, das Augenbewegungen aufzeichnen kann, so zum Beispiel bei Laptops, Handys oder auch mit Hilfe der viel diskutierten neuen Google-Brillen.

Signatur aus der Luft
Problematisch ist auch die Sicherung von Mobiltelefonen, die meist eine Vielzahl sehr privater Informationen, wie das Adressbuch, SMS, E-Mails und offene Webseiten enthalten und in der Regel durch die Eingabe eines PINs oder von Gesten vor dem Zugriff Dritter geschützt werden sollen. Solche Gesten oder PIN-Eingaben sind aber mit einer Kamera sehr einfach zu beobachten. Mit Hilfe der Aufnahme ist der Entsperrvorgang reproduzierbar und daher recht unsicher. Gemeinsam mit den Telekom Innovations Labs in Berlin haben die Forscher aus Stuttgart die Sicherheit eines Verfahrens untersucht, bei dem der Benutzer seine Unterschrift mit einem Magneten in die Luft schreibt, um das Telefon zu entsperren. Zur Überprüfung der Sicherheit wurde ein Szenario durchgespielt, bei dem ein Angreifer mit vier Kameras versuchte, die Passwörter der Testpersonen zu knacken. Gelungen ist es ihm nicht: Sicherheit und Benutzbarkeit sind also durchaus vereinbar. Allerdings: „Die Grundvoraussetzung ist, dass der Mensch und seine Fähigkeiten in die Sicherheitsanalyse sowie in das Design einbezogen werden“, so der Leiter der Forschungsgruppe, Prof. Albrecht Schmidt vom Lehrstuhl Mensch-Computer-Interaktion innerhalb des Exzellenzcluster Simulation Technology der Universität Stuttgart. Damit eine Technologie angenommen wird und im Wettbewerb eine Chance hat, müsse sie einfach handhabbar und verständlich sein – „und sie muss Spaß machen.“

Weitere Informationen bei Prof. Albrecht Schmidt, SimTech Lehrstuhl Mensch-Computer-Interaktion, Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme,
Tel. 0711/685-60048, e-mail: albrecht.schmidt@vis.uni-stuttgart.de.
Demonstration der Handy-Verschlüsselung auf YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=vhwURyTp_jY

Andrea Mayer-Grenu | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-stuttgart.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Glasses Guide: Neues Tool zur Auswahl von Datenbrillen und Anwendungen
15.10.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

nachricht Einzigartige Infrastruktur für Deep Learning – DFKI erhält ersten NVIDIA DGX2 Supercomputer Europas
11.10.2018 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ultraleichte und belastbare HighEnd-Kunststoffe ermöglichen den energieeffizienten Verkehr

19.10.2018 | Materialwissenschaften

IMMUNOQUANT: Bessere Krebstherapien als Ziel

19.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Raum für Bildung: Physik völlig schwerelos

19.10.2018 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics